Silvesterbräuche

Silvesterbräuche rund um die Welt

Die Welt ist voller teils international bekannter, teils ganz lokaler Silvesterbräuche. Manche sind uns vertraut, andere wirken skurril oder poetisch – gemeinsam haben sie alle eines: den Wunsch nach Glück, Gesundheit und einem guten Start ins neue Jahr.

Viele Bräuche unserer deutschen Nachbarn ähneln den österreichischen Traditionen. Eine hierzulande eher unbekannte, typisch deutsche Silvesterpraxis ist jedoch das Apfelschälen als Liebesorakel. Dabei wird ein Apfel möglichst spiralförmig geschält und die Schale anschließend über die linke Schulter geworfen. Der entstehende Buchstabe – oft braucht es ein wenig Fantasie – soll den Anfangsbuchstaben der zukünftigen großen Liebe verraten.

In Bayern kennt man ein weiteres Orakel mit augenzwinkerndem Ernst: Heiratswillige Frauen werfen ihren linken Pantoffel über die rechte Schulter. Zeigt die Spitze vom Haus weg, stehen die Chancen gut, dass im kommenden Jahr geheiratet wird.

Ein im gesamten deutschsprachigen Raum bekannter Silvesterbrauch ist das Bleigießen, das auch in Teilen Skandinaviens verbreitet war. Weniger bekannt ist, dass der Ursprung dieses Rituals in Italien liegt. Schon die Römer praktizierten die sogenannte Molybdomantie, also die Wahrsagung mit geschmolzenem Blei. Die beim Gießen entstehenden Formen sollten Hinweise auf Liebe, Beruf oder Glück geben. Aufgrund der Gesundheitsgefahr ist Bleigießen in der EU seit 2018 verboten – heute greift man stattdessen auf Wachs- oder Zinngießen zurück.

In Italien selbst sind zu Capodanno ganz andere Bräuche lebendig. Besonders beliebt ist das Tragen roter Unterwäsche, die Glück und Liebe im neuen Jahr bringen soll. Auch Linsen dürfen beim Festmahl nicht fehlen: Ihre Form erinnert an Münzen und steht symbolisch für Wohlstand.

Einen ähnlichen Gedanken verfolgen die Portugiesen. Dort hält man um Mitternacht eine Münze fest in der Hand, um finanzielles Glück anzuziehen.

Gleichzeitig wird mit Pfannen, Töpfen oder zerbrochenem Geschirr ordentlich Lärm gemacht – böse Geister sollen so vertrieben werden. Neujahrsbaden, neue Kleidung und ein mitternächtlicher Sprung vom Stuhl sollen zusätzlich Schwung und Erfolg ins neue Jahr bringen.

In Spanien hingegen dreht sich alles um Trauben: Punkt Mitternacht werden zwölf Weintrauben gegessen – eine für jeden Glockenschlag. Jede Traube steht für einen Monat des kommenden Jahres. Wer es schafft, alle rechtzeitig zu essen, darf auf ein glückliches Jahr hoffen.

Ganz andere, ruhige Töne schlägt Japan an. Dort werden zum Jahreswechsel in buddhistischen Tempeln die Glocken 108 Mal geläutet.

Jeder Schlag steht für eine menschliche Begierde, von der man sich symbolisch verabschiedet. Der Jahreswechsel ist ein Moment der Besinnung, Reinigung und des Neubeginns.

In Polen wiederum spielt das Essen eine besondere Rolle. Traditionell kommt zu Silvester gebratener Karpfen auf den Tisch. Seine Schuppen werden sorgfältig aufbewahrt und in die Geldbörse gelegt – sie sollen im neuen Jahr finanzielles Glück bringen. Ebenso wichtig ist das Putzverbot am Neujahrstag: Wer putzt, könnte das Glück buchstäblich aus dem Haus kehren.

Eine stark musikalisch geprägte Tradition findet man in Schottland. Dort erklingt zu Mitternacht das weltberühmte Lied „Auld Lang Syne“, ein musikalisches Gedenken an vergangene Zeiten und an jene, die im letzten Jahr gegangen sind. Die schottischen Hogmanay-Feierlichkeiten dauern oft mehrere Tage und gehen auf alte Wikingerbräuche zurück.

In Frankreich gleicht der Jahreswechsel einem ausgelassenen Maskenfest „la Saint-Sylvestre“. Man feiert, tanzt, trinkt und erlaubt sich kleine Streiche. Im Mittelpunkt steht das réveillon, ein ausgedehntes, genussvolles Abendessen mit Spezialitäten wie Austern, Meeresfrüchten, Foie gras, Käse und Champagner. Anders als in vielen mitteleuropäischen Ländern gibt es keine Orakelbräuche.

Noch temperamentvoller wird es in Brasilien: Dort kleidet man sich zu Silvester bevorzugt in Weiß, um Frieden und Reinheit zu symbolisieren.

Am Strand springen viele Menschen sieben Mal über die Wellen, ein Ritual afrobrasilianischen Ursprungs, das Glück bringen und Wünsche erfüllen soll.

So unterschiedlich diese Bräuche auch sind – sie alle erzählen vom gleichen Wunsch: Altes loszulassen, Neues willkommen zu heißen und dem kommenden Jahr mit Hoffnung, Humor und Zuversicht zu begegnen.

Ganz gleich ob mit vertrauten oder neuen Bräuchen – die Volkskultur Niederösterreich wünscht herzlich Prosit Neujahr!