Wasser

(c) pixabay Gabor Karacsony

Das Wasser in der Musik.

Bei zehn Freunden zum Thema kurz nachgefragt, bekam ich zehn Mal die Antwort „Händels Wassermusik“, fünf Mal „Smetanas Moldau“, drei Mal „Schuberts Forelle“ und zwei Mal wurde das allgemein verbreitete neue Kärntner Volkslied „Is scho still uman See“ genannt. Die Melodie stammt von Günther Mittergradnegger, der Text von Gerhard Glawischnig.

Die Moldau
Smetanas „Die Moldau“ zählt wohl zu den bekanntesten Musikstücken über ein Gewässer. (c) Pixabay susbany
Noten "Is scho still uman See"
Notenbild „Is scho still uman See“. Quelle: Draxler/Scheiber, Liederösterreich S. 210. Hrsg. Club Niederösterreich und Volkskultur Niederösterreich

Tonbeispiele:
1. Is schon still uman See – Kärntner Landesjugendchor (2009) – YouTube
2. It´s quiet around the sea, instrumentale Bearbeitung, CD Meilensteine der Volksmusik – aus Geschichte und Leben, Cut 27, 4:27, Mnozil Brass.

Der Vorspann.

„Alles Sein besteht aus Erde, Wasser, Luft und Feuer, sagt die Vier-Elemente-Lehre, die bis in die frühe Neuzeit hinein die Welt erklärte. Entdeckungsfahrten und naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse erweiterten in der Folge das Spektrum der Erkenntnisse.

Eines steht bis heute zweifellos und unverrückbar fest: Das Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Ohne Wasser kein Leben. Daher gehört das Wasser in besonderer Art und Weise geschützt. Nicht unerwähnt sei aber die gefährliche Seite des Wassers im Zusammenhang mit den Hochwässern, Murenabgängen oder Tsunamis. „Die Sintflut“ zeigt, dass das Wasser die gewissenlose Menschheit vernichtet.

72 % der Erdoberfläche und 62 % des menschlichen Körpers bestehen aus Wasser, H2O.
Wir haben das Glück in einem Land zu leben, in dem die Ressource Trinkwasser scheinbar unbegrenzt zur Verfügung steht. Oder doch nicht?
Ohne überzogenes Dramatisieren hat der Sommer 2026 vorgeführt, wie sich extreme Temperaturen und Dürreperioden auf den Wasservorrat auswirken. Sehr oft hörten wir in den Nachrichten via Medien: „Historische Temperaturrekorde seit Beginn der Aufzeichnungen – Häufung von 40 Grad Tagen – Wasserhaushalt in Österreich stark belastet – Niedrigstwasserstände in Flüssen und Bächen – usw.“

Die unverzichtbare Quelle Wasser rückt plötzlich in den Mittelpunkt des allgemeinen Bewusstseins, rüttelt wach und fordert die dringliche Auseinandersetzung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein.
Aber, wie gesagt, ohne überzogenes Dramatisieren – es geht immer wieder und einmal mehr um den sparsamen und behutsamen Umgang mit dem wertvollen Rohstoff Wasser, im weiteren Sinn um die Balance zwischen Mensch und Natur.

Kläfferquelle in Wildalpen. Über die II. Wiener Hochquellenwasserleitung werden durchschnittlich 220 Millionen Liter Wasser täglich nach Wien befördert. (c) Stefan Leitner 

Wasser ist in beinahe allen Kulturen und Religionen Symbol für körperliche und geistige Reinigung. Denken wir darüber nach, fallen uns sofort Zuschreibungen ein: das Weihwasser, das Taufwasser, das Heilwasser, das Quellwasser, das Grundwasser, das Trinkwasser, das Regenwasser, das Nutzwasser, das Waschwasser, das Badewasser usw.

Das Lebenselexier Wasser steht also für Reinigung, garantiert die Verbindung unserer Ökosysteme über den globalen Wasserkreislauf (Verdunstung und Niederschlag) und fungiert als Transportmittel im menschlichen Körper, bei den Pflanzen und bei der Schifffahrt, kurz gesagt.

Der deutsche Kulturrat formulierte daher in seinem Positionspapier 2030: „Wasser ist ein Allgemeingut, und der Zugang zu Wasser muss als eines der Menschenrechte betrachtet werden. Trinkwasser gehört zur Daseinsvorsorge und darf daher kein Spekulationsobjekt werden. Gerade der Kulturbereich kann den sorgfältigen Umgang mit Wasser schärfen.“

Leben im Wasser von Lilian Hermann

Jesus geht über das Wasser - von Ivan Konstantinovich Aivozovsky

Ein Fisch im Netz - Othmar Ruzicka
1. „Leben im Wasser“, Druck von der zeitgenössischen Malerin Lilian Hermann.
2. „Jesus geht über das Wasser“ vom Marinemaler Ivan Konstantinovich Aivazovsky, 1863.
3. „Ein Fisch im Netz“ vom österreichischen Genremaler Othmar Ruzicka (1877 – 1962).

Die kurzen Werkbeschreibungen.

Die kurzen Werkbeschreibungen.
Die Wassermusik
von Georg Friedrich Händel (1685 – 1759), HWV 348 – 350, war ein Auftragswerk für den britischen König Georg I aus Anlass einer Lustfahrt auf der Themse am 17. Juli 1717: Drei Suiten (F-Dur, D-Dur und G-Dur), die insgesamt 21 Tänze umfassen. Damals in der Besetzung mit ca. 50 Musikern, entsprechend Blech, – Hörner und Trompeten – damit der Klang unter freiem Himmel und über Wasser gut hörbar sei. Angeblich ließ der König – das Werk gefiel ihm so sehr – drei Mal wiederholen. Ein Durchlauf dauerte ca. eine Stunde lang.

Aufnahme von BBC Proms.

Die Moldau von Bedřich Smetana (1824 – 1884) ist eines seiner berühmtesten Orchesterwerke: die zweite sinfonische Dichtung aus dem sechsteiligen Zyklus „Mein Vaterland“, 1974 – 1979 (1. Vyšehrad. 2. Die Moldau. 3. Sárka. 4. Z českých luhů a hájů (Aus Böhmens Hain und Flur). 5. Tábor. 6. Blaník.). Der bereits vollständig ertaubte Komponist setzte Naturbilder des Flussverlaufs der Moldau von den beiden Quellen bis zur Mündung in die Elbe musikalisch um: Die beiden Bäche kalte und warme Moldau vereinen sich zum Fluss – erstmals erklingt die so bekannte Moldaumelodie. Der Fluss zieht vorbei an Wäldern und Jagden, an einer ländlichen Hochzeit, erkennbar durch die Polkamelodie, an den schwebenden Nixen im Mondschein mit leichtfüßigen, tänzelnden und leisen Klängen, zu Stromschnellen mit dramatischer Klangfarbe und schließlich vorbei an der Königsburg Vyšehrad als mächtiger Fluss in die Elbe mündend. Dauer: ca. zwölf Minuten.
Aufnahme der Berliner Philharmonikern (Karajan).

Die Forelle von Franz Schubert (1797 – 1828), op. 32/D 550, ist ein romantisches Kunstlied, komponiert im Jahre 1817 und basierend auf einem Gedicht von Christian Friedrich Daniel Schubart (1739 – 1791). Allerdings vertonte Schubert die ersten drei Strophen, in denen es um das Angeln des Fisches geht. Die vierte Strophe wendet sich metaphorisch an das weibliche Geschlecht, warnt vor den Anglern, den „Verführern“ und wurde daher bewusst nicht berücksichtigt. Allgemeine Bekanntheit genießt das „Forellenmotiv“, bei dem das Klavier das Wasser imitiert und die lebhaften Intervalle das Plätschern des Bächleins und die Wendigkeit der Forelle ausdrücken. Das Lied hat eine Länge von ca. zweieinhalb Minuten.

Franz Schubert verwendete seine Forellenmelodie etwas später, im Jahre 1819, als Grundlage für sein ebenfalls sehr populäres Forellenquintett: Quintett für Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass, op 114/D 667.
Das Werk umfasst fünf Sätze. Der berühmte Satz mit den Variationen über das Kunstlied „Die Forelle“ ist der vierte – tema con variazioni – andantino. Das Werk hat eine Länge von ca. acht Minuten.

Aufnahmen:
Link zur Aufnahme des Kunstliedes „Die Forelle“ mit Fritz Wunderlich.

Link zur Aufnahme des Forellenquintetts mit Julian Rachlin.

Is scho still uman See, neues Kärntner Lied, Melodie von Günther Mittergradnegger (1923 – 1992), Text von Gerhard Glawischnigg (1906 – 1995), s.o.

Die Beispiele aus dem Volksliedrepertoire.
Das Wasser wird in den überlieferten Liedern vielfach besungen. Bäche und Flüsse verbinden und trennen Landschaften oder Liebende, Seen und Meere verbergen ob ihrer Tiefe und Weite Geheimnisse und werfen Fragen auf. Eine volksmusikalische Kostbarkeit stellt das Streitlied zwischen Wasser und Wein dar. Darin geht es um den Wettstreit von behaupteten Vorzügen.


„Rund um den Wein“, Lieder aus der niederösterreichischen Singtradition, 2. Auflage, Wien 2013, S. 26-27.

weitere Beispiele in Auflistung:
Åber nur koa Wasser net, Trinklied, Lieder aus dem Mostviertel, S. 132 – 133.
Dås Wåsser ist zum Wåschn, Scherzlied, Aufzeichnung von Franz Schunko, NÖ Volksliedarchiv, A 498 i.
Es gibt kålte Wasserl, Tanzlied zum deutschen Umgang, Singen – Das goldene Liederbuch, S. 74 – 75.
Gehn ma aussi in Wåld, fliaßt a Wasserl so liab, Liebeslied aus Tirol (Varianten aus Kärnten und der Steiermark), Alpenländische Volkslieder aus Österreich, Bayern und Südtirol, S. 49.
Übers Bacherl bin i gsprunga, Liebeslied aus der Steiermark, Liederösterreich S. 291.
Üban See måg i net umischwimma, Jodlerlied aus dem Salzkammergut, Sänger- und Musikantenzeitung, 13. Jg., S. 63.
Mir fåhrn mit da Zilln üban See, Fischerlied, Liederösterreich S. 241 – 242.
Überführn, überführn, Ruflied aus Niederösterreich, Liederösterreich S. 289 – 290.
Überführn, überführn, Ruflied aus Tirol, Liederösterreich S. 290.
Schau, schau wias regna tuat, Gstanzllied, Singen – Das goldene Liederbuch, S. 82 – 83.
Enta da Doana, Gstanzllied aus Niederösterreich, Liederösterreich S. 107.

Der sprichwörtliche Gebrauch.
Ins kalte Wasser springen. Das heißt, sich mit Mut und Überzeugung unvorbereitet in eine schwierige Situation begeben.

Mit allen Wassern gewaschen sein. Das heißt, sich mit Tricks und Kniffen Vorteile verschaffen, sich nicht täuschen lassen.

Rein, wie klares Wasser. Das heißt, völlig ehrlich, unschuldig, frei von bösen Absichten und falschem Spiel sein.

Jemandem das Wasser nicht reichen können. Das heißt, jemandem nicht auf Augenhöhe begegnen können, unterlegen sein, was Intelligenz, Talent, Erfolg oder Qualität u. a. anlangt.

Stille Wasser sind tief. Das heißt, als zurückhaltende, stille Person viel zu sagen haben, viel zu wissen, große Gefühle zeigen zu können, aber auch unerwartet und heftig im Stande sein zu reagieren.

Sich über Wasser halten können. Das heißt, im finanziellen Zusammenhang gerade genug Geld zu haben, um (über)leben zu können. Darüber hinaus gehend aber keinen finanziellen Spielraum zu haben.

Jemandem steht das Wasser bis zum Hals. Das heißt, jemand befindet sich in einer Notlage, in einer Krise, jemand ist in Bedrängnis.

Persönliche Anmerkung:
„Wasser in der Musik“ ist ein wahrscheinlich bücherfüllendes Thema. Interesse dafür zu wecken, das darf ich schließlich empfehlen. Oder noch breiter gedacht, das Thema „Wasser“ darf uns nicht kalt lassen, auch wenn wir es so oft warm genießen.
Ein gut funktionierendes „Wassermanagement“ ist wesentliches Gebot der Stunde.

Dorli Draxler
Juli 2026

Fachinformation: Volksliedarchiv der Volkskultur Niederösterreich. www.volkskulturnoe.at E-Mail archiv@volkskulturnoe.at Telefon +43 2742 9005 12878.

 

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