O Tannenbaum

O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind Deine Blätter.

„Der Tannenbaum hat doch Nadeln, warum besingt man seine Blätter?“, lautet eine häufig gestellte Frage. Biologisch betrachtet, handelt es sich bei allen Nadelbäumen um Blätter, ganz einfach.

Weihnachtslied: „O Tannenbaum“, Dorli Draxler und Ernst Scheiber, Liederösterreich S. 264, Atzenbrugg – Wien 1999.
Weihnachtslied: „O Tannenbaum“, Dorli Draxler und Ernst Scheiber, Liederösterreich S. 264, Atzenbrugg – Wien 1999.

Wenig bekannt ist, dass dem heute so beliebten und verbreiteten, mitunter strapazierten Lied eine interessante Historie innewohnt. So ist die Melodie des Liedes bereits seit dem 16. Jahrhundert belegt.
In der dreibändigen deutschen Liedersammlung „Deutscher Liederhort“, begonnen von Ludwig Christian Erk (1807 – 1883) und fertiggestellt von Franz Magnus Böhme (1827 – 1898), findet sich das Reiterlied/Liebeslied „Es hing ein Stallknecht seinen Zaum“. In einer der vielen Strophen heißt es: „O Tanne, Du bist ein edler Zweig, Du grünest Winter und die liebe Sommerzeit. Wenn alle Bäume dürre sein, so grünest Du, edles Tannenbäumelein“.

Joachim August Zarnack (1777 – 1827) schrieb in Anlehnung an die historischen Quellen den „Tannenbaum“ als tragisches Liebeslied. Der Tannenbaum stand darin als Symbol für die Beständigkeit im Gegensatz zur Untreue einer Frau. Zum Weihnachtslied wurde es aber erst durch die neuen Textstrophen von Ernst Anschütz (1780 – 1861). Er formulierte eine andere zweite und dritte Strophe, die ausschließlich die Wirkung und Symbolik des grünen Baums in den Mittelpunkt stellte. Aus den „treuen“ wurden schließlich die „grünen“ Blätter.

 

 


Christbäume zur Weihnachtszeit.

Für Familien in Niederösterreich ist Weihnachten ohne Christbaum kaum vorstellbar. Der Brauch, am Heiligen Abend einen Christbaum aufzustellen ist ein relativ junger. „Grüne Zweige oder Bäumchen von Eiben und Stechpalmen, Wacholder und Mistel, Tannen und Fichten waren als winterlicher Hausschmuck längst bekannt. Handwerker pflegten in ihren Zunftstuben bereits im 16. Jahrhundert den Brauch des Geschenkbaum-Aufstellens. Sie behängten kleine Tannen mit Äpfeln, Nüssen, Datteln, Brezeln und Papierblumen, welche die Kinder der Mitglieder herunterschütteln (abblümeln) durften“, schreibt die Volkskundlerin Helga Maria Wolf in ihrem Buch „Feste und Bräuche im Jahreskreis“.

Grüne Zweige im Winter standen in vielen Traditionen für Leben, Schutz vor bösen Geistern und die Hoffnung auf den Frühling. Foto: pixabay Alfons Landmann
Grüne Zweige im Winter standen in vielen Traditionen für Leben, Schutz vor bösen Geistern und die Hoffnung auf den Frühling. Foto: pixabay Alfons Landmann


Das Aufstellen von Christbäumen, ein junger Brauch.

Im Jahre 1814 stellte die aus einer jüdischen Familie stammende Fanny von Arnstein den ersten Christbaum in Wien auf. Durch ihre Heirat mit dem Bankier Baron Nathan Adam von Arnstein zog sie von Berlin nach Wien. Hier etablierte sie alsbald einen literarischen Salon und überraschte die Gäste zu Weihnachten mit Geschenken und einem geschmückten Nadelbäumchen. Als Kaiser Franz I. einen solchen wunderschön geschmückten Baum bei seinem Bruder Karl sah, war er davon so begeistert, dass er sofort veranlasste, auch in der Hofburg einen Christbaum aufzustellen. Bruder Erzherzog Johann allerdings kritisierte den Prunk und das Fehlen der Krippe.
Dem Vorbild des kaiserlichen Hofes folgten dennoch zunächst der Adel und das Bürgertum. Die Verbreitung erreichte in Folge die gesamte Bevölkerung. Das kaiserliche Vorbild hatte also dafür gesorgt, dass der Christbaum schnell zum Symbol der Geburt wurde.

Die Anfänge des Weihnachtsbaums/Christbaums in Wien: Weihnachtsbaum einer adeligen Familie im Wiener Biedermeier. Foto: Wien Museum
Die Anfänge des Weihnachtsbaums/Christbaums in Wien: Weihnachtsbaum einer adeligen Familie im Wiener Biedermeier. Foto: Wien Museum

Die städtischen Wohnzimmer erreichte dieser ursprünglich protestantische Brauch im Biedermeier, als Weihnachten zum besinnlichen Familienfest wurde. Etwas länger dauerte es auf dem Lande, wo traditionellerweise die Weihnachtskrippe aufgestellt wurde, ehe auch geschmückte Fichten oder Tannen in die Bauernhäuser einzogen. Davor war es in der Weihnachtszeit üblich, die Stuben mit immergrünen Zweigen zu schmücken, manches Mal auch mit kleinen Bäumchen, die mit der Spitze nach unten am Plafond befestigt wurden.

In der Kurzgeschichte „Der erste Christbaum bei den Waldbauern“ erinnert sich Peter Rosegger (1843-1918) an seinen Besuch bei seiner Familie in Alpl (Alpl liegt am Übergang zwischen dem Mürztal und dem Joglland – Roseggers „Waldheimat“). Sobald er als Student in Wien zu Weihnachten nach Hause fahren konnte, wollte er seinen kleinen Bruder Nickerl mit einem Christbaum überraschen. „Ich hatte viel sprechen gehört davon, wie man in den Städten Weihnachten feierte. Da sollen sie ein Fichtenbäumchen, ein wirklich kleines Bäumlein aus dem Wald auf den Tisch stellen, an den Zweigen Kerzlein befestigen, sie anzünden, darunter sogar Geschenke für die Kinder hinlegen und sagen, das Christkind hätte es gebracht.“ Der Erzähler schlich in den Wald, kehrte mit einem Fichtenwipfelchen zurück und stellte es auf. Groß waren das Staunen und die Freude, als sein Bruder und die Eltern in die Stube traten.

Christbäume „aufputzen“.
Die Entscheidung darüber, wie heute Christbäume geschmückt werden, ist meist dem ganz persönlichen Geschmack überlassen. Möglichkeiten gibt es an der Zahl. Als ich selbst Kind war, gabs zwei Möglichkeiten: Entweder man schmückte den Baum „bäuerlich“ mit Strohsternen, kleinen roten Äpfeln und Lebkuchen – oder aber mit Glaskugeln, in Papier gewickelten Bonbons, Windbäckerei, Lametta und Engelshaar – in jedem Fall selbstverständlich mit den Christbaumkerzen.

Heute kann man schier unerschöpflich designen und dekorieren. Der Christbaumschmuck kann farblich abgestimmt, ausgewählt sein. Gegenständliches klein und groß wird in unterschiedlichsten Materialen hergestellt: von den Haustieren aus Filz bis hin zu den Obstsorten aus Glas, von den Engerln aus Zinn bis hin zu den Sternen aus Holz bzw. Holzspänen.

Der große Christbaum in Etsdorf mit verschiedenen Schmuckelementen:
Der große Christbaum in Etsdorf mit verschiedenen Schmuckelementen:

Ich selbst beispielsweise habe bereits in jungen Jahren begonnen Christbaumschmuck zu sammeln.
Seit ich mit meinem Mann in Etsdorf am Kamp wohne, ist es auch möglich einen hohen Baum aufzustellen. Mittlerweile umfasst meine Sammlung mehrere hundert Einzelstücke – von meinen Eltern geerbt, geschenkt bekommen, selbst gekauft, alt und neu – kostengünstig und hochwertig – mit Vorliebe für Christbaumschmuck aus heimischer Fertigung, aus Gablonz (Tschechien), dem Erzgebirge (Sachsen und Böhmen) und Lauscha (Thüringen).

 

 

 

 

Windspiel aus dem Erzgebirge und mundgeblasene Glaskugel
Wachskindl von Grete Hammel
Wachskindl von Grete Hammel
Gablonzer Schmuck
Gablonzer Schmuck

Ein aus vielen Einzelstücken bestehender Baumbehang erfordert entsprechende große Abstände zwischen den Ästen. Nur so kann der Schmuck hängen, schweben und gut sichtbar sein. Einer aus den U.S.A. kommenden Mode folgend werden vermehrt auch Bäume mit dichtem Astwerk ausgewählt, um diese außen herum mit Girlanden und Lichterketten zu umwickeln und den nunmehr kegelförmig aussehenden Baum mit weniger Schmuck zu verzieren.

Christbäume sind allerdings nicht nur Privatsache, sie sind auch fixer Bestandteil des Ortsbildes bzw. öffentlichen Lebens. Jeder Hauptplatz, viele Institutionen und öffentliche Gebäude sind mit beleuchteten Christbäumen (Outdoor) in den Wochen vor dem Heiligen Abend bis zu den heiligen Drei Königen am 6. Jänner geziert.

Christbäume als Symbol im Weihnachtsfestkreis.
Früher war es Brauch, den Christbaum vom Heiligen Abend bis zu Mariä Lichtmess aufgestellt zu lassen. „Liachtmeß“ ist ein christliches Fest im liturgischen Kalender, das am 2. Februar, dem vierzigsten Tag der Weihnachtszeit begangen wird.
Auf diese Art und Weise erinnert der Christbaum gemeinsam mit der Weihnachtskrippe an das Geschehen rund um die Geburt Christi in Bethlehem. Für Licht in den Wohnräumen brauchten die Christbaumkerzen allerdings nicht mehr zu sorgen, denn zu Mariä Lichtmess ging einst die so genannte Kunstlicht-Zeit zu Ende, in der man in der Stube bei künstlichem Licht arbeitete.

Christbäume aus Niederösterreich: Qualität ab Hof.
Christbäume werden heute kaum mehr mit Axt und Säge aus einem verschneiten Winterwald, sondern im Christbaumhandel auf Märkten oder direkt ab Hof bei einem der rund 1.000 österreichischen Christbaumbauern besorgt. Im Bundesländervergleich befindet sich der größte Anteil an Anbaufläche in Niederösterreich. Über 200 Mitglieder der ARGE NÖ Christbaum- und Schmuckreisigproduzenten stehen für kontrollierte Qualität und Herkunft ihrer Nadelbäume. Das Hauptanbaugebiet in Niederösterreich ist der Jauerling im Bezirk Krems. Unter naturnahen Bedingungen wachsen zu einem überwiegenden Teil Nordmanntannen. Eine spezielle Herkunftsschleife dient als Kennzeichen niederösterreichischer Christbäume. Österreichweit werden jährlich ca. 2,5 Millionen Christbäume ver- bzw. gekauft.

Persönlich angemerkt: Der Christbaum ist eine unentbehrliche Komponente des Weihnachtsfestes. Er gehört dazu wie das Feiern in der Familie, die gemeinsam gesungenen Weihnachtslieder, die Bratwurst und das Sauerkraut und der Gang zur Christmette.

Christbaum-Bauer Johann Steinmetz in seinem Christbaumwald in Maria Laach am Jauerling
Christbaum-Bauer Johann Steinmetz in seinem Christbaumwald in Maria Laach am Jauerling. Foto: privat

 

Dorli Draxler
Dezember 2025

P.S.: Jede Pfarre feiert am Heiligen Abend eine Mette und am Christ- sowie am Stefanitag feierliche Hochämter.

24. Dezember 2025, 23.00 Uhr:
Domkirche von St. Pölten, Christmette.
Musik: Jugendensemble unter der Leitung von Domkapellmeister Valentin Kunert.
Domorganist Ludwig Lusser.

Engerl am Christbaum
Foto: privat

Frohe Weihnachten!