Volksmusikinstrumente

Volksmusikinstrumente „anno dazumal“

Volksmusik kann man mit jedem Instrument machen. Dennoch gibt es typische Volksmusikinstrumente wie Zither, Hackbrett oder Knopfharmonika.

Interessant, dass Peter Rosegger (1843 – 1918) „Zither und Hackbrett“ auch als Titel für seine Lyriksammlung „Gedichte in obersteirischer Mundart“ wählte. Inhaltlich handeln die Texte von der bäuerlichen Lebenswelt. Die Erstausgabe erschien im Verlag Josef Pock, Graz-Leipzig, 1870.

Karl Magnus Klier (1892 – 1966) schrieb im Vorwort zu seinem Buch „Volkstümliche Musikinstrumente in den Alpen“ Bärenreiter-Verlag, Kassel und Basel, 1956, Folgendes: „In den abgeschiedenen Tälern des Gebirges erhielten sich wesentliche Teile der Überlieferung bis in die neueste Zeit. Dazu trug der konservative Sinn der Bevölkerung (Aelpler) bei, die, von Kriegen verhältnismäßig wenig betroffen waren, … und gefördert durch die musikalische Begabung, im Osten der Baiwaren, im Westen – in kleinen Teilen Nordtirols, in Vorarlberg und in der Schweiz – der Alemannen. Die Geschicklichkeit in der Holzbearbeitung und die Neigung zum „Basteln“ kamen der Herstellung von Musikinstrumenten und ihrer Ausschmückung zugute. So stellte der Spieler in älterer Zeit sein Instrument als Einzelstück selbst her und macht dies gelegentlich noch heute. Lediglich die Schwegelpfeifen werden handwerksmäßig erzeugt, während die Anfertigung von Maultrommeln einer bescheidenen Hausindustrie vorbehalten blieb. …“

Urtümliches.
Aperschnalzen im Salzburgischen. Frühlingsbrauch von Dreikönig bis zum Faschingsdienstag. Die Burschen knallen mit kurzstieligen sechs Meter langen Peitschen im Takt. Quelle: Karl Magnus Klier, Volkstümliche Musikinstrumente in den Alpen, Abb. 8. Bärenreiter Verlag, Kassel und Basel 1956. (In Folge Klier.)

Kliers Aussagen beziehen sich auf sehr einfache, „urtümliche“ Instrumente.
So können bei geschickter Handhabung mit Buchenblättern oder Birkenrindenblättchen Tierlockrufe oder Melodien gespielt werden. Flöten aus Knochen, Schilfrohr und Zweigen oder auch Kuhhörner gehören zu den „Werkzeugen“ von Hirten und Hütern. Auch Peitschen zum Aperschnalzen oder Klappern zum Verständigen sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Ratschen – von der Fahnen- bis zur Schubkarrenratsche ersetzen zwischen Gründonnerstag und der Osternacht das Glockengeläute. Einfache Trommeln mit Schnurspannung haben in das Brauchleben Eingang gefunden – mit dem magisch beschwörenden Rhythmus beispielsweise beim Innviertler Schwerttanz. Und Brummtopf nannte man einen ausgedienten, irdenen Kochtopf, mit einer Schweinsblase überspannt, durch welche in der Mitte ein geharztes Stück Schnur gezogen wurde. Beim Ziehen der Schnur gab der Topf lärmende Töne von sich – eingesetzt bei Faschingsumzügen und Heischebräuchen.

Primäre Volksmusikinstrumente.
Dazu zählen:
Das Alphorn: ein Trompeteninstrument aus Holz, am häufigsten bei den Hirten in den Alpen zu finden. In der Schweiz gilt es als Nationalinstrument und ist heute noch in Gebrauch. In den Ostalpen hingegen ist es als Gebrauchsinstrument verschwunden.
Allerdings gibt es heute Alphornbläsergruppen, die das gemeinsame Spiel für Veranstaltungen und Präsentationen praktizieren.
Als Spezialform ist das Wurzhorn aus dem Salzkammergut zu nennen, das trompetenartig gewunden ist.
Zur Tongebung: Es können nur jene Töne erzeugt werden, die durch die Unterteilung der Luftsäule entstehen: die Naturtöne.

Naturtonreihe. In dieser Tonreihe gibt es keine reine Quart, sondern einen etwas höheren Ton (größer als die reine und kleiner als die übermäßige Quart), das Alphorn-fa. Quelle: Klier.

Die Schwegel: eine Querflöte aus Holz, genannt auch Seitlpfeife: eine Holzröhre, in welche ein Mundloch und meist sechs Grifflöcher gebohrt sind. Sie wird stark angeblasen, gepfiffen. Daher nennt man die Instrumente auch Schwegelpfeifen.
Die verwendeten Holzarten sind Ahorn, Zwetschke, Eibe oder „Dirndlbirn“ (Kornelkirsche): je härter das Holz, desto besser das Instrument!

Die Schwegel ist ein transponierendes Instrument. Von der Stimmung unabhängig, geht man beim Abdecken aller Grifflöcher von einem eingestrichenen d aus.
Die tatsächliche Stimmung hängt von der Länge, das heißt von der Grundstimmung der „Flöte“ ab. Die Bandbreite erstreckt sich von sehr tiefen bis zu sehr hohen Lagen.
Eingesetzt ursprünglich in der Tanzmusik, gebraucht man die Schwegelpfeife und die Trommel bei der Schützenmusik. Seit 1925 wird im Salzkammergut am 15. August  „Pfeifertag“ eingeladen.

„Zuhause“ ist das Instrument im Salzkammergut. Klier schreibt dazu: „Als der Erzherzog Johann (1782 – 1859) sich im August 1810 auf der Elmgrubenhütte im Toten Gebirge aufhielt, kamen Bauern mit ihren Querpfeifen aus dem Tal, um der Gesellschaft die Zeit zu verkürzen. Und Jakob Gauermann (1773 – 1843), der Kammermaler des Erzherzogs hielt in einem Aquarell eine ländliche Tanzszene fest, die einen einzelnen Seitlpfeifer zeigt.

„Tanz vor dem Wirtshaus“, Aquarell von Jakob Gauermann, Sammlung Albertina, Wien.
Der Tanz mit der Schwegel erinnert an die Redensart: „Wer gern tanzt, dem ist bald gepfiffen. Quelle: Klier.

Die Schwegel kann als Vorform der Querflöte bezeichnet werden.
Der Dudelsack und die Drehleier.
Bei uns verschwanden Dudelsack und Drehleier im 19. Jahrhundert.
Seit den 1980/90er Jahren erfahren die beiden Borduninstrumente jedoch eine Renaissance in Österreich. In Schottland, in der Bretagne, in Spanien, in Süditalien, Tschechien und Polen kennt der Dudelsack eine ungebrochene Tradition.
Der Dudelsack (Sackpfeife) ist ein Holzblasinstrument, das mit Luft, die aus einem Luftsack einströmt, gespielt wird. Der Luftsack wird entweder über ein Anblasrohr oder mit einem Blasbalg aufgeblasen. Die Luft wird durch Armdruck in die Spiel- und Bordunpfeifen, jeweils mit Einfach- oder Doppelrohrblättern geführt. Die Spielpfeifen/Melodiepfeifen weisen Grifflöcher auf, mit den Bordunpfeifen werden die Liegetöne erzeugt: Grundton und Quint.
Die Stimmungen sind meist rein und nicht temperiert.

Entwicklung des Dudelsackes – 1 – 3. Quelle: Klier.

Nachdem der Dudelsack, man kann sagen, weltweite Verbreitung hatte, gibt es zahlreiche Formen, Materialien und auch Traditionen in den unterschiedlichsten Musikkulturen.
Jedenfalls ist der Dudelsack sowohl ein Hirten- als auch ein Tanzmusikinstrument. Heute assoziiert man vor allem den schottischen Dudelsack mit militärischen Paraden. Die Spieler tragen einen gefalteten Wickelrock (Kilt), karogemustert. Das Karo verrät entweder den Clan oder die Region. Dazu kommen eine kleine Leder- oder Felltasche (Sporran) und Kniestrümpfe.

Schottischer Dudelsackspieler

Die Drehleier (Radleier) kann als „Schwester“ des Dudelsacks bezeichnet werden. Sie war entweder Begleitinstrument für erzählende Lieder oder als Tanzmusikinstrument solistisch oder gemeinsam mit dem Dudelsack eingesetzt.
Die Leier ist ein Kasten, Decke und Boden sind meist aus Fichten-, die Seitenwände aus Ahornholz gefertigt. Mit einer Kurbel am unteren Ende wird ein Rad gedreht. Am oberen Ende sitzen die Wirbel zum Spannen der Saiten, die über das Rad laufen. Die unterschiedlichen Tonhöhen werden mit beweglichen, bis zu zwölf“ Tasten (Claves) erzeugt. Außerhalb des Rades laufen die Begleitsaiten und erklingen in der Quint (Bordun).

Im 19. Jahrhundert war die Leier oft von Invaliden und Bettlern gespielt. Bei einigen blieb das Leierspiel im Familiennamen erhalten. „Leirer“ oder „Leyrer/Leyr“, diese Namen sind über Generationen hinweg geblieben. Ein „Leyrer Matzl“ (Matthias) wird auf einer Schützenscheibe aus Neunkirchen, 1805 genannt. Darauf sind zwei tanzende Paare unter dem Maibaum zur Musik des Leierspielers und nachstehendem Spruch abgebildet:
„Der Leyrer Matzl ist heund hier, wer danzen will, der kombt zu mir!“

An der steirisch-niederösterreichischen Grenze bei Mariazell war Ignaz Pfandl, vulgo Nazbauer der letzte Leierspieler. Er starb 1899 – 93jährig – am Josefsberg. Sein Instrument hatte eine Melodie-, zwei Begleitsaiten und elf Tasten.

Leierspieler Ignaz Pfandl, vlg. Nazbauer vom Josefsberg, ca. 1895. Quelle: Klier.

Die älteste Abbildung einer Drehleier in Europa findet sich auf einem romanischen Kapitäl des 10. Jahrhunderts in der Abtei St. Georg zu Boscherville bei Roun in Frankreich.

Historisch nachgewiesen sind auch Frauen als Leierspielerinnen.

Hackbrett und hölzernes G´lachter.
In der Österreichischen Musikzeitschrift, 21. Jg., Heft 9, 1966 schreibt Walter Deutsch (1923 – 2025): „Gewandelt haben sich die Form und Spielweise des Hackbretts. Vom Psalterium in der Renaissance über das diatonische Hackbrett in der Steiermark zum weit verbreiteten chromatischen Hackbrett aus Salzburg führen unterschiedliche Wege“. Tobias Reiser d. Ä. (1907 – 1974) nämlich, positionierte durch die gemeinsame „Erfindung“ des chromatischen Hackbrett mit Heinrich Bandzauner die so genannte Stubenmusik (lauter eher leise gespielte Saitenmusikinstrumente) in der Volksmusikpraxis der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
„Seltener trifft man das „Hölzerne G´lachter an“, ein Xylophon, das durch seinen trockenen bzw. hölzernen Ton für flotte Stücke besonders geeignet ist“.

Zither und Raffele.
„Wenn Michael Praetorius in seinem „Theatrum Instrumentorum“ des Jahres 1619 das „Scheitholz“ als Lumpeninstrument bezeichnet, so wird damit nur der große Abstand zum vollendeten Instrumentarium des 17. Jahrhunderts hervorgehoben!“ Das Scheitholz, ein einfaches Saiteninstrument in Kastenform sowie das im nächsten Schritt entwickelte „Raffele“/Tirol können als Vorform der Zither definiert werden“, erläuterte Walter Deutsch in seinen Vorträgen über die Volksmusikinstrumente.

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Bayern, Tirol, Salzburg und in der Schweiz die ostalpine Gebirgszither, u. z. in der einseitig ausgebauchten „Salzburger Form“ und in der zweiseitig ausgebauchten „Mittenwalder Form“, bespannt mit zwei bis vier Spielsaiten über einem Griffbrett in plagal-diatonischer Anordnung (Grundton liegt in der Mitte) und mit mehreren Begleitsaiten. Die Begleitung wurde entweder mit einem Plektron aus Holz oder Horn (daher auch die Bezeichnung Kratzzither) „geschrumpt“ oder aber mit den Fingern angeschlagen. Das Schrumpen hat sich beim Raffele erhalten. Der Zitherring wurde 1845 erfunden.

„Als der aus Niederösterreich stammende Zitherspieler Johann Petzmayer von Herzog Max aus Bayern zu dessen Kammervirtuosen ernannt wurde, hat sich der gute Ruf der Zither weit verbreitet,“ schreibt das Österreichische Musiklexikon. Auch des Herzogs Tochter Elisabeth, die spätere Kaiserin „Sissi“, soll meisterhaft die Zither gespielt haben.

Der bayrische Zitherspieler und Instrumentenbauer Nikolaus Weigel (1811 – 1878) baute die Zither zu einem vollchromatischen Instrument aus. Er gilt als „Vater der Konzertzither“ und veröffentlichte 1838 im Eigenverlag die allererste und richtungsweisende „Zitherschule“. Bis auf wenige Ausnahmen in der Kunstmusik
spielte die Zither vor allem bei den Nationalsängern des 19. Jahrhunderts sowie zur Unterhaltung am Tanzboden oder zur Liedbegleitung eine Rolle. In den westlichen Bundesländern und in Bayern hat sie vor allem bei der Liedbegleitung in der Volksmusik ihren Platz behalten.

Verbreitet sind die:
Münchner Stimmung (Melodiesaiten: a´  a´  d´  g  c  ) und die
Wiener Stimmung (Melodiesaiten: a´  d´  g´  g  c  )

Herzog Max von Bayern als Zitherspieler. Zeichnung von Leo Schöninger, ca. 1840. Quelle: Klier.

Harfe und Gitarre.
Die Harfe ist heute wieder im gesamten Alpenraum verbreitet, allein das Fächerangebot an den Musikschulen trug zur Förderung des Instruments enorm bei. Sie ist gleich der Gitarre ein begehrtes Begleitinstrument für Volksliedgruppen.
Die Bauernharfe wird mit Tirol assoziiert. Sie wurde beim Spiel der Ländler solistisch, im Duo oder am Tanzboden als „Garant für den Rhythmus“ im wahrsten Sine des Wortes gebraucht.

Ursprünglich sind aber die Harfe und die Gitarre aus den Kreisen der Städter, also der Adeligen und der Bürger hinaus bis in die Alpentäler gekommen.

Die Harfe besteht aus drei Teilen, dem Körper, dem Hals und der Baronstange. Der Körper fungiert als Resonanzkasten – meist aus Ahorn. Die Decke, an der die Saiten mit Knöpfen befestigt sind, wird oft aus Fichtenholz gemacht und weist Schalllöcher und verzierte Rosetten auf. Der Hals besteht aus hartem Holz, darin sind die Wirbel für die Saiten eingelassen. Die profilierte und verzierte Baronstange muss den Zug der Saiten aufnehmen. Die Saitenebene steht senkrecht zur Decke des Resonanzkastens.

Einfache Harfen, zum Beispiel Rahmenharfen haben so viele Töne wie Saiten. Bei Hakenharfen sind an den oberen Saitenenden Haken angebracht, mit denen der schwingende Teil einzelner Saiten verkürzt und damit einen halben Ton erhöht werden konnten. Pedalharfen erhöhen gleichnamige Töne durch Pedale, die mit den Füßen bedient werden. Karl Magnus Klier schreibt: „Die heutigen Bauernharfen sind diatonisch und gewöhnlich in Es-Dur gestimmt, haben 36 Saiten und sieben Pedale. … Mit der linken Hand werden die längeren, also die Bass-Saiten, mit der rechten die kürzeren, die Melodiesaiten angerissen.“

Joseph Haydn (1732 – 1809) hinterließ eine Nachricht vom Gebrauch der Harfe auf dem Dorf. Denn sein Vater zu Rohrau/Niederösterreich griff gerne in Feierstunden zur Harfe: „Er spielte ohne eine Note zu kennen die Harfe und ich als ein Knabe von fünf Jahren sang ihm alle „sein simple kurze“ Stücke ordentlich nach.“ Fortan gibt es bis in das 19. Jahrhundert zahlreiche Belege für den Gebrauch der Harfe in unteren Schichten. Beispielsweise in Wirtshäusern von berufsmäßigen Harfenist:innen oder im Prater zur Liedbegleitung von Volkssänger:innen gespielt. In Graz zogen noch um 1880 böhmische Harfenist:innen von Haus zu Haus.

Die Tradition des bäuerlichen Harfenspiels führt nach Nordtirol, speziell in das untere Inntal und die dazugehörenden Seitentäler, etwa in das Zillertal.

In der Volksmusikpraxis heute nimmt die Harfe eine zentrale Rolle ein.

1. Hakenharfe (Foto: pixabay Annette Schleich) . 2. Kontragitarre (Christoph Kriner. Foto: Volkskultur Niederösterreich)

Die Gitarre (umgangssprachlich „Klampfn“) ist beim unterhaltenden Singen „das“ Begleitinstrument. Sie gibt „Halt, Rhythmus und Harmonie“. In der Wiener Musik kennt man die „Kontragitarre“ als Liedbegleiterin, aber auch als Begleit- und Bassinstrument im klassischen Schrammelquartett.

Maultrommel und Mundharmonika.
Die bei uns gebrauchte Form der Maultrommel besteht aus einem gebogenen Rahmen aus Metall, an dem eine Lamelle (Zunge) befestigt ist. Diese wird am freien Ende vom Spieler bewegt. Der Klang und die Tonhöhe des an die Lippen gehaltenen Instruments werden durch die Veränderung der Mundhöhle und die Atmung erzeugt. Diese stellt auch den Resonanzraum dar. Dabei werden verschiedene Obertöne hörbar gemacht: Ein „mystisches“ Instrument, das in den ländlichen Gegenden der Alpen gerne beim so genannten „Fensterln“ geholfen haben soll. Die Maultrommel kann durchaus zu den Borduninstrumenten gezählt werden, da alle Obertöne auf dem Grundton basieren und dieser Grundton immer im Klangbild vertreten ist.

Die Erzeugung der Maultrommel. Zusammengestellt nach den Arbeitsschriggen in Molln/Oberösterreich. Links die Entstehung des Rahmens aus dem Koben, rechts die Herstellung der Feder. Quelle: Klier, Abb. 62.

Beinahe verdrängt wurde die Maultrommel um 1900 von der Mundharmonika: ein kleines, praktisches Blasinstrument, bei dem die Töne durch das Anblasen oder Anziehen der Luft an frei schwingenden Metallzungen (ebenfalls Durchschlagszungen) erzeugt werden. Beim Spiel wird die Mundharmonika vor dem Mund hin- und herbewegt, um die Luftkanäle mit den gewünschten Tönen zu erreichen. Daher stammen auch die gängigen Bezeichnungen „Fotzhobel“ oder „Maulwetzn“. Es gibt zahllose Mundharmonika-Sorten, vorherrschend sind jene mit einer diatonischen Tonreihung. Sind mehrere Tonarten erforderlich muss zu einem Instrument der entsprechenden Tonart gewechselt werden.
Gebraucht für die kleine Unterhaltung: In Ermangelung anderer Instrumente gab sie nicht selten die Tanzmusik ab.

Angemerkt sei, dass mit der Erfindung der „Ziehharmonika“ – 1829 erhielt der Instrumentenbauer Cyrill Demian das Patent für ein neues Musikinstrument, genannt Accordion – die praktizierte Volksmusik eine völlig neue Ausrichtung bekam. Die große Verbreitung dieses Instruments stillte das Bedürfnis nach einer vollkommen musikalischen Unabhängigkeit des Spielers, der Spielerin: Melodie, Begleitung und Bass sind mit einem einzigen Instrument realisierbar.

Und der Volllständigkeit halber sei erwähnt, dass der Geige in der alpenländischen Volksmusik große Bedeutung zukommt.
Über die Geige darf ich als einstige „Bradlmusikantin“ eine eigene „Volkskulturgeschichte“ zu einem späteren Zeitpunkt verfassen.

Dorli Draxler
September 2026

Fachinformation: Volksliedarchiv der Volkskultur Niederösterreich. www.volkskulturnoe.at E-Mail archiv@volkskulturnoe.at Telefon +43 2742 9005 12878.

Hinweis:
Karl Magnus Klier, Volkstümliche Musikinstrumente in den Alpen. Mit 118 Abbildungen und 38 Musikbeispielen. Bärenreiter-Verlag zu Kassel und Basel, 1956.

Volksmusik in traditioneller und unkonventioneller Instrumentalisierung gibt es am Sonntag, 4. Oktober in Atzenbrugg: „Orgel trifft Volksmusik“

„Bradln und Aufspielen“ mit Volker Gallasch im Haus der Regionen ist am 17. September gestartet!

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