
„Schön ist das Leben, beim Tanzen zu schweben, im Walzertakt“
Dieser Titel eines Liedes von Hans Schobert aus dem Jahr 1959 beschreibt auf wunderbare Weise, dass das Tanzen viel mehr ist als nur eine rein körperliche Bewegung im Takt zur Musik, sondern es geht um ein tiefes, oft intuitives Empfinden, das den Tanz zu einer Ausdrucksform des eigenen Lebens macht.
Schauplatz Wirtshaus
Es ist Donnerstag früher Abend und der Parkplatz vor dem Gasthof Hirschenwirt in Nölling ist bis zum letzten Platz gefüllt. Ein Blick auf die Kennzeichen der Autos zeigt, dass sich Leute von nah und fern aus allen Himmelsrichtungen in der kleinen Katastralgemeinde mitten im Dunkelsteinerwald eingefunden haben. Ihr Kommen hat einen Grund – es ist Tanzabend.
In der Gaststube begrüßt die freundliche Wirtin Herta Falkensteiner ihre Gäste und im großen Saal wird bereits eifrig zur Live-Musik getanzt, vorwiegend zu Evergreens.
Jeden zweiten Donnerstag im Monat treffen sich Tanzbegeisterte beim Hirschenwirt, um einen Abend voller Freude, Unterhaltung und Zusammengehörigkeitsgefühl zu erleben und einmal im Jahr findet der Seniorenball statt. „Die Leute sind natürlich wegen des Tanzens und der Musik hier“, wie Herta berichtet, „aber sie genießen auch die Gemeinschaft, die sie hier erfahren. Es ist wie eine Familie.“
Die Tänzerinnen und Tänzer schätzen den großen Saal und die großzügige Tanzfläche, wo es kein Drängen oder Stoßen gibt. „Man kann schön und ruhig tanzen und darüber hinaus ist der Saal klimatisiert, sodass wir auch in den Sommermonaten nicht ins Schwitzen kommen“, freuen sich Rupert aus Melk und Elfriede aus Gansbach. Beide sind gute Tänzer, so wie die meisten von den Anwesenden. „Aber es sind selbstverständlich auch weniger Geübte herzlich willkommen“, betont Herta und verweist darauf, dass der Spaß und die Zusammengehörigkeit im Vordergrund stehen.
Schauplatz Tanzschule
So ist es auch im Tanzsaal in Großschönau im Waldviertel, wo sich der Schönauer Hof für zwei Tage in eine Tanzschule verwandelt. Für ihre Klausur haben sich die Mitglieder des Tanzforums Niederösterreich hier versammelt. Das Tanzforum der Volkskultur Niederösterreich ist die Kompetenzstelle für den Volkstanz in Niederrösterreich. Tanzleiterakademie, Tanzleiter-Seminare, Jury-Tätigkeiten, aber auch Plattlerschulungen und Volkstanztreffen gehören zu ihren Aufgaben.
Das Tanzforum feiert heuer 20-jähriges Bestehen, es ist eingebettet in die Strukturen der Volkskultur Niederösterreich, die viele Bereiche von der Volksmusik über die Bräuche, traditionelles Handwerk, Chorsingen, Klein- und Flurdenkmale sowie die regionalen Museen betreut.
Hervorgegangen ist die Volkskultur aus dem Verband der Heimat- und Trachtenverbände. Der hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg gebildet, um die Schrecken des Krieges vergessen zu können und sich wieder mit den schönen Dingen des Lebens, vor allem mit regionaler Kultur zu beschäftigen. Dazu gehören die Goldhauben- und Hammerherrengruppen, die 1956 gelobten, jedes Jahr eine Wallfahrt zu organisieren, was sie bis heute tun. 70 Jahre besteht heuer der Landesverband Volkskultur Niederösterreich.
Federführend waren dabei auch die Volkstanzgruppen, die mit ihren Proben und Auftritten ein wichtiger Teil der Freitzeitgestaltung bildeten. Franz Huber erinnert sich an die Anfänge des Tanzforum Niederösterreich vor 20 Jahren: „Wir waren sechs Herren, die sich gedacht haben: Im Bereich Volkstanz kann mehr passieren. Also haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie man das auf die Füße stellen könnte. Der Name ‚Tanzforum‘ hat uns gefallen, wir haben die Idee der Geschäftsführung der Volkskultur Niederösterreich vorgestellt und dann Schritt für Schritt begonnen – mit Kursen, später auch mit der Tanzleiterakademie. Unser Ziel war nie kompliziert: Wir wollten das Niveau im Volkstanz steigern, die Weiterbildung forcieren und den Volkstanz stärker unter die Leute bringen.“
Im Tanzsaal in Großschönau hat das Tanzforum an diesem Abend einen besonderen Gast eingeladen. Tanzlehrer Eddy Franzen vermittelt den Tänzerinnen und Tänzern zwei Tage lang Standardtänze und Lateinamerikanische Tänze. Eddy Franzen betreibt eine Tanzschule in Wien und leitet zusammen mit Richard Fränzl das Ballkomitee der Wiener Tanzschulen. Er choreografiert unter anderem die Eröffnung für den Zuckerbäckerball, den Immobilienball und den Ball der Wiener Wirtschaft. Seine Arbeit konzentriert sich aber nicht nur auf die Ballsaison, sondern auch die Frühjahrsmonate sind sehr gut gebucht, weil in dieser Zeit unter anderem Hochzeitspaare Privatstunden in der Tanzschule buchen, um für ihr großes Fest bestens vorbereitet zu sein.
„Dabei wollen die Paare nicht nur den Wiener Walzer oder den Langsamen Walzer erlernen, sondern vermehrt ganze Choreografien tanzen, was durchaus eine Herausforderung für uns darstellt, weil die Zeit zum Einstudieren oft sehr kurz ist.“, gibt Eddy Einblicke. Im Gegensatz zu früher hat seine Tanzschule aufgrund der steigenden Nachfrage auch in den Sommermonaten geöffnet. Er sieht die Tanzschulen als Vermittler und Bindeglied zwischen dem Volkstanz, dem Standardtanz und dem Turniertanz und betont, dass sich die Wurzeln zahlreicher Tänze im Volkstanz finden.
Dieser kurze Streifzug durch die Tanzsäle des Landes zeigt, dass für viele Menschen das Tanzen mehr bedeutet als nur Schrittkombinationen, Körperhaltung und Takt. Es ist ein Lebensgefühl. Tanzen hält nicht nur körperlich fit, sondern produziert auch Glückshormone und baut Stress ab. Es fördert das Wohlbefinden, stärkt das Selbstbewusstsein und verbessert die soziale Interaktion, indem es Freude, Harmonie und Gemeinschaft schafft.
Wenn Sie jetzt Lust auf Tanzen bekommen haben, gibt es in Kürze bei einer ganz besonderen Veranstaltungsinitiative im Brandlhof in Radlbrunn Gelegenheit dazu: An drei Montagen feiert die Volkskultur Niederösterreich im Kulturpavillon im Zuge von Tanzabenden die Woche, bevor sie richtig begonnen hat – mit beschwingten Melodien aus dem legendären Wurlitzer. Wir nutzen die Kraft der Nostalgiewelle und freuen uns auf Gleichgesinnte aus Tanzvereinen, Volkstanzgruppen oder privaten Tanzrunden, die gemeinsam zu Rock´n Roll, Austropop oder Schlagern das Tanzbein schwingen.
Der Eintritt ist frei – einzig ein paar 20-Cent-Münzen sollte man einstecken. Denn mit ihnen wählt man seinen persönlichen Lieblingshit aus dem Plattenmagazin der Jukebox. Für jeden Tanzabend stellt das Jukebox-Salon Wurlitzermuseum Ziersdorf eine andere Musikbox zur Verfügung und sorgt damit für Nostalgie pur. Kulinarisch wird man bestens versorgt, die Stimmung wird einzigartig und der Tanzabend zum Höhepunkt der Woche für alle begeisterten Tänzerinnen und Tänzer.
Fotos: Volkskultur Niederösterreich Header Foto: Werner Kmetitsch
