
A Büchsal zum Schiassn, a Hundal zum Jågn – Lieder rund um die Jagd
Jagd und Musik sind eng miteinander verbunden. Bestimmte Signale dienen der Verständigung der Jägerinnen und Jäger untereinander und tragen zum reibungslosen Ablauf einer Jagd wesentlich bei.
Fanfaren und Jägermärsche sowie weitere, oft Einzelpersonen oder Gruppen gewidmete Stücke, darunter die eine oder andere Polka oder ein Menuett, gehören zur konzertanten jagdlichen Umrahmungsmusik bzw. sind fixer Bestandteil der Ausübung von jagdlichen Bräuchen.
Letzterem dient vor allem die geistliche Jagdmusik mit Messkompositionen oder Stücken zu Ehren des Patrons der Jagd, des heiligen Hubertus. Neben der Jagdmusik, die von Fürst-Pless-Hörnern oder Parforcehörnern erklingt, gibt es eine beträchtliche Anzahl an Jagd- bzw. Jägerliedern, die vor allem beim geselligen Beisammensein der Jägerschaft angestimmt werden.
Mehrere dieser Jägerlieder finden sich als Belege im Volksliedarchiv der Volkskultur Niederösterreich und zeugen von einer bis heute lebendig gebliebenen Tradition. In den letzten Jahren erschienen zur Belebung und Pflege des jagdlichen Singens einige Liederbücher, darunter eine Zusammenstellung mit besonderem Augenmerk auf das Jägerlied in Niederösterreich von Franz Stättner und Johann Hayden.
Einen reichen Fundus an Jägerliedern beinhalten außerdem zwei handliche Liederbüchlein aus der Steiermark, in denen das Steirische Volksliedwerk Jägerlieder in der Steiermark und den angrenzenden niederösterreichischen Regionen abgedruckt hat. 2003 veröffentlichte Paula Brugger unter dem Titel „Jagerisch und Olmerisch“ Jägerlieder aus Südtirol.

Die Freude an der Jagd und die Verbundenheit mit der Natur machen den Tenor vieler Jägerlieder aus: Der grüne Wald, die am Morgen noch dampfenden Felder und Wiesen, die bereits sich im Sonnenlicht erwärmenden Berghänge, die vergehende oder bereits wieder einbrechende Dämmerung, unberührte Ruhe. Was braucht ein leidenschaftlicher Jäger mehr als ein Büchslein zum Schießen und einen treuen Jagdhund an der Seite, um in dieses Idyll einzutauchen?
Vielleicht noch das krönende Eine: Ein Mädchen zum Gernhaben. Nur in wenigen Jägerliedern kommt die Liebe nicht vor oder schwingt zumindest nicht zwischen den Zeilen mit. Eine Liebeswerbung wird in Liedern mit dem Jagen verglichen.
Die auserkorene Angebetete muss erst noch erobert werden. Da können der schöne grüne Hut mit einer schmucken Feder, ein grüner Anzug sowie die blank geputzte Büchse und die dadurch ausgedrückte Forschheit nur vom Vorteil sein.
Und wenn der Jäger dann auch noch lustig, also voller Lust ist, und seine Taschen voller Blei, Pulver und Kugeln hat, kann einem Besuch beim Mädchen nichts mehr im Weg stehen. Manche Liedstrophen solcher jagdlichen Liebeslieder beinhalten eine unmissverständlich erotische Komponente. Blei, Pulver und der gespannte Hahn wollen dabei metaphorisch verstanden werden.
Jedenfalls will der Jäger seiner Geliebten beweisen, dass er kein Dieb ist, sondern ein Herz voller Treue hat. Dies ist als Seitenhieb auf den Wilderer, den Wildschützen zu verstehen, mit dem sich der Jäger das Terrain wohl oder übel teilen muss.

Waidhofner Frauenquintett, ORF Niederösterreich
Jägerlieder und Wildschützenlieder erzählen Geschichten vom Aufeinandertreffen von Jägern mit Wildschützen. Das Bergwild gehörte zwar rechtlich ausschließlich dem Jäger, der im Auftrag des Grundherrn die Jagd ausübte, auf der Alm und in den Bergen tummelten sich in vergangenen Zeiten aber häufig verwegene Wilderer, die genauso wie die Jäger die Almhütten als Stützpunkte und nicht selten als Zufluchtsorte für ihr strafbares Treiben wählten.
Wilderer gingen naturgemäß den Jägern aus dem Weg, waren diesen oft aber einen Schritt voraus und schafften es immer wieder, die eine oder andere Gämse zu stehlen, was Mut und Lust am Risiko an den Tag legte und als ein besonderes Indiz für aufmüpfiges Selbstbewusstsein interpretiert wurde.

Das musste allerdings nicht immer gut ausgehen, wie ein Lied mit verschiedenen Varianten über das unbeabsichtigte Zusammentreffen des Wildschützen mit einem Jäger berichtet. Die lustvolle Wilderei artet in einen blutigen Kampf aus, den der Jäger schließlich für sich entscheidet. Offen bleibt, ob der Wilderer einer gerechten Strafe zugeführt wird.
Jagen hat im Gegensatz zum Wildern nichts mit Draufgängertum und Verwegenheit zu tun, wie es das Lied „Empfindungen eines frommen Jägers“ aus Neunkirchen im südlichen Niederösterreich nach einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1819 klarstellt.
Die Freude an der Natur führt den frommen und zugleich pflichtbewussten Jäger zum Lob Gottes, zum Dank für die großartige Schöpfung und zur stillen Bitte um Unversehrtheit an Leib und Seele. Diese Form der Frömmigkeit wird bis heute gepflegt, wenn sich die Jägerschaft bei Kapellen zu Ehren des heiligen Hubertus einfindet oder nach einer erfolgreichen Jagd eine Hubertusmesse in einer Kirche feiert.
Dabei wird der Gottesdienst mit eigens dafür komponierten Vertonungen des Messordinariums mit Jagdhörnern gestaltet, wodurch ein besonders feierlicher Rahmen entsteht.

Franz Mandorfer auf der CD „… nimmt der Wildschütz sei‘ Stutzerl“, Volkskultur Niederösterreich.
Hubertusmarsch, Jagdhornbläsergruppe Gaming, ORF Niederösterreich
Dass das Jagen nicht immer ein Genuss ist, verrät uns ein Lied aus Pernitz im südlichen Niederösterreich am Beginn des 20. Jahrhunderts. Da macht ein Jäger seinem Unmut über die Widrigkeiten bei der Jagd so richtig Luft. Fehlschüsse, aufkommender Regen, mangelnde Gelegenheiten zum Schießen sowie das daraus resultierende sinkende Ansehen beim weiblichen Geschlecht vermiesen die Freude am Jagen so richtig.
Da drobn aufn Gamsgebirg (NÖVLA A 84/4)
Dreigesang Zottl, ORF Niederösterreich
Viele Belege für Jägerlieder finden sich im NÖ Volksliedarchiv. Seit Anfang des Jahres 2026 gehört zu dieser Sammlung das bis dahin privat betreute Notenarchiv des NÖ Jagdverbandes mit vielen Kompositionen und tradierten Melodien bekannter Jagdhornmusiker aus dem deutschen Sprachraum, vor allem aber aus Niederösterreich. Aus diesem Fundus schöpfen mehr als 160 Jagdhornbläsergruppen des Landes für ihre Konzerte, Darbietungen und Wettbewerbe. Die Sammlungen des NÖ Volksliedarchivs sind als volksmusikalisches Gedächtnis des Landes Niederösterreich für alle zugänglich, die selber gerne singen oder musizieren, Freude an der Volksmusik haben, forschen oder einfach nur genießen wollen.
https://www.volkskulturnoe.at/footer/ueber-uns/volksmusik/volksmusikarchiv/
Headerfoto: NÖ Landesjagdverband
Fotos: NÖ Volksliedarchiv
Literatur:
Franz Stättner und Johann Hayden, Jägerlieder, Österreichischer Jagd- und Fischerei-Verlag, Wien 1999.
Jäger- und Almlieder in der Steiermark, hg. v. Steirischen Volksliedwerk, Weishaupt Verlag, 2. Auflage, Graz 2000.
Jäger- und Almlieder in der Steiermark. Zweiter Schuss, hg. v. Steirischen Volksliedwerk, Weishaupt Verlag, Graz 2007.
Paula Brugger, Jagerisch und Olmerisch. Ein Liederbuch, Edition Raetia, Bozen 2003.
Josef Kikel, Die Jagd im Volkslied. In: Maultrommel. Mitteilungsblatt des Vorarlberger Volksliedwerks 55 (2000), S. 3-8.


