Von Schottland nach Niederösterreich

Von Schottland nach Niederösterreich

Thomas Rezanka

Im Gespräch mit dem heimischen Instrumentenbauer Thomas Rezanka, der sich auf den Bau und die Restaurierung von Dudelsäcken spezialisiert hat, gehen wir diese Woche der Geschichte und Verbreitung des Dudelsacks nach, von Schottland bis Österreich.

Wie nicht nur Teilnehmerinnen und Teilnehmer der alljährlichen BordunMusikTage der Volkskultur Niederösterreich wissen, spielen Holzblasinstrumente auch in der heimischen Volksmusik eine große Rolle. Der Dudelsack hat in Österreich eine tief verwurzelte, wenn auch weniger bekannte Tradition.

Historische Varianten wie die Bockpfeife oder die Schäferpfeife waren einst fester Bestandteil ländlicher Musik und begleiteten Feste, Tänze und religiöse Zeremonien. Besonders die Bockpfeife, oft aus Ziegenhaut gefertigt, galt als typisches Instrument bäuerlicher Spielleute. Heute erlebt der österreichische Dudelsack eine Renaissance – nicht zuletzt durch Instrumentenbauer wie Thomas Rezanka, die sich dem Neubau und der Restaurierung dieser traditionellen Sackpfeifen widmen.

Um die Eigenheiten des schottischen Dudelsacks zu beschreiben, ist auch der Vergleich mit dem heimischen Hümmelchen oder dem Bock die bewährte Methode: Anders als das Hümmelchen, das für die Hausmusik gedacht ist und der in der Tonstärke moderate Bock ist der schottische Dudelsack ein sehr lautes Instrument. „Der Dudelsack bringt es auf weiter Flur im Schnitt auf 120 Dezibel“ so Rezanka. Zum Vergleich: Ein lautes Gespräch liegt bei 60 Dezibel, Verkehrslärm im Schnitt bei 85 und in der Diskothek hat es im Schnitt 100 Dezibel. Die 120 Dezibel des schottischen Dudelsacks sind vergleichbar mit einem Presslufthammer oder einem Rockkonzert aus nächster Nähe.

Der „Bock“

In Schottland kennt man ihn als „Great Highland Bagpipe“ oder auf Gälisch „Piob Mhór“ und seine Ursprünge reichen weit zurück: Frühformen des Dudelsacks existierten bereits um 1000 v. Chr. in Regionen wie Ägypten, Persien und Rom. Wie genau das Instrument nach Schottland gelangte, ist nicht ganz klar – möglicherweise brachten es römische Truppen oder nordische Stämme auf die britischen Inseln.

Ab dem 16. Jahrhundert fand er zunehmend Verwendung im Militär, wo sein durchdringender Klang zur Koordination und Motivation von Truppen diente. „Es gibt zwischen 180 und 200 verschiedene Dudelsacktypen“, so Rezanka, für den das Instrument Berufung geworden ist. Aber wie kam es dazu? „Über die Volkskultur Niederösterreich“, lacht Rezanka im Gespräch und erzählt, wie er 1993 erstmals einen von der Volkskultur Niederösterreich veranstalteten Dudelsackkurs besuchte.

Damals packte in die Faszination für das Instrument und der versuchte, sich einen Dudelsack zu kaufen. Das Problem: Eine Lieferfrist von drei Jahren. So lange wollte der damals 21-Jährige nicht warten und beschloss, sich seinen eigenen Dudelsack zu bauen.

Der Rest ist Geschichte, denn heute fertigt Thomas Rezanka als einer von wenigen Dudelsackherstellern in Österreich in traditioneller Handarbeit individuelle Instrumente wie die flämisch-deutsche Schäferpfeife, die französische „Cornemuse de Centre“ und die schwedische „Säckpipa“. Dabei verwendet er regionale Hölzer wie Zwetschke, Birne oder Apfel und näht die Ledersäcke selbst aus hochwertigem Rindsleder. Rezanka verbindet dabei handwerkliche Präzision mit einem tiefen Verständnis für die klanglichen und kulturellen Besonderheiten des Dudelsacks und trägt so zur Erhaltung und Weiterentwicklung dieses traditionsreichen Instruments bei.

Schottischer Dudelsack auf Volksfest

Wie der Bau eines solchen Instruments vonstatten geht, kann man sich hier auf dem YouTube-Kanal der Volkskultur Niederösterreich in einem Video mit Thomas Rezanka ansehen.

Dass der Dudelsack gerade auch bei jüngeren Musikerinnen und Musikern im Trend liegt, beobachtet Thomas Rezanka auch in seiner täglichen Arbeit und führt dieses Interesse auch auf das zunehmende Engagement der Musikschulen zurück, nicht nur in Österreich sondern in ganz Europa.

Auch der junge schottische Musiker Fionnlagh Mac A´Phiocar hat den Dudelsack als sein Instrument ausgewählt – allerdings die moderatere „Scottish Small Pipe“ (kleiner Dudelsack).

Mac A´Phiocar und Hannify
Mac A´Phiocar und Hannify

Die Scottish Smallpipe ist der leisere, kleine Bruder der „Great Highland Pipe“. Dieser Dudelsack hat eine angenehme Lautstärke bei gleicher Griffweise.

Mac A’Phiocar stammt von der abgelegenen Insel North Uist in den Äußeren Hebriden und ist auch Teil des Duos Solas Collective, das sich selten gehörtem Musikmaterial aus dieser Region widmet.

Gemeinsam mit der Viola-Virtuosin Sarah Hannify und der Sängerin Mairi McGillivray bringt er im Rahmen der „18th Scottish  Colours“-Tournee hypnotische Klänge und gälische Lieder auf internationale Bühnen – von Schottland bis in die Schweiz, Deutschland und am 23. Oktober auch bis nach Österreich, wo die Ausnahmetalente für einen Abend Schottland auf die Bühne im Haus der Regionen bringen. Hier kann man sich noch Tickets für das Konzert sichern.

Fotos: Header, 1,2 & 4: zVg Thomas Rezanka, 3: Monsieur Raddar, 4: Fionlaghh Mac A´Phiocar 5:Weltenklang