Zwei Dörfer, zwei Stimmen, eine Band.

Zwei Dörfer, zwei Stimmen, eine Band.

Wenn Johanna Seitinger und Lukas Maierhofer gemeinsam die Bühne betreten, dann eröffnet sich ein musikalisches Universum, in dem Alltagserfahrungen, lokale Eigenheiten und tief empfundene Gefühle in feinsinnig-lakonischen Liedern hörbar werden. Das Duo aus dem steirischen Mürztal hat seit seiner Gründung im Jahr 2020 einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt – von der ersten Live-Studio-Session bis hin zu einem festen Platz in Österreichs Liedermacherszene.

(c) Ralph König

Die musikalische Geschichte von Seitinger & Maierhofer beginnt im Herzen des Mürztals: dort, wo die beiden nicht nur aus unterschiedlichen Orten stammen, sondern – so will es die regionale Legende– aus verfeindeten Ortschaften, nämlich Stanz und Veitsch, zwischen denen Fußballspiele angeblich stets in einer Rauferei endeten. Ob diese Legende der Wahrheit entspricht oder eher eine Metapher für das rau-herbe Lebensgefühl der Region ist – die beiden nutzten sie als Ausgangspunkt für eine friedliche Gegenbewegung: gemeinsam Musik zu machen.

Johanna Seitinger entdeckte früh ihre musikalische Stimme. Sie studierte Jazzgesang an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz, blieb den improvisatorischen Elementen des Jazz verbunden und brachte diese sensibel in ihre Liedermacherei ein.

Lukas Maierhofer bringt eine andere, aber nicht minder tiefe Leidenschaft mit: seine intensive Auseinandersetzung mit der Gitarrenwelt des Sinti-Swing, speziell inspiriert von Django Reinhardt, prägt seinen Klang und sein Spiel.

Noch im Gründungsjahr 2020 veröffentlichten Seitinger und Maierhofer ihre erste EP „huachn’S zua“, aufgenommen in einer Live-Studio-Session und unprätentiös im Netz geteilt.

„Bei uns geht das Liederschreiben fast wie von selbst! Wir lassen dem jeweiligen Thema oder der Geschichte freien Lauf und arbeiten einfach so lange daran, bis wir zufrieden sind.“ So Lukas Maierhofer. „Da wir beide am Land aufgewachsen sind ergibt sich eine natürliche Verbindung zur Volksmusik. Der Ansatz diese alten Lieder neu zu arrangieren und sogar über sie zu improvisieren ist wahrscheinlich der Jazzmusik geschuldet, die wir beide lieben und auch studiert haben.“

(c) Ralph König

Die Reaktionen auf die erste EP zeigten rasch: Das Publikum war neugierig auf diese Mischung aus sprachlicher Wärme, Dialektstimme und erzählerischer Tiefe. Am 21. Oktober 2022 folgte das Debütalbum Seitinger&Maierhofer, bei dem neben vielen Eigenkompositionen auch renommierte Musiker wie Thomas Gansch mitwirkten. Die Musik balanciert dabei zwischen Volksmusik, Jazz und Pop, geerdet im Dialekt, lebendig in der Erzählweise und mit Humor wie Nachdenklichkeit versehen.

Ihre Live-Präsenz wuchs parallel zu ihren Veröffentlichungen: Auftritte und Sendungen bei Ö1 (u. a. Spielräume, Jazznacht), Radio Steiermark und weiteren Formaten machten sie weit über die Szene hinaus bekannt. Solche Konzert- und Radioprojekte, etwa die Reihe „5 Millionen Pesos“ im Wiener Radiokulturhaus, zeigten das Duo auch in Trio- oder Ensemble-Besetzungen mit Kontrabass und anderen Instrumenten – und mit spielfreudiger Intensität.

Seitinger&Maierhofer
Ensemle Seitinger&Maierhofer (c) Ralph König

Im April 2025 erschien ihr zweites Studioalbum “Hauptsoch die Leut habn was zum Redn”. Die neue Platte vertieft ihre Stärke, alltägliche Beobachtungen in poetische, humorvolle und oft unerwartet bewegende Songs zu verwandeln. Musikalisch wächst das Duo über seine beiden Stimmen hinaus: Die feste Bandbesetzung umfasst neben Seitinger und Maierhofer auch Johannes „Jonny“ Kölbl an der steirischen Harmonika. Aufgewachsen in Leibnitz ist Jonny Musiker, Pädagoge, Komponist, Soundbastl und Instrumentenbauer. Früh entdeckte er die Faszination für die Steirische Harmonika und Percussion – ein Interesse, das ihn von der Studio Percussion School in Graz über die Militärmusik Steiermark bis zur Kunstuniversität Graz führte, wo er Schlagzeug Jazz sowie Instrumental- und Gesangspädagogik studierte. Mit einem Nordic Master in Folk Music, den er an renommierten Institutionen in Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen absolvierte, und einem Master in Sound Design an der FH Joanneum in Graz vertiefte er seinen Blick für Klang.

Am Kontrabass unterstützt Tobia Steinrück Seitinger&Maierhofer. Tobias ist ein E- und Kontrabassist aus Graz, er studierte Jazz Kontrabass und IGP Jazz an der Kunstuniversität Graz bei Morten Ramsbol. In seiner bisherigen Karriere spielte er in verschiedensten Formationen, von Trios bis Big Bands, in Stilen wie Jazz, Blues, Rock, Funk, Klezmer, Balkan und brasilianischer Musik. Abgerundet wird das vielseitige Ensemble von Klaus Fürstner aus Bruck an der Mur, der am Schlagzeug neue Akzente setzt. Dabei sind neben seiner klassischen Ausbildung in Österreich auch die Einflüsse aus seiner Zeit in New York stets spürbar.

Wer diese Musikerinnen und Musiker live erleben möchte, hat am Freitag, dem 27. Februar 2026, um 19:30 Uhr, Gelegenheit dazu. Dann präsentiert die Volkskultur Niederösterreich im Haus der Regionen in Krems-Stein Seitinger & Maierhofer unter dem Titel „Hauptsoch de Leut habn was zum Redn“. Wir dürfen uns auf einen Abend freuen, der sowohl Witz als auch Tiefgang vereint, der von Begegnungen, vom Alltag und von Musik erzählt – bodenständig, berührend und voller detailreicher Beobachtungen.

Fotos (c) Ralph König