„Willst a Sträußerl bindn, sche(a)ne Bleamal finden, åft muaßt auf d´Sunnaseitn einege(a)hn“, heißt es in einem überlieferten Lied von der sonnigen „Mölltålleitn“ aus Kärnten.

Blumen und Kräuter sind auf jeden Fall positiv konnotiert. Im Hochsommer blühen die Wiesen im Tal genauso wie die Almböden auf der Höh´.
Kräuter liefern überdies aromatische Düfte, abgesehen davon, dass die Küchenkräuter zur Verfeinerung von Speisen oder die Heilkräuter in der komplementären Medizin zur Herstellung von Tees, Salben oder anderen natürlichen Arzneimitteln herangezogen werden.
Die Segnung von Kräutersträußchen hat am 15. August, Mariä Himmelfahrt, Tradition. Marias Grab wurde leer vorgefunden, nur der Duft von Kräutern und Rosen lag in der Luft. Daher werden duftende Kräuter symbolisch mit der Gottesmutter in Verbindung gebracht.
In Erinnerung gerufen sei, dass die katholische Kirche an diesem Tag die Aufnahme Mariens in den Himmel feiert. Das Fest wurzelt in der Ostkirche und datiert in das fünfte Jahrhundert. In der römischen Kirche wird es seit dem siebenten Jahrhundert, im deutschsprachigen Raum seit dem neunten Jahrhundert gefeiert. Die Heilige Maria sei von der Erbsünde ausgenommen, diese Lehre wurde 1950 von Papst Pius XII zum Dogma erhoben. In Österreich zählt das Hochfest Mariens zu den insgesamt 13 gesetzlichen Feiertagen. Allein in Niederösterreich sind 141 Gotteshäuser der heiligen Maria geweiht. Die Patrozinien werden zu den unterschiedlichsten Marienfeiertagen gefeiert. Am 15. August feiern u. a. die Pfarrkirchen von Weißenkirchen in der Wachau, Neukirchen am Ostrong, Schwadorf, Markgrafneusiedl, Guntersdorf, Stronsdorf, Straning, Niederleis oder Neunkirchen.
Ein sehr prominentes Ölgemälde mit einer Darstellung der Heiligen bzw. Mariens findet man vom bekannten Renaissancemaler Tizian (um 1488/90 – 1576) in der Kirche Santa Maria Gloriosa die Frari in Venedig. Mit einer Höhe von 6,90 m und einer Breite von 3,60 m ist es das größte Altargemälde der Stadt und auch das größte jemals von Tizian gemalte Werk.


Das Hochfest Mariä Himmelfahrt am 15. August wird seiner hohen Bedeutung wegen als „großer Frauentag“ bezeichnet. Damit beginnt in der katholischen Kirche der so genannte „Frauendreißiger„ bzw. „Mariendreißiger“, jene Zeitspanne von 30 Tagen, in denen viele Marienprozessionen abgehalten werden. Mit dem 12. September, zu „Mariä Namen“ neigt sich der Festkreis seinem Ende zu, bevor dieser am 15. September, zu „Sieben Schmerzen Mariens“ schließt.
In dieser Zeit wird den Kräutern große Heilkraft zugeschrieben.
Auf die Frage an die langjährige Goldhaubenobfrau, Goldhaubenstickerin, Keramikmalerin, Dirndlnäherin u. v. m. Grete Hammel aus Haag, welche Kräuter unbedingt in ein Kräutersträußerl gehören, bekam ich folgende Antwort: „Ich binde jene Kräuter in meine Sträußerl, die mir guttun“. Persönlich angemerkt, darf ich sagen: „Eine kluge Haltung“. Denn es gibt so viele Möglichkeiten und Varianten, nur Kräuter, nur duftende Blumen, Kräuter und Blumen gemischt u.s.w.
Eines steht aber auch fest: Es sollten – so die Überlieferung – mindestens sieben verschiedene Kräuter sein und mit Sicherheit sind regionale Pflanzen bevorzugt.
Gretes Sträußerl fassen Minze, Lavendel Salbei, Thymian, Majoran, Frauenmantel, Liebstöcke zum Bund. Dazu gesellen sich Wildrosen oder Hordensien (allerdings geteilt, andernfalls wären die Blütenstände viel zu groß). Vieles davon ist bereits vorgetrocknet, frisches Kraut kommt hinzu. Grete Hammel führte auch die so genannten Körbe ein. „Als ich 1996 das Amt der Goldhaubenobfrau von meiner Vorgängerin Josefa Brandstätter aus Biberbach bei der Goldhaubenwallfahrt in Neuhofen an der Ybbs übernommen habe – damals wurde 1000 Jahre Österreich gefeiert – führte ich die Kräuterkörbe ein. Also: Jede Goldhaubenfrau brachte einen ganzen Korb voller Büscherl in die Kirche zur Segnung mit, und das ist bis heute so.“

Gesegnete Kräutersträußerl im Herrgottswinkel oder dafür vorgesehenen Plätzen fungieren als eine Art Hausschutz: Unheil jeder Art möge damit abgewehrt werden. Ihre Wirkung währt ein Jahr lang – so lange, bis sie von den frisch gesegneten Büscherln abgelöst werden. Die alten werden verbrannt.
Bei der Mostviertler Goldhaubenwallfahrt werden nach dem festlichen Gottesdienst die gesegneten Sträußchen verteilt. Jedes Jahr bekamen Edgar Niemeczek und ich von Grete Hammel einige mit nach Hause, um sie mit Segenswünschen an Familie und Freunde weiterzugeben. Mir drückte sie immer ein besonderes Sträußerl in die Hand – mit den Worten: „I gib da oans, dass d´gsund bleibst“. Für mich jedes Mal ein erhebender Moment.

Heuer wandert die Goldhaubenwallfahrt nach Haag, dem Heimatort von Grete Hammel und deren Tochter Daniela Heinzl, die heute als Mostviertler Obfrau wirkt.
Die Vorbereitungen sind längst im Gange, um diesen Höhepunkt im Mostviertler Brauchjahr festlich und feierlich zu begehen. Gleichzeitig feiert die Goldhaubengruppe Haag das 50-jährige Bestehen. Hervorzuheben ist auch die Vereinsfahne, denn sie zeigt die Heilige Notburga, Patronin der Trachtenträgerinnen und Trachtenträger. Ihren Namenstag feiert die Mätyrerin am 13. September. Der Sonntag davor oder danach ist mittlerweile als Dirndlgwandsonntag aus dem Kalender nicht mehr wegzudenken. Heuer begeht Niederösterreich am 14. September den Dirndlgwandsonntag.

Dorli Draxler
Juli 2025
Hinweis: Wallfahrt der Goldhauben- und Trachtengruppen des Mostviertels – kurz
„Goldhaubenwallfahrt“ nach Haag am 15. August 2025.
8:45 Uhr, Eintreffen der Gäste vor der Mostviertelhalle Haag.
9:00 Uhr, Aufstellung zum Festzug.
9:15 Uhr, Festzug zur Kirche mit der Stadtkapelle Haag.
9:30 Uhr Festgottesdienst mit Kräuterweihe, Zelebrant: Pfarrer Dr. Helmut Prader.
anschließend Agape vor der Kirche.
Im Jahr 2022 wurde die Goldhaubenwallfahrt in das Österreichische Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
