Neues Leben für Alte Musik
Wer Spitz an der Donau schon einmal besucht hat, kennt das farbenprächtige, mit bunten Blumenmotiven geschmückte Turmdach der mittelalterlichen Pfarrkirche St. Mauritius. Um das Jahr 1505 entstanden, stellt es das einzige vollständig erhaltene spätmittelalterliche Dach dieser Art in ganz Österreich dar.
Die Sanierung mit historischen Handwerksmethoden wurde kürzlich mit dem bedeutenden European Heritage Award / Europa Nostra Award in der Kategorie Conservation and Adaptive Re-Use ausgezeichnet. Diesen Monat wird die Pfarrkirche zum Austragungsort des Abschlusskonzerts einer neuen, und bis dato wohl einzigartigen, Initiative in Spitz: Der „1. Spitzer SINGEREY“.
Die Spitzer SINGEREY ist ein Vokalseminar für Alte Musik, mit hochkarätigen Referenten und einem Konzert zum Abschluss. Das Seminar findet heuer in den Herbstferien 2025 von 28. bis 31. Oktober in Spitz an der Donau statt. Bei diesem dreieinhalbtägigen Seminar werden in einer Gruppe von rund 40 Sängerinnen und Sängern herausragende Kompositionen aus der Renaissance und dem Barock erarbeitet und im abschließenden Konzert aufgeführt. Ziel dieser Initiative ist es, sich jedes Jahr einem anderen Land mit seiner jeweils eigenen Musiktradition zu widmen.
Das musikalische Programm wird mit einem ausgesuchten Referenten-Team erstellt, einstudiert und interpretiert. Heuer steht Musik aus England im Zentrum, Ideen für weitere Länder in den nächsten Jahren gibt es bereits – und die Leidenschaft der Initiatorinnen und Initiatoren ist deutlich spürbar. Aber wer sind eigentlich die Persönlichkeiten hinter diesem neuen Format?
Musik als Geschenk
Die Initiative gründet auf einer Idee von Eva Lindenhofer, die schon immer versucht hat, mehr „Alte Musik“ mit Gleichgesinnten und Freunden zu singen.
Gemeinsam mit Martin Kugler konnte sie Waltraud Hiess und Markus Nunzer – Musikfreunde aus Spitz an der Donau – für diese Idee begeistern. Zur Durchführung und Organisation von Seminaren wurde gemeinsam ein eigener Verein gegründet. Schnell konnten viele weitere Interessierte aus Spitz an der Donau begeistert werden.
„Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer singen in unterschiedlichen Chören und Ensembles mit verschiedenen musikalischen Ausbildungen und Hintergründen“, so Lindenhofer im Gespräch. „Das Schöne daran ist, dass sich Menschen mit demselben Hang zur Musik einfach´zammsingen.“

Eine Kernidee, die bis auf Eva Lindenhofers Kindheit zurückgeht. „Ich habe schon in jungen Jahren mit meiner Mutter immer zweistimmig Volkslieder gesungen. Während der Arbeit, der Obsternte, dem Apfelsaftpressen. Somit ist die Musikalität das größte Geschenk, das meine Mutter an mich weitergegeben hat, und mit der Singerey wollen wir unsere Freude am gemeinsamen Singen weitergeben.“
Dafür holt Eva Lindenhofer ein hochkarätiges Ensemble nach Spitz an der Donau: Für die musikalische Leitung konnte Michael Koch gewonnen werden, als Referenten im Plenum und für Ensembles Simon Erasimus und Colin Mason. Die Korrepetition liegt bei Anton Gansberger und Michael Koch.
Ein neuer Blick auf alte Musik
Ein Ziel der Spitzer SINGEREY 2025 ist es, die jahrhundertealten Kompositionen neu zu entdecken und einen neuen Blick auf sie zu werfen. „Es geht auch um das gemeinsame Hineinfühlen in die Musik“, so Lindenhofer.

„Mit Simon Erasimus haben wir einen der erfolgreichsten Chorleiter der jüngeren Generation mit an Bord. Und mit Colin Mason konnten wir einen echten Spezialisten für diese Musik gewinnen.“ Mason, der in Oxford alte Musik studiert hat und langjähriges Mitglied der King’s Singers war, wird in Spitz an der Donau Einblicke in die englische Seele der Musik geben. „Wir sehen mit großer Vorfreude der musikalischen Arbeit mit diesen beiden Persönlichkeiten entgegen.“
Im Plenum liegt der Fokus insbesondere auf der „Mass for four Voices“ von William Byrd sowie weiteren ausgewählten Kompositionen von Byrd und Henry Purcell. Ergänzend dazu werden in zwei Ensembles englische und lateinische Kompositionen von Vorläufern, Zeitgenossen, Nachfolgern und Geistesverwandten Byrds erarbeitet. „Es ist immer die Qual der Wahl“ so Lindenhofer. „Weil es so viel hochkarätige Musik in diesem Bereich gibt.“
Wie diese historischen Noten dann interpretiert werden, wird eine spannende Entdeckung während des Seminars, weil es ja auch von der Besetzung abhängt – jede Stimme ist anders. „Ich selbst zum Beispiel bin der Bass unter den Frauen“, lacht Lindenhofer. „Meine Stimmlage ist tiefer Alt, ich könnte aber auch beim höheren Alt mitsingen, und ähnlich ist es bei vielen anderen. Was aus der Mischung der individuellen Stimmen vor Ort entstehen wird, wird man sehen bzw. hören.“
Besonders freut Eva Lindenhofer auch, dass die Menschen in Spitz so positiv auf die Initiative reagiert haben. Heurige, die sonst aufgrund der Weinlese geschlossen hätten, haben extra für den Zeitraum des Seminars wieder geöffnet. Wer Interesse hat, sich beim Konzert am 31. Oktober einen eigenen Eindruck zu verschaffen, findet hier weitere Informationen.
Abschlusskonzert Spitzer SINGEREY
Alte Musik aus England: William Byrd, John Dowland, Henry Purcell u.v.m.
Pfarrkirche St. Mauritius Spitz an der Donau
Freitag, 31. Oktober 2025, 19.30 Uhr
Eintritt frei – freiwillige Spenden
Fotos 1 und 2: zVg Verein Spitzer SINGEREY Foto 3: zVg Pfarre Spitz, Foto 4: © Theresa Pawel, Fotos 5 bis 7 zVg Verein Spitzer SINGEREY, Foto 8 zVg Verein Spitzer SINGEREY
