
(c) NÖ Bauernbund
Alles Walzer heißt es im Anschluss an die meisten Balleröffnungen. Gemeint ist die Einladung an alle Gäste, nun das eigene Tanzbein zu schwingen. Vorausgegangen sind nämlich zum Zuhören und Zusehen eine Begrüßung, ein Auftanz oder eine Polonaise, mit dem Einzug der Ehrengäste.
Tanzen ist eine wunderschöne Ausdrucksform. Zugrunde liegen die Freude an der Bewegung, der Ausdruck von Gefühlen, ein Ritual bis hin zu einem sportlichen Motiv.
Tanzen ist Kulturtechnik gleichermaßen wie Kunstform. In jedem Fall will es gelernt sein.
Tanzen lernen.
Viele von uns besuchten eine Tanzschule. Es gehörte zum „guten Ton“ einen Walzer zu beherrschen und tanzen zu können. Zu den Standardtänzen zählten und zählen eben Wiener Walzer, „English Waltz“ (langsamer Walzer), Tango, Foxtrott, Slow Fox und Quickstep. Ergänzt um die lateinamerikanischen Tänze Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive ist das Bestehen auf der Tanzfläche der großen Wiener Bälle garantiert.

Ballsaison.
Abgeleitet von der Wiener Ballkultur gehören Bälle zum fixen Bestandteil des Faschings auch in ländlichen Regionen. Der Fasching beginnt heute bereits am 11. November und endet am Faschingsdienstag. In meinen jungen Jahren – also vor ca. 50 Jahren – begann die Ballsaison allerdings erst nach dem Dreikönigstag am 6. Jänner. Mittlerweile gibt es aber bereits Ballveranstaltungen das ganze Jahr über, denkt man an Matura- und andere Schulbälle oder an Frühlings- und Sommerbälle. Die paar Wochen nach Weihnachten sind offensichtlich zu kurz, um alle Termine unterzubringen.
Bleiben wir am Land. Wenn auch die Blütezeit der Tanzveranstaltungen überschritten ist, gibt es beinahe in jeder Gemeinde Bälle, veranstaltet von Vereinen, Berufsgruppen und Institutionen. Beinahe überall gehen Musikerbälle, Feuerwehrbälle, Sportler-, Seniorenbälle, bis hin zu Bällen der Blaulichtorganisationen, Landjugend-, Bauern- und Trachtenbällen über die Bühne. Bei Letzteren spielen häufig Volksmusik und Volkstanz eine Hauptrolle. Rundtänze wie Walzer, Polka, Marsch, Mazurka oder Boarischer legt die Musik genauso auf wie einfache Volkstänze: beispielsweise Jägermarsch, Hiatamadl oder Siebenschritt.
Das geht ganz einfach, ein Tanzpaar zeigt vor und schon haben die Tänzerinnen und Tänzer auf der Tanzfläche die Schrittfolge übernommen.
Audio-Links:
Siebenschritt aus Thunau am Kamp:
Siebenschrit aus Schwarzau im Gebirge:
Tanz und Musik – eine Symbiose.
Tanz und Musik, das Singen miteingeschlossen, sind untrennbar miteinander verbunden, und das überall auf dieser Welt. Werfen wir einen Blick in die österreichischen Volksliedarchive, so steht fest, dass etwa 90 Prozent aller Instrumentalmusikaufzeichnungen der Tanzmusik zuzuschreiben sind. Gerade die Volksmusik war funktionale Musik. Sie begleitete durch das Leben und durch das Jahr. Sie gehörte zu lustigen und fröhlichen, festlichen und würdevollen sowie traurigen und ernsten Anlässen.

Während einer steirischen Musikantenwoche übernahm ich als Jugendliche folgendes Loblied auf den Tanz:
Des Tånzn, des is jå mei Leben, mei Lebn;
kånn jå nix schenares gebn, jå gebn
und wånn ma si´ draht im Wålzerschriatt,
Leitln, des geht hålt ins Gmiat

Gesungene Tänze.
Recht alt sind Reigentänze, für die ursprünglich auch die Gesangsbegleitung charakteristisch gewesen sein soll. Der Reigen wird entweder im Kreis – wie beispielsweise beim in den südslawischen Ländern beheimatete Kolo – oder in Reihen getanzt. Gegenüberstehende Reihen kennen wir etwa bei der aus Frankreich stammenden Bourrée im flotten geraden Takt.
Mich begeisterte stets das Balladensingen und -tanzen. Viele erzählende Lieder haben einen sehr frei gesungenen ersten Teil, dieser wird von einem Vorsänger oder einer Vorsängerin übernommen. Ein tänzerischer zweiter Teil – oftmals im Dreiertakt – schließt an. Man steht im Kreis, fasst einander an den Händen oder auch nicht und schreitet im Takt zwei Mal links und einmal rechts, ganz einfach.

Gelebte Fest- und Feierkultur.
Zurück zu den Bällen: Bälle führen viele Facetten der Fest- und Feierkultur zusammen. Allein die Vorbereitung, auch als Gast, ist eine aufwendige.
Was ziehe ich an, welche Schuhe sind dazu passend schön und eignen sich als Tanzschuhe, wieviel Geld kann ich ausgeben, mit wem werde ich den Ball besuchen – mit dem Partner oder in einer Freundesrunde? Lauter Fragen, die im Vorfeld zu klären sind.
Die Ballkleidung gibt der Anlass gewissermaßen vor. Festlich ist sie in jedem Fall, große Wiener Bälle schreiben den Dresscode für Herren – dunkler Anzug oder Smoking – in die Einladung. Abgeleitet davon kleiden sich Damen im langen Abendkleid. Bei Bällen mit volkskultureller Tangente trägt man Tracht.
Der Erfolg einer renommierten Ballveranstaltung hängt von wesentlichen Faktoren ab: hervorragende Ballmusiken auf verschiedenen Bühnen, ganz nach dem Motto „Musik für jeden Geschmack“, ein wunderschön blumengeschmücktes Ambiente, kulinarische Schmankerl, eine erlesene Weinbar, sowie gut gelaunte Ballgäste. Bei Bauern- und Landjugendbällen werden meist schon beim Auftanz am Beginn regionaltypische Trachten präsentiert. In den vergangenen Jahren konnten sich auch Volkstanzchoreografien, wie beispielsweise beim Niederösterreichischen Bauernbundball, etablieren. Begonnen mit dem Tanzmeister Franz Huber und gegenwärtig fortgeführt von Franz Steininger samt Team werden Jahr für Jahr speziell für die Balleröffnung der Volkstanzpaare besondere Tanzfolgen ausgedacht und umgesetzt. Alle Jahre wieder begeistert ein beeindruckender Auftritt: tänzerisch sehr gekonnt und für den Betrachter überdies ein sehr ästhetisches Bild.

Mitternachtseinlagen.
Um Mitternacht sind bei Bällen Einlagen meist musikalischer Natur gefragt. Durchgesetzt hat sich die Mitternachtsquadrille, bei der alle Gäste mitmachen können. Diese ist stets kundig angeleitet und geführt, dennoch ergibt sich auf der Tanzfläche nicht selten ein „lustiges Durcheinånd“. Aber spätestens bei der „Damenkette“ kommt wieder etwas Ordnung in das aufgeregte Gedränge.
Die bekannteste und bei den Wiener Hofburgbällen gern gebotene Quadrille mit Ansage ist die Fledermausquadrille von Johann Strauss Sohn (1825 – 1899). Strauss hat dafür einige Motive aus seiner erfolgreichen Operette „Die Fledermaus“ verarbeitet. Unter Federführung von Walter Deutsch (1923 – 2024) wurde 1988 eine Quadrille-Franc̢aise nach volkstümlichen Melodien der Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) neu zusammengestellt. Gleich der klassischen Quadrille besteht diese ebenfalls aus sechs Teilen bzw. Figuren:
1. Pantalon (Hose).
2. Été (Sommer).
3. Poule (Huhn).
4. Trénis (der deutsche Tanzmeister Trénitz hat für diesen Teil der Quadrille um 1800 eine Figur erfunden).
5. Pastourelle (Hirtin).
6. Finale.

Allen Damen und Herren, die in der laufenden Ballsaison einen Ball besuchen werden, wünsche ich dafür die beste Unterhaltung und ein schwungvolles und beglückendes Tanzvergnügen.
Dorli Draxler
Jänner 2026
Tipps:
Samstag, 7. Februar 2026, 17.00 Uhr
NÖ Volkstanzfest Baden
Congress Center Baden
Kleidung: festliche Tracht oder festliche Abendkleidung
Auskunft: Ute Martinek-Korbuly, Tel.: +43 (0)664 385 0003, E-Mail: ute.martinek@gmx.at
Fotogalerie Bauernbundball 2026: https://noebauernbund.at/bilder/82-noe-bauernbundball/
Niederösterreichischer Ballkalender 2026: https://ballkalender.cc/ballkalender-bundesland.php?gebiet=nioe
CD-Reihe taktvoll: Volkstänze aus Niederösterreich, 4 CDs, HeiVo 52, Atzenbrugg 2006.
CD taktvoll vokal: Tänze – gesungen und musiziert, HeiVo 100, Atzenbrugg 2013.
Beides erhältlich auf www.volkskulturnoe.at oder in der „volkskultur – Buchhandlung der Regionen“ in Krems-Stein
App taktvoll mobil: https://taktvoll.app/taenze

