Hoffnung und Zuversicht

Hoffnung und Zuversicht

Der 20. Jänner liegt mitten im Winter, in einer Zeit, in der vieles noch dunkel ist und das Jahr erst „anspringen“ muss. Vielleicht ist genau das der Grund, warum der Sebastianitag im Alpenraum lange einer der wichtigsten Heiligentage war. Sebastian galt als Hoffnungsspender und Schutzpatron gegen Krankheiten, schon die „Depositio martyrum“ (354 n. Chr.), eines der ältesten Verzeichnisse römischer Märtyrergedenktage, nennt Sebastian genau an diesem Datum.

Der Pfeilheilige

Sebastian ist in der Kunst schnell erkennbar: als der „Pfeilheilige“, an einen Baum oder Pfahl gebunden, von Pfeilen getroffen. Die Pfeile stehen nicht nur für das Martyrium, sondern wurden im christlichen Denken und im Volksglauben auch als Bild für plötzlich hereinbrechendes Unheil verstanden.

Der „Pfeil“ konnte, unter Rückgriff auf biblische Bildwelten, als Symbol plötzlich ausbrechender Krankheiten gelesen werden. So wurde Sebastian zu einer Schutzfigur, wenn etwas „unsichtbar“ in eine Gemeinschaft „einschoss“. Die Verehrung Sebastians als Seuchenpatron hat ihren Ursprung auch darin, dass ihm in Rom die Hilfe beim Abklingen einer Pest zugeschrieben wurde. Diese Verbindung ist in kirchlichen Darstellungen der Sebastianverehrung mehrfach bezeugt.

Gleichzeitig ist Sebastian bis heute vielerorts Patron von Schützen und Schützengemeinschaften – eine Verbindung, die sich sowohl aus der Ikonographie (Pfeile) als auch aus der Vorstellung vom „wehrhaften“ Schutz ergibt.

Sebastianikirchen und Kapellen

(c)StadlerBwag
(c)StadlerBwag

Im Alpenraum erzählen Sebastianikirchen und -kapellen davon, wie stark dieser Heilige verankert war. Man findet ihn als Kirchenpatron etwa in Städten wie Salzburg, oder in kleineren Orten, wie Loosdorf im Bezirk Melk. Die denkmalgeschützte Sebastianikapelle von Loosdorf ist Teil des historischen ehemaligen Bürgerspitals, das um 1730 errichtet wurde und an der Linzer Straße steht.

In dieser Kapelle wurde ein prachtvoller barocker Altar aus dem frühen 18. Jahrhundert aufgestellt, ein Werk von Peter Pichler aus dem Jahr 1701, das 1748 angekauft wurde.

Die Sebastianikapelle steht als denkmalgeschütztes Objekt für die tiefe Verwurzelung der Sebastiani-Verehrung in lokalen Gemeinschaften – auch dort, wo der Heilige als Helfer und Schutzpatron in Zeiten von Krankheit und Not besonders angerufen wurde und in der Gesellschaft verankert war.

Zu dieser Verankerung gehören auch Sebastiani-Prozessionen. Nicht als Folklore im heutigen Sinn, sondern ursprünglich als gemeinschaftliche Form eines Versprechens: Wir gehen miteinander, wir bitten miteinander, wir bleiben beieinander.

Brot, Segen, Nähe

Rund um den Sebastianitag haben sich regionale Bräuche gebildet, die sehr unmittelbar mit Gesundheit und Schutz zu tun haben.Dazu zählt beispielsweise das Segnen und Verteilen von „Sebastianibroten“ – eine einfache, greifbare Geste, als Zeichen, dass das Leben trägt und die Gemeinschaft nicht reißt.

Solche Bräuche sind oft leise. Sie versprechen keine Wunder auf Knopfdruck. Aber sie geben etwas, das wir in Krisenzeiten dringend brauchen: Rhythmus, Bedeutung, Zuwendung. Wer heute auf die Verehrung des Heiligen Sebastian blickt, sieht darin nicht nur „Frömmigkeit von früher“, sondern eine Form kollektiver Krisenbewältigung. Angst bekam einen Namen und damit auch einen Ort im Denken, Ohnmacht wurde in Handlung übersetzt in Form von Gebeten und Prozessionen.

(c)Ordensgemeinschaften Österreich

Priorin Sr. Franziska Madl, Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz, zur Bedeutung des hl. Sebastians in der Volkskultur:

Als frühchristlicher Märtyrer erinnert uns der hl. Sebastian daran, dass Standhaftigkeit im Glauben selbst dort trägt, wo Pfeile treffen statt Applaus. Seine ikonische Darstellung steht nicht für Leid um des Leidens willen, sondern für die geistige Freiheit eines Menschen, der sich nicht brechen ließ. In der Volkskultur ist Sebastian weit mehr als eine Heiligenfigur: Als Schutzpatron gegen die Pest, als Namensgeber von Schützenbruderschaften und als barocke Gestalt auf Dorfplätzen und in Kirchen verbindet er Geschichte, Frömmigkeit und Gemeinschaft. So bleibt er uns bis heute ein Zeichen dafür, dass Hoffnung auch aus Verwundbarkeit wachsen kann.“

 

Quellenverzeichnis

Ökumenisches Heiligenlexikon – Heiliger Sebastian

Wien Geschichte Wiki – Sebastian

Marktgemeinde Loosdorf

Pfarre Loosdorf