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Redewendungen und Sprichwörter, die wir meist schon von unseren Eltern gehört haben, kommen uns gerne und schnell über die Lippen. Sie gelten als allgemeingültig, unterstreichen unsere Argumentation und es gibt sie praktisch für alle Gelegenheiten.
Die aktuelle Bedeutung ist meist bekannt, die Herkunft beziehungsweise die ursprüngliche Bedeutung weniger. Denn viele Sprichwörter kommen aus dem Bereich des Handwerks, oft von Gewerken, die es heute gar nicht mehr gibt.
„Klappern gehört zum Handwerk“ wird heute im Zusammenhang mit Werbung verwendet. Früher klapperten die Mühlen oder Webstühle und der Lärm zeigte an, dass hier gearbeitet wurde.


„Jeder ist seines Glückes Schmied“ bedeutet, dass jeder sein Leben selbst gestalten kann. Das Bild kommt vom schweißtreibenden Handwerk des Schmieds. Er gibt dem widerständigen Material durch seine gezielten Hammerschläge die gewünschte Form.
Übrigens macht er auch „Nägel mit Köpfen“ – also solche, die das Holz gut zusammenhalten und für Beständigkeit sorgen. Und man soll „Das Eisen schmieden, solange es heiß ist“, also nichts auf die lange Bank zu schieben.
Mit dem Schmieden in Zusammenhang steht außerdem das Sprichwort „Etwas im Schilde führen“. Wer etwas „im Schilde führt“, hat einen Plan. Dieses Sprichwort kommt aus der längst vergangenen Welt der Schildschmiede: Auf dem Schild trug man sein Zeichen, das oft eine Absicht verriet. Wer ein neues Wappen schmieden ließ, hatte meist etwas vor.

Beim Stofffärben, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Blaudruck, sind mehrere Arbeitsschritte notwendig. Unter anderem müssen die mit Indigo gefärbten Stoffe an der Sonne trocknen, denn erst an der Luft wird der Stoff blau. Das bedeutete eine Wartezeit, also einen freien Tag, damit die Stoffe durch das Trocknen ihre endgültige Farbe bekommen – also „Blau machen“.
Foto: Volkskultur Niederösterreich
„Schuster bleib bei deinem Leisten“ ist die Aufforderung, nicht über etwas zu reden oder etwas zu tun, von dem man nichts versteht, worin man nicht ausgebildet wurde.
Das Sprichwort wird übrigens dem antiken griechischen Maler Apelles zugeschrieben, der einem Schuster riet, sich auf die Beurteilung von Schuhen zu beschränken, nachdem dieser sein Gemälde kritisiert hatte.
„Aus dem Leim gehen“ kommt aus dem Tischlerhandwerk. Wenn ein Möbelstück älter wird, hält der Leim nicht mehr so gut und kann auseinanderfallen. Übertragen wird die Redensart heute auch für unerwartete Gewichtszunahme verwendet.
Foto: pixabay Elke
„Wer rastet, der rostet“, auch diese Redewendung kommt vom Wissen über Handwerk, Metall und Maschinen. Denn was stillsteht, setzt schnell Rost an und wird schwergängig.
Handwerk hat viel mit Lernen, Üben, Planen und Erfahrung zu tun. Denn „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“, heißt es. Zuerst ist man Lehrling, dann Geselle und erst nach Perfektionierung der gewählten Handwerkstechniken wird man Meister. Das heißt auch, Geduld zu haben.
Anders als Tagelöhner (ungelernte Kräfte), waren Handwerker früher meist gut bezahlt. „Handwerk hat goldenen Boden“, sagte man – und die lange Lehrzeit zahlte sich schließlich aus. Übrigens auch heute! Denn gute Handwerkerinnen und Handwerker sind sehr gefragt.
Vergolder. Foto: Volkskultur Niederösterreich
Aus dem Bereich der Technik kommt der Satz „Eine Schraube locker haben“. Wenn etwas nicht gut fixiert ist, dann, wackelt es und ist instabil. Handwerk braucht eben Präzision und Genauigkeit. Dieses Bild wurde auf Menschen übertragen, die ein bisschen verrückt sind, also auch nicht perfekt funktionieren.
„Einen Zahn zulegen“ kommt übrigens nicht aus der Technik, sondern aus dem Bereich des Kochens. Im Mittelalter hingen große Töpfe über offenen Feuer und mittels einer Vorrichtung mit Zähnen konnte der Koch den Topf höher oder tiefer hängen. Wenn man den Topf einen Zahn weiter nach unten hängte, war er näher am Feuer und es ging schneller.
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Handwerkerinnen und Handwerkern über die Schulter schauen kann man beim Kinder-Handwerksmarkt im Brandlhof und im Kulturpavillon in Radlbrunn am Sonntag, 4. Oktober von 10.00-17.00 Uhr.
Patrick Rastelli schmiedet, Xaver Stockinger flechtet Körbe, Johanna Scherz schneidert mit den Kindern und noch viele andere Handwerkerinnen und Handwerker verraten ihre Geheimnisse.
Und für Kinder von 7-14 Jahren gibt es in den Herbstferien die Herbstschule des Handwerks, wo sie in Kursen noch intensiver in die Materie eintauchen können.



