Handwerk für die Jüngsten
Wo können Kinder und Jugendliche traditionelle Handwerkstechniken kennenlernen und unter fachkundiger Anleitung selbst ausprobieren? Beim Kinderhandwerksmarkt im Brandlhof in Radlbrunn! Das hautnahe Erleben des Handwerks steht dabei im Zentrum. In dieser Volkskulturgeschichte wollen wir das zum Anlass nehmen um uns das Handwerk von dreien dieser Ausstellerinnen und Aussteller genauer anzusehen:
Feuer der Begeisterung
Mitmachstationen ermöglichen am Handwerksmarkt das unmittelbare Erfahren alter Gewerke, wenn Glasschmied Patrick Salvatore Rastelli das Schmiedefeuer lodern lässt und Kinder unter Anleitung kleine Hufeisen, Schmuckanhänger oder Ziernägel per Hand schmieden können. Hier erfährt man, wie Schmiede früher Feuer zur Formgebung nutzten und kann mythischen Erzählungen rund um das Schmiedehandwerk lauschen.
Die Begeisterung für sein Handwerk begann bei Patrick Salvatore Rastelli schon in Kindheitstagen. Das Element des Feuers sieht er als den wichtigsten Begleiter des Menschen und in allen Kulturen zeige sich dies, so der Handwerker. Nicht umsonst ist der Schmied eine sagenumwobene Gestalt und tritt in vielen alten Erzählungen als aus der Stadt verbannter Teufelsbruder in Erscheinung.
Tatsächlich war die Verlagerung von Schmieden auf Gebiete außerhalb der Stadt, der Feuergefahr in beengten Wohnvierteln geschuldet. Doch Feuer birgt nicht nur Gefahr, sondern auch mythische Verwandlung, Neubeginn und Wiedergeburt in sich, auch das ein wiederkehrendes Motiv in vielen Kulturen. In unserer Zeit stellt das Schmiedehandwerk so Teil einer verschwindenden Traditionskultur dar und erhält damit allmählich wieder Anerkennung in der Bevölkerung.
Für Rastelli liegt die besondere Faszination dieses Handwerks darin, „dass jedes Mal unausweichlich, nach einem harten und anstrengenden Arbeitstag, die Wogen des Feuers ein wunderschönes Unikat gebären.“ so der Glasschmied.
Passgenaue Klänge

Ein anderes, nicht minder leidenschaftliches Handwerk, kann man bei der passionierten Geigenbauerin Kathrin Kurz kennenlernen. In ihrer Geigenbauwerkstatt in Röschitz werden Einblicke in das Restaurieren und Stimmen historischer Instrumente gewährt. „Jedes Instrument erzählt eine Geschichte. Bei meiner Arbeit lege ich Wert darauf, es so original und authentisch wie möglich zu belassen und gleichzeitig dem Instrument den besten Klang zu entlocken, den es in sich trägt.“ so Kurz.
Beim Neubau einer Geige orientiert sich Kathrin Kurz an Instrumenten alter Meister. Nach dem Studium des Modells folgen viele einzelne Arbeitsschritte, die in Summe ein Unikat ergeben: Wahl des Holzes, Bau des Formbretts und des Zargenkranzes, Ausarbeitung von Decke und Boden, Zusammenbau des Korpus, Schnitzen der Schnecke, Einsetzen des Halses, Grundierung, mehrmalige Lackierungen, Montage des Griffbretts, Einsetzen des Stimmstocks, Aufspannen der Saiten, Klangeinstellung. Und noch viele wesentliche Handgriffe dazwischen.
Das Zusammenspiel all dieser Komponenten, gepaart mit Konzentration auf jedes Detail, bildet die Grundlage für eine gute Geige. Etwa 250 Arbeitsstunden nimmt der Neubau einer Geige laut Kurz in Anspruch. So ist allein das Einsetzen und Positionieren des Stimmstocks, eines kleinen, unscheinbaren Holzstäbchens, in den Korpus der Geige Feinarbeit und erfordert ein hohes Maß an Fingerfertigkeit und Erfahrung.
Am Spinnrad

An einem echten Spinnrad Platz zu nehmen ist eine besondere Erfahrung, die man mit Christine Söllner sammeln kann. In Wien geboren und aufgewachsen war sie ursprünglich ein richtiges Stadtkind. Schon als kleines Kind gab es laut eigenen Angaben zwei Interessen: Textilien/Kleidung und Geschichte. So hat Christine die Modeschule besucht und danach einen Lehrgang für Bühnenschneiderei absolviert.
Beruflich hat ihr Weg sie zum Film geführt, wo sie sich als Kostümassistentin vor allem auf historische Kostüme spezialisiert hat. Mit dem Wunsch jeden einzelnen Arbeitsschritt bis zum fertigen Kleidungsstück selbst zu machen, hat sie ihre Leidenschaft für die Wollverarbeitung entdeckt. Christine Söllners Ziel ist es, mit Wollhandwerk altes textiles Handwerk und deren individuellen Möglichkeiten modernisiert wieder zu beleben
In Handarbeit und mit Hilfe von zum Teil an die 100 Jahre alten Maschinen stellt sie Wollgarne her. Gefärbt wird mit Pflanzen in einem großen holzbefeuerten Kessel der früher zum Futterdämpfen verwendet wurde. „Alte Techniken wieder zu entdecken und ins Heute zu holen ist für mich eine große Faszination. Dieses Wissen weiterzugeben damit es nicht verloren geht macht viel Freude und ist mir besonders wichtig.“ so Söllner.
Musikalisch umrahmt wird das bunte Programm von der Ybssitzer Marktmusi, 5 Jugendlichen, die sich mit Begeisterung der traditionellen alpenländlichen Volksmusik widmen und bereits mehrere Preise bei Wettbewerben errungen haben. Sie haben sich über die Musikschule Waidhofen a.d. Ybbs zusammengefunden und sind durch die Leidenschaft für traditionelle Volksmusik verbunden. Auch die Anzbacher Tanzgeiger spielen um 13.30 und 15.00 Uhr im Kulturpavillon und laden dabei zum Kinder- Volkstanz ein.

Natürlich kommt bei alldem auch die Kulinarik nicht zu kurz. Jenny Gruber, Doppel-Vizeweltmeisterin im BBQ („Homelandcooking“ 2022) kombiniert Kräuterpädagogik mit Grilltraining und Brotbackkunst. Paul Zimmermann, der Winzer des Tages, gibt Einblick in die Spontangärung und Feinhefelagerung seiner „Ausobsky-Weine“. Truck4You serviert regionale Snacks; dazu gibt es alkoholfreie Getränke für Kinder und exklusive Weine von Zimmermann.
Der Kinder-Handwerksmarkt ist ein Tag voller Funkenflug, handfester Ergebnisse und kulinarischer Genüsse.
Links zu den Websites der Ausstellerinnen und Aussteller:
