Klezmer

Klezmer – Klang und Tradition

(c) Reithofer Media

Am 11. September wird „Moritz Weiß Klezmer Trio“ mit Simon Reithofer die Geschichte der historischen Musikrichtung Klezmer weiterspinnen und in einer wunderbar erweiterten musikalischen Sprache neu erzählen.

Klezmer bezeichnet eine instrumental geprägte Volksmusiktradition des aschkenasischen Judentums. Das Wort setzt sich aus dem Hebräischen kli („Instrument, Gefäß“) und zemer („Lied, Melodie“) zusammen und wanderte im Englischen mit dem stimmhaften „z“ in unsere Schreibweise. Ursprünglich nannten die jüdischen Gemeinden ihre Musiker klezmorim (Plural) und verstanden darunter die Menschen, nicht das Repertoire selbst. Erst seit der kulturellen Wiederbelebung in den USA ab den 1970er Jahren steht „Klezmer“ auch für den spezifischen musikalischen Stil.

Bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. finden sich Belege für jüdische Berufsmusiker wie Yakobius ben Yakobius, einen Blasinstrumentenspieler in Samaria. Eine systematische Erwähnung von Klezmorim datiert aus dem 15. Jahrhundert, als jüdische Volksmusiker begannen, weltliche Feste zu begleiten. Die meisten heute als „traditionell“ anerkannten Klezmer-Melodien entstanden im 19. Jahrhundert. Diese Tanz- und Feierkompositionen füllten Ganztagsprogramme bei Hochzeiten, Geburten und anderen Familienfesten. Obwohl viele dieser Stücke später nie schriftlich fixiert wurden, prägten sie die Überlieferung. Transkriptionen aus jener Zeit sowie mündliche Erinnerungen älterer Musiker legten den Grundstein für das heutige Verständnis der Gattungen und ihrer charakteristischen Rhythmen.

Vielerorts untersagte man bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts das Spiel lauter Blechblasinstrumente; als Folge dominierten Violine, Hackbrett und andere Saiteninstrumente.

Mit den Reformen Alexanders II. eroberten Klarinette und Perkussion die Sitzungen. Zwei Klarinettentypen finden sich dabei in der Klezmer-Musik besonders häufig: die C-Klarinette und die von vielen Klezmorim wegen ihres dunklen, vollen Klanges bevorzugte B-Klarinette.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts verließen Hunderttausende Juden Osteuropa in Richtung USA. Dort bestanden zunächst nur wenige Anhänger der Klezmertradition. In den 1920er Jahren sorgten Klarinettisten wie Dave Tarras und Naftule Brandwein für ein kurzes, intensives Revival. Auch Größen der klassischen Moderne ließen sich von Klezmer inspirieren. Die Musikrichtung faszinierte durch den Spagat zwischen ekstatischem Jubel und persönlicher Verzweiflung.

In den USA und Europa formierte sich in den 1970er Jahren eine neue Generation von Klezmer-Enthusiasten,  Henry Sapoznik gründete 1985 das KlezKamp, um jungen Musikern den Zugang zur jiddischen Tradition zu ermöglichen. Das Revival manifestierte sich in Konzerten, Workshops und Tonträgern, die alte und neue Klangbilder verschmolzen.

Heute reicht die Bandbreite von historisch informierter Aufführungspraxis bis zu experimentellen Fusionen mit Jazz, Rock, Ska und Pop. Das 2015 gegründete „Moritz Weiß Klezmer Trio“  bestehend aus Moritz Weiß an der Klarinette, Niki Waltersdorfer an der Gitarre und Max Kreuzer  am Kontrabass, schlägt die Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart und lässt in respektvoller Verneigung vor der jüdischen Musiktradition diese auf Musikformen und -stile anderer Epochen treffen.

In den Stücken verwebt sich der Klezmer in kunstvoller und vielschichtiger Art mit Elementen unter anderem des Jazz und der Klassik. Es formt sich ein Klang, der einen mit seinen Melodien gefühlvoll ergreift, die Fantasie anregt und das Tor hin zu einer neuen Sphäre weit öffnet.

Am 11. September erzählt das „Moritz Weiß Klezmer Trio“ mit Simon Reithofer musikalische Geschichten von den weiten Landschaften Südamerikas, der drängenden Hitze Westafrikas und der Menschlichkeit des Balkans. Sichern Sie sich jetzt hier noch Karten und erleben Sie

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Klezmer Live im Haus der Regionen in Krems-Stein.

 

Quellenangabe:

YIVO Institute for Jewish Research. Digital Yiddish Dictionaries, Eintrag „קליזמער“. Abgerufen am 21. August 2025, https://yivo.org/dictionary/klezmer

Slobin, Mark. Fiddler on the Hood: Origins of Klezmer Music. University of California Press, 2000.

Sapoznik, Henry. Klezmer! Jewish Music from Old World to Our World. American Music Research Center, University of Colorado, 2006.

Foundation for Jewish Culture. KlezKamp Archives, https://www.foundationforjewishculture.org/klezkamp (abgerufen am 21. August 2025).

Moritz Weiß Klezmer Trio – Mwktrio.com

Feldman, Zev; Statman, Andy. Klezvant Music Reports Vol. 1–3, 1978–1982.

Mlotek, Jay. Encyclopedic Dictionary of Yiddish Music. M.E. Sharpe, 2009.

Fotos: 1,2: zVg Moritz Weiß Klezmer Trio, Foto 3: pixabay, Foto 4: Canva, Foto  5: Reithofer Media