
Fasten meint wohl weit mehr als Diäthalten: Fasten bedeutet verzichten, reinigen, in sich kehren. Kürzlich machte ich in meinem Freundeskreis eine kleine Umfrage zur persönlichen Bedeutung des Themas. Über die Güte und Sinnhaftigkeit waren sich alle einig, die Umsetzung fällt allerdings individuell aus. Fasten ist ein die Menschheit begleitendes Phänomen, das in beinahe allen Religionen und Kulturen seinen Platz hat.

Religiöser Hintergrund.
In wenigen Wochen feiern wir das höchste christliche Fest, das Osterfest. Vorausgeht, direkt im Anschluss an den Faschingsdienstag, die österliche Bußzeit: vom Aschermittwoch bis zum Ostersonntag. Die Dauer von 40 Tagen wurde nach dem Vorbild des Fastens Jesu in der Wüste festgeschrieben. Die Zahl 40 hat nämlich im alten Testament eine besondere Bedeutung: 40 Tage lang dauerte die Sintflut, 40 Tage lang wanderten die Israeliten durch die Wüste und 40 Tage lang hielt sich Moses auf dem Berg Sinai auf.
Erwähnt sei auch, dass die Sonntage der sechswöchigen Fastenzeit nicht als Fastentage gezählt werden.
Violett ist die liturgische Farbe dieser Zeit, ausgenommen das Rosa des vierten Fastensonntags „laetare“, des Freudensonntags.
Während der gesamten Passionszeit wird in vielen Kirchen das Altarbild mit so genannten Fastentüchern verhüllt: ein visuelles Zeichen für Wandel und Abstinenz. Allerdings gibt es unterschiedlichste Interpretationen zu dieser Verhüllung. „Das Fastentuch eröffnet uns die Möglichkeit, sinnlich frei zu werden für einen neuen Blick auf ein gewohntes Bild“, formuliert Diözesanbischof Alois Schwarz.
- Fastentuch einfärbig violett in Göllersbach.
- und 3.Das von Florian Nährer gestaltete Fastentuch verhüllt in der Fastenzeit das Altarbild im Dom von St. Pölten.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch der Advent, vom ersten Adventsonntag bis zum heiligen Abend, ebenfalls eine Fastenzeit darstellt.
Konsequenter Verzicht.
Die Fastenzeit als Zeit der Askese hatte in der Vergangenheit viel mehr Bedeutung als heute, sie ist aber noch im kollektiven Gedächtnis verankert. Es gibt unzählige Möglichkeiten und Formen, sich darauf einzulassen. Eine Zeit lang auf das verzichten, was man sehr gerne mag – nicht nur in Hinblick auf das Essen und Trinken, sondern auch in Hinblick auf bevorzugte Gewohnheiten. Vom Speiseplan werden klassischerweise Fleisch, Eier, Süßes, Kaffee und Alkohol gestrichen, oder nur halbe Portionen genossen. Beim Nahrungsverzicht ist allerdings ärztliche Begleitung ratsam. Verallgemeinernd kann festgehalten werden, dass ab dem Aschermittwoch auf üppige Mahlzeiten verzichtet werden soll. Für die Klöster des Mittelalters galt es bis zu 130 Fastentage im Jahr zu beachten. Demnach waren die Mönche besonders kreativ, wenn es darum ging Fastenspeisen festzulegen. Nach dem Motto „Was flüssig ist, bricht kein Fasten“ gab es also Fische, Schalentiere, sogar Meeresfrüchte oder Wasservögel und selbstverständlich auch Bier. Speziell für die Fastenzeit gebraute Starkbiere haben in Bayern und Österreich eine lange Tradition. In unserer heutigen Überflussgesellschaft ist das Fasten aber eher der Gesundheit und dem Wunsch nach weniger Körpergewicht geschuldet. Die Spiritualität steht – denke ich – nicht an erster Stelle.
Und eines ist mittlerweile auch medizinisch unumstritten: Fasten hat heilende Wirkung. Es hemmt nachweislich Entzündungen, wirkt blutdrucksenkend und wird speziell für bestimmte Krebstherapien eingesetzt.
Seit einigen Jahren liegt das so genannte Intervallfasten im Trend. Es geht dabei um längere Pausen zwischen den Mahlzeiten, in denen sich der Verdauungstrakt erholen kann.
Fasten heißt aber auch bewusster leben, sich Ruhe und Rückzug gönnen. Beispielsweise, am Abend zu Hause zu bleiben, früher ins Bett zu gehen, ausgedehnt zu schlafen, sich zu bewegen. Wir leben in einer Zeit der Reizüberflutungen, aber dafür ist der Mensch nicht geschaffen: Das Tempo ist zu hoch, der psychische Druck zu intensiv und die Informationen zu viel. Wir können die Rasanz kaum bewältigen. Damit einher geht die Sehnsucht nach Weniger und Wesentlichem.
Fasten könnte in gegenwärtigen Zeiten auch Raum für das Überdenken der eigenen Herausforderungen und Aufgaben sowie einer daraus resultierenden Neuausrichtung schaffen. Sich mit immateriellen Dingen zu befassen, stimmt zuversichtlich. Kulturelle Ausdrucksformen gibt es an der Zahl: gute Bücher lesen, seltene Lieder singen, alte Rezepte aufspüren, neue erfinden oder einfache Handwerkstechniken lernen.
Rezept einer Panadlsuppe, aus „Strudl und Sterz, nach Rezepten von Gisela Toth“, Volkskultur Niederösterreich, Atzenbrugg 2013, S. 14.
In die Gegenwart geholt, versteht man eine Fastensuppe beispielsweise als Gemüsesud, der vor allem während des Heilfastens wertvolle Mineralstoffe liefert.
Ich koche sehr gerne eine Gemüsesuppe, wobei ich am Schluss das Gemüse abseihe und einfriere und nach der Fastenzeit diese als Suppeneinlage verwende.
Für vier Portionen empfehle ich: 3 l Wasser, 2 kleine Zwiebel, 2 Zehen Knoblauch, 3 Erdäpfel, ein Viertel einer Sellerieknolle, 3 Karotten, 1 Kohlrabi, 1 bis 2 Stangen Porree, 1 Fenchelknolle und die Gewürze: Liebstöckel, Rosmarin, Petersilie, Thymian, Lorbeerblätter, Wacholderbeeren, etc.
(Anmerkung: Beim Gemüse kann selbstverständlich regional und saisonal variiert werden.)
Das Gemüse wird nach Belieben geschnitten, in das Wasser gelegt, Kräuter und Gewürze hinzugemengt, zum Kochen gebracht und bei niedriger Hitze ca. eine halbe Stunde lang gegart.
Persönliche Erinnerungen.
Abschließend darf ich persönlich anmerken: Nachdem meine Mutter eine Ennstalerin war und 1959 durch die Heirat mit meinem Übelbacher Vater in das Übelbachtal gezogen ist, war sie für damalige Verhältnisse weit weg von ihrer Ursprungsheimat. So kam es dazu, dass ihre Mutter, also meine Großmutter immer wieder für mehrere Wochen hindurch zu Besuch kam. Sie erzählte mir und meinen Geschwistern viel von ihrer eigenen Kindheit und wir haben interessiert und vor allem fasziniert nachgefragt. Dazwischen lehrte sie uns ihre Schullieder und Kanons. Wenn sie aus ihrem Leben erzählte, so wurde bald klar, wie karg und bescheiden das Aufwachsen war, wie hart die Arbeit und wie knapp mitunter das Essen. Jedenfalls war man genügsam in jeder Hinsicht, es gab keinen Überfluss. Aus gesundheitlichen Gründen spielte das Fasten damals keine Rolle – nur aus religiösen. Und freitags war sowieso das ganze Jahr hindurch Fasttag. Immer wieder sagte sie, dass es ihr und ihren Geschwistern lange nicht so gut gegangen sei wie uns in den 1960er Jahren. Und heute bin ich im Alter einer Großmutter und denke sehr oft an meine zwar gute, aber dennoch maßvolle Kindheit zurück und stelle den Vergleich mit der gegenwärtigen Konsumwelt an.
Gleichzeitig kommt mir eines ihrer Lieblingslieder in den Sinn:
„Wia lustig is ´s im Winter, wia wird ´s in Summa sein“.
„Wia lustig is ´s im Winter, wia wird ´s in Summa sein“, Volksliedarchiv der Volkskultur Niederösterreich, Sammlung Karl Liebleitner, NÖVLA A 418/359B.
Dorli Draxler
Februar 2026
Hinweise:
Waldviertler Schmankerl, Strudl & Sterz, nach Rezepten von Gisela Toth & Texten von Isolde Kerndl, Volkskultur Niederösterreich, Atzenbrugg 2013.

Waldviertler Schmankerl, Sauer, süß & selten, nach Rezepten von Gisela Toth & Texten von Isolde Kerndl, Volkskultur Niederösterreich, Atzenbrugg 2018.
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