Was ist Fasching?

Der Fasching ist eine Zeit des Feierns, aber auch eine Zeit des Innehaltens. Er bezeichnet jene Wochen im Jahreskreis, in denen Ausgelassenheit, Maskierung, Tanz und Geselligkeit bewusst Raum bekommen. In seiner Studie zur „Lachkultur“ fand der Kunsttheoretiker Michail Bachtin eine interessante Definition für diesen internationalen Brauch:

„Es ist kein Schauspiel, das man betrachtet, sondern ein Leben, das man für eine gewisse Zeit lebt.“

Tatsächlich ist das „Schlüpfen in andere Rollen“ bzw. „in andere Leben“ in allen internationalen Varianten Kern des Brauchs, in Österreich spielt aber auch der christliche Festkalender eine zentrale Rolle. Der Fasching reicht von der Zeit nach Weihnachten bis zum Faschingsdienstag, dem letzten Tag vor dem Beginn der Fastenzeit. Essen, Trinken, Musik und Bewegung gehören ebenso dazu wie das spielerische Überschreiten gesellschaftlicher Regeln. Oder, um es wieder mit Michail Bachtin zu sagen:

„Es kommt zur zeitweiligen Aufhebung von Hierarchien, Privilegien, Normen und Verboten.“

Verkleidungen erlauben es, soziale Rollen zu wechseln oder humorvoll zu kommentieren. Der Fasching schafft damit eine besondere Zwischenzeit – eine Phase, in der Ordnung und Unordnung nebeneinander bestehen dürfen und in der sich Gemeinschaft, Kreativität und Lebensfreude auf verdichtete Weise zeigen.

 

Tradition der „Lachkultur“

In Österreich beginnt der Fasching am 11.11. – und wird während des Advents als Fastenzeit ausgesetzt. Faschings- und Ballveranstaltungen waren hierzulande bereits in der Zeit der Monarchie ein unverzichtbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Jahreslaufes. In einer Epoche ohne elektrisches Licht, Zentralheizung und moderne Freizeitangebote stellten sie einen willkommenen Höhepunkt im Winter dar: Man traf einander, zeigte sich, tanzte und feierte – bewusst vor dem Eintritt in die enthaltsame Zeit der Fastenwochen.

Auch in Niederösterreich fand diese Kultur früh Anklang. Während in den Städten und Residenzorten der höfische Ball mit strengem Zeremoniell und festgelegtem Ablauf gepflegt wurde, entwickelten sich in Märkten und Dörfern eigene, oft bodenständigere Formen des Faschingsvergnügens. Gasthäuser, Säle von Vereinen oder Gemeindehäuser wurden zu Schauplätzen gesellschaftlicher Begegnung.

Gerade in ländlichen Regionen hatte der Fasching auch eine soziale Funktion: Junge Menschen begegneten einander auf dem Tanzboden, Neuigkeiten wurden ausgetauscht, Allianzen geknüpft, manchmal auch Konflikte entschärft. Getanzt wurden nicht nur die „modernen“ Rundtänze, sondern auch regionale Formen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Süßes Symbol

Untrennbar mit dem Fasching in Niederösterreich verbunden ist der Faschingskrapfen. Er steht wie kaum ein anderes Gebäck für Überfluss, Genuss und das bewusste Auskosten der Zeit vor der Fastenperiode. Seine Zutaten – Mehl, Eier, Milch, Zucker und vor allem reichlich Fett – machten ihn früher zu etwas Besonderem, das man sich nicht alltäglich leistete.

Gerade deshalb wurde der Krapfen zum idealen Faschingsgebäck. In bäuerlichen Haushalten wie in bürgerlichen Küchen gehörte das Krapfenbacken zu den fixen Vorbereitungen auf die närrische Zeit.

Oft war es ein gemeinschaftliches Tun, bei dem mehrere Generationen mithalfen. Traditionell mit Marillenmarmelade gefüllt, gelegentlich auch mit Powidl, galt der Krapfen nicht nur als Stärkung für lange Ballnächte, sondern auch als Zeichen der Gastfreundschaft.

Fasching in der Welt

Blickt man über die Landesgrenzen hinweg, so stellt der Fasching wohl ein universelles, gesellschaftliches Bedürfnis dar, für das es vielfältige Ausdrucksformen gibt. In Deutschland ist diese Tradition eine ausgelassene Zeit vor dem Fasten – Carne vale! – dem Fleisch ade sagen, woraus sich auch der „Karneval“ ableitet den kennt man auch in Italien als „Carnevale“ mit prunkvollen Masken und historischen Kostümen, allen voran in Venedig, wo Anonymität und Eleganz eine lange Tradition haben.

In Frankreich kennt man den „Carnaval“ mit Umzügen und Straßentänzen, während in Spanien und Portugal ausgelassene Feiern Musik, Satire und Tanz verbinden. Besonders farbenprächtig zeigt sich der Karneval in Lateinamerika: In Brasilien wird er zum rauschenden Straßenfest mit Samba, Trommeln und monatelanger Vorbereitung. Auch dort markiert er die letzte große Feier vor der Fastenzeit.

Ob Ballsaal oder Straße, Maske oder Abendkleid – überall geht es um Lebensfreude, Gemeinschaft und Bewegung. Fasching ist damit ein weltweites Kulturerbe in vielen Erscheinungsformen, das zeigt, wie eng Feiern, Musik und Tanz mit dem menschlichen Bedürfnis nach Ausdruck und Zusammengehörigkeit verbunden sind.

Während in Mitteleuropa der Ballsaal lange Zeit das Zentrum des Geschehens bildete, übernehmen andernorts Plätze und Straßen diese Rolle. Dennoch bleibt das Prinzip gleich: Tanz als kollektive Bewegung, Musik als verbindendes Element und Verkleidung als spielerische Freiheit. Auch hier gilt: Der Fasching ist kein bloßes Spektakel, sondern Ausdruck kultureller Identität und sozialer Gemeinschaft.

Das Gemeinsame im Zentrum

In allen Kulturen ist er zugleich ein soziales Ritual: Man tanzt miteinander, nicht gegeneinander. Der Fasching erlaubt damit eine Form des Miteinanders, die Sprache kaum benötigt und dennoch viel ausdrückt.

Überall geht es um das bewusste Auskosten eines begrenzten Zeitraums, um Gemeinschaft, um ein kollektives Innehalten vor einem neuen Abschnitt im Jahreskreis.

Gerade in einer Zeit, in der vieles beschleunigt und vereinzelt erscheint, behalten Faschings- und Ballveranstaltungen ihre Bedeutung. Sie erinnern daran, dass Feiern, Tanzen und gemeinsames Erleben keine Nebensache sind, sondern zu den grundlegenden Ausdrucksformen menschlicher Kultur zählen – gestern wie heute, hier bei uns wie anderswo.

Ein solche Veranstaltung erwartet Volkskultur- und Volkstanzbegeisterte am Rosenmontag, 16. Februar. Dann lädt der Wachauer Trachten- und Heimatverein Krems-Stein zu einem Abend für Tanzinteressierte ins Haus der Regionen ein – für alle, die schon länger nicht getanzt haben und es gerne wieder tun möchten. Gleichzeitig ist der Abend ideal zum Ausprobieren für Volkstanz-Neulinge, ganz ohne Tanzerfahrung.

Fotos: 1 © Chiemseherin, 2 © Laaer Faschingsfreunde, 3 © Hans Grabner, 4 © Karl Rogler, 5 © Heimatmuseum Guntramsdorf, 6 © Stephanie Hofschläger, 7 © veroniasz, 8 © Alberto Brazil, 9 © Volkskultur Niederösterreich