HOCHzeit

Bauernhochzeit von Pieter Bruegel dem Älteren, im Kunsthistorischen Museum Wien

Die Bauernhochzeit,
so lautet der Titel des berühmten Ölgemäldes vom flämischen Renaissancemaler Pieter Brueg(h)el dem Älteren (1525/30 – 1569), genannt der „Bauernbruegel“. Ausgestellt ist dieses Bild im sogenannten Bruegel Saal (Saal X) – gemeinsam mit weiteren Bruegelwerken wie „Die Jäger im Schnee“ oder „Die Kinderspiele“ – im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Es handelt sich um eine schlichte Hochzeit, die damalige Lebensweise der Landbevölkerung abbildend. Auf einer Holztüre werden Breispeisen gebracht, die Tafel ist weiß gedeckt, hinter der Braut hängt ein grünes Tuch, auf dem eine Papierkrone angebracht ist. Die Braut sitzt alleine mit gefalteten Händen und durfte weder essen noch sprechen. Dem Bräutigam gestattete man nach damaliger Sitte im besten Falle anwesend zu sein, jedenfalls durfte er nicht an der Tafel sitzen. Für die Hochzeitsmusik sorgten ein bis zwei Dudelsackspieler.

So erzählt es ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert. Bräuche ändern sich, wenn auch langsam. Lebensumstände und gesellschaftliche Veränderungen prägen unsere Gewohnheiten, auch wenn gerne auf Traditionen Bezug genommen wird.

Persönliche Erinnerung.
Wenn ich an die eigenen musizierenden Jugendjahre zurückdenke, fällt mir unsere kleine Geigenpartie ein, mit der wir die eine oder andere ländliche Hochzeit begleiten durften. Wir holten die Braut musikalisch vom Elternhaus ab, begleiteten sie zur Kirche, gestalteten in der Kirche den Gottesdienst mit, führten von der Kirche ins Gasthaus und stellten dort die Tanzbodenmusik bis weit nach Mitternacht.

Und keine Hochzeit glich einer anderen. Wenn ein Hochzeitstag auch durch feststehende Abläufe bzw. Stationen gekennzeichnet ist – Braut und Bräutigam haben heute sehr individuelle, persönliche und auf ihre Gäste abgestimmte Vorstellungen von einer Fest- und Feiergestaltung. Sehr lustig war es immer, wenn sowohl von den Hochzeitern als auch von der Hochzeitsgesellschaft viel Kreatives eingebracht wurde – oder wenn die Braut „gestohlen“ und nicht rasch zu finden war – oder wenn wahrlich Unvorhergesehenes passierte: Es war eine Hochzeit in Ungerbach in der Buckligen Welt, vor 30 Jahren, ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen. Wir, die Hochzeitsmusik in der Besetzung mit zwei Geigen, Steirischer Harmonika, Bratsche und Bassgeige, sollten den Hochzeitszug von der Kirche weg mit dem frisch vermählten Brautpaar zur nahe gelegenen 1000jährigen Linde anführen. Das Brautpaar bestieg eine Pferdekutsche, die Gäste gingen hinterher. Der Weg führte durch einen ansteigenden Hohlweg. Das war den Pferden Anreiz genug, Schwung zu holen und Tempo aufzunehmen. Der Kutscher hatte das festliche Fuhrwerk zwar im Griff, wir Musikanten mussten aber plötzlich zur Seite springen, die Kutsche eilte ohne uns zügigst bergauf. Wenn auch nicht gemeinsam, kamen alle wohlauf bei der Linde an, wo unter freiem Himmel getafelt, getanzt, gelacht und gefeiert wurde.

Bauernhochzeiten sind nicht zwingend Trachtenhochzeiten, ganz im Gegenteil. Mein Vater, der in jungen Jahren mit seinem Cousin und Freunden gerne bei Hochzeiten aufspielte, erzählte, dass sehr viele Bauernsöhne seiner Generation die Kleidung betreffend, eine Mischform wählten: der Bräutigam im Trachtenanzug, die Braut im weißen, bodenlangen Kleid samt Schleier.

Hochzeitsgesellschaft von 1954
Hochzeitsgesellschaft von 1954


Die niederösterreichische Bauernhochzeit.
Der Ablauf einer Bauernhochzeit war geregelt, wurde jedoch von Region zu Region in Varianten gelebt. Den ritualisierten Ablauf stellte der so genannte Brautführer sicher. Mit gesungenen Vierzeilern führte er von Station zu Station.

„In Niederösterreich ist der Hochzeitstag fast ausschließlich ein Dienstag, der allgemein als glücksbringender Tag gilt“, schreibt Franz Hurdes in der Einführung zu seinem Buch „Die niederösterreichische Bauernhochzeit in Vierzeilern, Liedern und Sprüchen“, herausgegeben im Jahr 1949.

Dieser ehemalige Termin an einem Dienstag – meist im Winter, weil man in der kalten Jahreszeit mehr Zeit zum Feiern hatte – wandelte sich grundlegend. In gegenwärtigen Zeiten wird an einem Sonn- oder Feiertag Hochzeit gehalten. Bevorzugt ist die warme Jahreszeit. Beliebt sind die Monate Mai (Wonnemonat) bis September. Standesamtlicher und kirchlicher Termin sind oftmals an zwei unterschiedlichen Zeitpunkten fixiert. Die standesamtliche Trauung geht der kirchlichen in kleinerem Rahmen Tage oder Wochen voraus.

Buchdeckel der Publikation „Die niederösterreichische Bauernhochzeit von Franz Hurdes, Verlag von Carl Gerolds Sohn, Wien 1949. 200 Seiten. Volksliedarchiv der Volkskultur Niederösterreich, IN 258.

Franz Hurdes beschreibt in seinem Buch zum einen die Bräuche im Verlauf der Hochzeitsfeierlichkeit vom „Hochzeitsladen“ bis zum „Heimblasen oder Brauteinstellen“ und gibt einen systematischen Überblick über die einzelnen Formen in den Hauptregionen des Bundeslandes:
1. Das Viertel ober dem Manhartsberg (unterteilt in Bezirke Geras und Horn sowie übriges Waldviertel).
2. Das Viertel ober dem Wienerwald (unterteilt in Mostviertel, Eisenwurzen und St. Pöltener Gegend).
3. Das Viertel unter dem Manhartsberg (unterteilt in Korneuburger Gegend und Weinland).
4. Das Viertel unter dem Wienerwald (unterteilt in Wiener Becken/Steinfeld, Semmeringgebiet und Wechselgebiet).

Nachdem die Hochzeitsgesellschaft rechtzeitig durch den Heiratsmann, Leutbitter oder das Brautpaar persönlich eingeladen wurde, begann man mit den Hochzeitsvorbereitungen: Kranzln und Büscherl zum Anstecken binden, Mehlspeisen backen u. v. m.

(c) Tostmann Trachten

Hochzeiter in Trachten von heute.

Der Hochzeitstag selbst beginnt mit dem Brautabholen durch den Bräutigam und den Brautführer. Zuvor erfolgt mancherorts durch Böllerschüsse das Brautaufwecken. Schon am Vormittag treffen die Hochzeitsgäste im Haus der Braut ein.
Der Zug zur Kirche wurde angeführt von einem Junggesellen und der Braut, es folgten eine Kranzljungfrau und der Bräutigam, die Kranzljungfrauen und Junggesellen, die Männer und Frauen.
Damals waren Männer und Frauen im Hochzeitszug getrennt, auch in den Kirchenbänken, links die Frauen und rechts die Männer.

Nach der Trauung, wurde der Zug von der Kirche ins Wirtshaus vom Brautpaar angeführt. Am Weg dorthin mussten beim abgesperrten Weg bereits Aufgaben gelöst werden, wie etwa das Durchschneiden eines Baumstammes mit einer „Zweimannsäge“.

Im Wirtshaus angelangt, gings zum Hochzeitsmahl. Und wohl gemerkt: Die Musik und der Brautführer waren schon „mitten im Geschehen“ mit ihren Gstanzln. Die drei Kranzltänze – von Gegend zu Gegend unterschiedlich zusammengestellt – gingen bereits vor der Tafel über die Bühne. Im Mostviertel beispielsweise tanzte den ersten Kranzltanz der Brautführer mit der Braut, den zweiten der Bräutigam mit der Braut und der Brautführer mit der Zuabraut und den dritten alle Hochzeitsgäste. Heute wird Walzer getanzt – früher war es der Landlertanz mit vielen freien Landlerfiguren.

Das Brautauffordern zum Ehrentanz geschah am Beginn der Tanzunterhaltung nach dem Essen oder um Mitternacht, genauso wie das Kranzlabtanzen.

Und i will enk

Ansingelied zur Hochzeit aus Niederösterreich, Sammlung Franz Hurdes aus: Draxler/Scheiber, Liederösterreich 297 f.

Die „Maschkerer“ zogen nach Mitternacht ein und sammelten das erste Haushaltsgeld. Die Braut wurde noch gestohlen oder „verzaht“. Die fröhlich gestimmten Musikanten und die Hochzeitsgäste suchen die gestohlene Braut in den benachbarten Wirtshäusern und holten sie zurück.

Auch das „Weiserten“ hat seine Bedeutung in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Versteht man heute unter „Weiserten“ das Übergeben von Geschenken, so wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts das „Weiserten“ vom Wirt und der Köchin eröffnet: „Hoazatleut, richt´s enk den Geldbeutl! Agweisert wird!“ Also das Mahlgeld wird eingesammelt.
Gleichzeitig wurden folgende Zeilen gesungen und die Musik unterstrich auf jedes „Hochlebenlassen“ mit einem kräftigen Tusch.
Dem Brautpaar eah Gsundheit (Tusch),
Brauteltern eah Gsundheit (Tusch),
Brautführer sei Gsundheit (Tusch),
Allen Hochzeitsgästen eah Gsundheit (Tusch),
Dem Wirt, der Frau Wirtin eah Gsundheit (Tusch),
Musikanten eah Gsundheit (Tusch),
Und allen Nachigehern eah Gsundheit (Tusch).

Schließlich sei noch das Festessen erwähnt. Früher wurde viel und deftig gegessen. Jedenfalls gab es Gekochtes, Gebratenes und Paniertes – also gekochtes Rindfleisch mit Semmelkrenn, Schweinsbraten mit Knödel und Kraut und ein gebackenes Huhn oder Schnitzel. Nachdem die Hochzeit den ganzen Tag über bis in die frühen Morgenstunden dauerte, wurde groß aufgetischt. Eine üppige Hochzeitstorte sowie reichlich Kleingebäck zum Kaffee zwischendurch standen ebenfalls am Menüplan. Irgendwann wurde begonnen, so genannte „Bschoadpackerl“ mit nach Hause zu geben. Darin waren allerlei Mehlspeisen verpackt.

Eine niederösterreichische Bauernhochzeit. Originalzeichnung von Wilhelm Grögler (1839 – 1897).
Originalzeichnung von Wilhelm Grögler (1839 – 1897).

1. Der Bräutigam empfängt den elterlichen Segen. 2. Das Brautauslösen. 3. Der Brautsprung. 4. Das Auswerfen des Gebäcks (Bacht). 5. Der Ehrentanz. 6. Das Heimblasen.

Und der Brautführer schloss mit folgendem Text: „Der Herr Bräutigam samt seiner Braut lassen sich bei allen erschienenen Hochzeitsgästen auf das Innigste bedanken, fürs Erste dass ihr auf ihr und mein Bitten und Anhalten seid erschienen, ihren Kirchengang zu schmücken und begleiten geholfen, der heiligen Messe und Kopulation mit einem andächtigen Gebet beigewohnt und die Begleitung hierher gegeben habet. …. Wenn vielleicht manche glauben, jetzt schon nach Hause gehen zu müssen, o nein, das gar nicht, denn ein jedes kann sich noch ein Viertel oder ein´Liter und mehr einschenken lassen, so lange das Faß noch Saft hat und die Brieftaschn nit laar ist. … Dem Brautpaar und Euch allen a guate Gsundheit und a langs Lebn“.

Und ich würde jetzt sagen: „Es gibt einen wunderschönen Tag, von da an geht man Seite an Seite der Zukunft entgegen und das „Ja“ möge ein erfülltes Leben, reich an Bräuchen im Lebens- und Jahreslauf bringen.“

Dorli Draxler
Mai 2026

Allgemeiner Hinweis:
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