stü werden
Das Weihnachtsfest, wie es in all seinen Varianten heute gefeiert wird, kann durchaus als Kulturleistung der bürgerlichen Familie des 19. Jahrhunderts bezeichnet werden. Dem Höhepunkt – dem Heiligen Abend – geht die Zeit der Vorbereitung voraus: Die Gestaltung des Adventkranzes, das Anzünden der Kerzen zu den Adventsonntagen, das Öffnen der Türchen oder Säckchen des Adventkalenders, das Backen der Weihnachtskekse, das Beobachten, ob sich die Knospen des Barbarazweigs öffnen oder ob der Lucienweizen aufgeht, die Freude übers Nikolaussackerl und nicht zuletzt das Singen von Advent- und Weihnachtsliedern.
Der Zauber der Advent- und Weihnachtszeit wird uns in der Kindheit mitgegeben und jeder und jede hat seine individuelle Geschichte, seine Emotionen aus dieser Zeit.
Im hektischen Getriebe der Vorweihnachtszeit – zwischen Punschtrinken für den sozialen Zweck, Weihnachtgeschenke kaufen unter Dauerbeschallung von „Last Christmas“ und „Jingle bells“ und betrieblichen und freundschaftlichen Weihnachtsfeiern – sprechen wir von der „stillsten Zeit“ im Jahr. Ruhig – stü – zu werden, wird für viele zu einer Sehnsucht und erklärt für mich, dass gerne der Einladung zum Weihnachtslieder-Singen oder zum Advent-Konzert gefolgt wird. „Singen spricht das Gefühl und alle Sinne an“, heißt es im Vorwort des Goldenen Liederbuchs.

So scharen sich Jahr für Jahr am Ende des Adventmarktes im Brandlhof die Menschen um den Christbaum im Hof und lassen gemeinsam wohlbekannte Advent- und Weihnachtslieder erklingen. Wer sein weihnachtliches Repertoire erweitern will, lernt beim „Singen im Advent“ im Haus der Regionen Lieder abseits des Mainstreams kennen. Singen lässt uns zur Ruhe kommen, vertraute Lieder öffnen ein Fenster in die eigene Kindheit, an das Warten aufs Christkind, an den heimlichen Blick auf den schon aufgeputzten Christbaum.
Ausgehend vom Salzburger Adventsingen, eingeführt im Jahr 1946, haben sich mittlerweile in ganz Österreich ähnliche Veranstaltungen etabliert. In der einen oder anderen Weise bildet das Weihnachtsevangelium nach Lukas den inhaltlichen Rahmen, um sich musikalisch, darstellerisch und/oder literarisch mit Bezügen zum Hier und Heute mit der Herbergssuche, der Geburt Christi bis zur Flucht nach Ägypten auseinanderzusetzen. Die Vorbereitungen sind immer intensiv, denn egal ob es das Niederösterreichische Adventsingen in Grafenegg ist, oder eines in einer der zahlreichen Gemeinden des Landes, so zeichnet die Gestaltung ein Zusammenwirken von verschiedenen Ensembles, Chören und Literatur-Begeisterten aus. Hier werden die Gemeinschaft und die Gemeinschaftsleistung spürbar. Ob man im Publikum sitzt oder auf der Bühne steht, es ist für alle gleichermaßen ein Eintauchen in einen „stillen Advent“.
Für die Ensembles freiklang und Dreimäderlhaus, die erstmals 2022 beim Adventsingen in Grafenegg aufeinandertrafen, war dies auch der Schlüsselmoment für eine weitere Zusammenarbeit. Die Entwicklung des gemeinsamen (vor-)weihnachtlichen Programms stü ist getragen von dem Wunsch durch Musik einen Raum für Stille entstehen zu lassen – als innere Ruhe, die zwischen den Tönen mitklingt. Ein Klangerlebnis, basierend auf traditionellen Liedern, die „in eine Welt von Entspannung, Ruhe und Besinnung einlädt“.
Der Advent lädt ein zur Ruhe zu kommen, nutzen wir die Zeit, um beim Singen und Zuhören „stü“ zu werden.

Information:
Mo 24. November, 19.30 Uhr, Haus der Regionen
Wir singen im Advent mit Christian Dreo
Do 27. November, 19.30 Uhr, Haus der Regionen
stü – Adventkonzert und Album-Release
So 7. Dezember, 17.00 Uhr, Brandlhof
Advent im Brandlhof, Offenes Singen
Mo 8. Dezember, 17.00 Uhr, Grafenegg, Auditorium
- Niederösterreichisches Adventsingen
Hier gibt es Hinweise zu weiteren Konzerten und Adventsingen in NÖ.
