Einzigartig? Sehr sogar!

Es gibt Bands, die sich mühelos in eine musikalische Schublade stecken lassen. Und es gibt die Gesangskapelle Hermann. Seit mittlerweile mehr als zwölf Jahren beweisen die Sänger ihre Einzigartigkeit. Zwischen A-cappella-Gesang und instrumentaler Begleitung, feinsinnigem Humor und bissiger Gesellschaftsbeobachtung trifft österreichische Mundart auf musikalische Abenteuerlust. Begibt man sich auf die Spuren der Gesangskapelle Hermann drängt sich die Frage auf, wie das alles angefangen hat. Im konkreten Fall wäre allerdings das „wo“ wichtiger als das „wie“.

Die Wiener Hermanngasse war es, die der Formation nicht nur ihren Namen gab, sondern auch zum kreativen Ausgangspunkt wurde. Von dort aus zogen die fünf Musiker aus, um die Musikwelt aufzumischen. Hunderte Konzerte führten die Gruppe in den vergangenen Jahren an die unterschiedlichsten Orte, die so vielfältig waren, wie ihre Musik. Von der Rinderversteigerungshalle über Gasthäuser, Jazzclubs und Festivals bis hin zu renommierten Bühnen wie dem Wiener Musikverein, dem Linzer Brucknerhaus oder dem Porgy & Bess spannt sich der Bogen.

Dabei beschränkte sich die Gesangskapelle Hermann nie ausschließlich auf die Konzertbühne. Immer wieder suchte sie die Zusammenarbeit mit anderen Kunstformen. So standen die Sänger etwa im Wiener Akademietheater auf der Bühne und begleiteten die Uraufführung von Wolfgang Bauers Theaterstück „Der Rüssel“ mit Volksliedern, Schlagern und Jodlern. Bereits seit 2017 begeistert die Gruppe zudem mit ihrem Bühnenprogramm „Ich bin nicht gerne doda“. Auch die österreichische Musikbranche blieb auf die außergewöhnliche Formation aufmerksam. Gleich mehrfach wurde die Gesangskapelle Hermann für den Amadeus Austrian Music Award nominiert.

Tiefgang und Entertainment liegen dabei nah nebeneinander, denn die Sänger präsentieren Lieder, deren Texte alles andere als harmlos sind. Geistreich, zynisch, pointiert und oftmals mit einem Augenzwinkern betrachten sie das österreichische Alltagsleben, menschliche Eigenheiten und gesellschaftliche Absurditäten. Verschont wird dabei niemand – am wenigsten sie selbst.

Musikalisch basiert die Stilrichtung auf einer Tradition, die in der populären Musik lange Zeit als Randerscheinung galt: dem mehrstimmigen Männergesang. Die Arrangements leben von fein austarierten Satzgesängen und differenzierten Stimmführungen. Die Besetzung vereint dabei unterschiedliche stimmliche Charaktere, die sich zu einem geschlossenen Gesamtklang ergänzen. Simon Gramberger und Simon Scharinger bewegen sich vorwiegend in den höheren Tenorlagen und verleihen den Kompositionen Präsenz. Stephan Wohlmuth bildet mit seiner mittleren Tenorlage häufig das verbindende Element zwischen den Stimmen, während Joachim Rigler und Bernhard Höchtel das harmonische Fundament schaffen.

Dabei werden die vokalen Arrangements gezielt durch instrumentale Farben erweitert. Joachim Rigler setzt mit der Gitarre rhythmische Akzente, denen Bernhard Höchtel am Klavier zusätzliche Tiefe und stilistische Offenheit verleiht. Simon Gramberger ergänzt das Klangbild mit Percussion-Instrumenten, hier grooven die Songs und bekommen auch in dramatischen Momenten wieder Leichtigkeit.

Diese Verbindung aus vokaler Präzision und sparsamer, aber wirkungsvoller Instrumentierung eröffnet der Band einen außergewöhnlich großen stilistischen Spielraum, der es dem Ensemble erlaubt, sich zwischen Pop, Chanson, Liedermachertradition, Jazz-Anklängen und volkstümlichen Idiomen zu bewegen.

Ein Erlebnis, das man schwer beschreiben kann, aber zum Glück kann man es erleben, am 12. Juni im Haus der Regionen in Krems-Stein. Um 19.30 präsentiert die Gesangskapelle Hermann ihr aktuelles Programm „Sehr sogar“.

Das zeigt sich so vielfältig wie die Band selbst – bunt, frech, liebevoll und voller Lebensfreude. Musikalisch reicht die Palette von Hip-Hop über Schlager bis hin zu großem Pop. Mal schrill und verspielt, mal zurückgenommen und nachdenklich.

„Sehr sogar“ erzählt von kleinen Sorgen und großen Glücksmomenten, vom Älterwerden und von den Herausforderungen des Alltags. Das Programm feiert das Leben, den Augenblick und die Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten das Schöne nicht aus den Augen zu verlieren. Gleichzeitig erlaubt es einen humorvollen Blick auf das „Strugglen“ privilegierter Mittdreißiger, die gelernt haben, über sich selbst zu lachen. Ein Abend, auf den wir uns freuen. Sehr sogar.

Fotos: Christoph Liebentritt

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