
Josefi, so wird der Namenstag des Heiligen Josef am 19. März am Land genannt. Im Volksglauben zählt Josefi zu den Lostagen. Diese sagen orakelhaft das Wetter beziehungsweise die Ernte für das Jahr voraus:
„Ist´s am Josefitag schön, kann´s nur gut weitergehen“, oder kurz und bündig „Josefi klar, gibt ein gutes Bienenjahr“ und beinahe planmäßig: „Wenn einmal Josefi ist, endet der Winter ganz gewiss.“
Angemerkt sei, dass zu Mariä Lichtmeß am 2. Februar, die Eisheiligen Mamertus am 11. Mai, Pankratius am 12. Mai, Servatius am 13. Mai, Bonifatius am 14. Mai und die „kalte“ Sophie am 15. Mai sowie der Heilige Martin am 11. November zu den Schutzheiligen von bedeutsamen Lostagen im Kalenderjahr zählen.
Zurückhaltend und Verlässlich.
Der Überlieferung nach gehörte Josef zum Stamm des Königs David und war Zimmermann in Nazareth zu Galiläa. Verehrt wird er als Verlobter der Gottesmutter Maria und als Vater von Jesus. Josef war sicher eine sehr interessante, doch zurückhaltende und verlässliche Persönlichkeit seiner Zeit. Der Herausgeber und Schriftleiter des evangelischen Heidelberger Predigtforums Heinz Janssen beleuchtet in seinem Buch „Der Mann am Rande, Josef aus dem Haus David“, erschienen im Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 1995, Josefs Wahrnehmung in der Heiligen Schrift. Denn dort wird er nur selten erwähnt, entgegen seiner Berufung durch Gott: Josef, der Pflege- und Nährvater Jesu. Man kann nun auslegen, dass die Berufung eines Christen nicht spektakulär, sondern durchaus dezent und unaufdringlich ausfällt und die diesbezüglichen Aufgaben nur mittelbar Wirkung zeigen.
Beachtet und gefeiert.
Die Geschichte zeigt aber sehr wohl Gegenbewegungen zum „Mann am Rande“. So wird der 19. März seit dem zehnten Jahrhundert als Gedenktag gefeiert. Manfred Becker-Huberti schreibt in seinem Lexikon der Bräuche und Feste, erschienen im Verlag Herder, Freiburg im Breisburg 2000: „… vielleicht mit der Absicht, das Fest der Minerva, der Göttin der Handwerker zu überdecken oder zu ersetzen. Schließlich bestätigt vom Franziskanerpapst Sixtus IV (1471 – 1484) und dem Konzil von Trient im 16. Jahrhundert.“ Die Habsburger machten den heiligen Josef im 17. Jahrhundert zu ihrem Hausheiligen, ab 1621 wurde der Josefitag als Feiertag im römischen Kalender geführt, im Mai 1676 wurde Josef zum Hauptpatron des römischen Reiches und 1870 von Papst Pius IV zum Schutzheiligen der gesamten Kirche deklariert. Papst Pius XII führte einen weiteren Festtag für ihn am 1. Mai ein, nämlich das Fest „Heiliger Josef der Arbeiter“.
Papst Johannes XXIII erwählte ihn neben der Gottesmutter Maria zum Schutzpatron des Zweiten Vatikanischen Konzils und fügte seine Anrufung in das Erste Hochgebet hinzu. Erst jüngst, im Jahr 2013 integrierte Papst Franziskus die Nennung des Heiligen in weiteren Hochgebeten des Römischen Messbuchs.
Vier Bundesländer führen den heiligen Josef als Schutzpatron des Landes nach katholischer Tradition: Kärnten, Steiermark, Tirol und Vorarlberg.
Diese Ernennungen gehen auf die Zeit Maria Theresias (1772) zurück, um den heiligen Josef als Schutzpatron zum einen für das Haus Habsburg, für die Arbeit und für die Familie und zum anderen als Namenspatron ihres Sohnes und späteren Kaiser Joseph II zu stärken.
Statue des heiligen Josef im Büro der Organisation „Kirche in Not“. Foto: www.kircheinnot.at
Ganz allgemein tritt allerdings die Verehrung von Heiligen in gegenwärtigen Zeiten zurück, vielen Menschen ist die Bedeutung nicht erschlossen beziehungsweise zugänglich. Ich vermute, dass im Falle des Josefitags allein der „freie Tag“ für Schulen, Ämter und Behörden der genannten vier Bundesländer beliebt ist.
Dennoch zählt Josef zu den meist verehrten Heiligen. In Italien und im Schweizer Tessin feiert man an seinem Gedenktag auch den Vatertag. In einigen Ländern wie Spanien, Kolumbien, Liechtenstein oder Costa Rica gehört dieser Tag zu den gesetzlichen Feiertagen. In Bayern und Österreich ist dieser seit 1968 kein gesetzlicher Feiertag mehr.
Dargestellt.
Als Patron der Familien, der Arbeiter (Zimmerleute), der Verbannten und Sterbenden wird der heilige Josef sehr oft als Zimmermann (Zimmermannsbeil, Säge, …), das Christuskind tragend und mit einer blühenden Lilie dargestellt. In den biblisch überlieferten Szenen, wie „Christi Geburt im Stall zu Bethlehem“ oder „Flucht nach Ägypten“, ist er Teil der Heiligen Familie.
Die Heilige Familie. Biblische Figuren aus Sisal von Betty Lederer.

Moderne Statue des Heiligen Josef in Purgstall an der Erlauf.
Gestaltet von Bildhauer Robert Herfert senior, St. Pölten, 1980. Foto: Franz Wiesenhofer. Aus www.marterl.at
Namensgebung.
Josef als männlicher Vorname hatte im Gang durch die Zeiten einmal mehr Zuspruch, danach kamen andere Moden und schließlich wurde der Name wieder aktuell: „Die Wiederkehr des ewig Gleichen“ – könnte man behaupten.
Persönlich gesagt, Josef ist ein schöner Vorname. Auch der italienische Giuseppe, der englische Joe, der spanische José oder der polnische Jόsef sind wohlklingend. Den Vornamen gibt es beinahe in jeder Sprache. Kurz- und Kosebezeichnungen sind in unserem Sprachraum etwa der Sepp (in ländlichen Regionen), der Sepperl, der Joschi, der Peppi, Beppo oder der Josl.
Bis in die 1960er-Jahre zählte der männliche Vorname Josef zu den beliebtesten in Österreich und Deutschland. Die Popularität nahm danach langsam, aber stetig ab. Ab der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre nimmt die Beliebtheit wieder leicht zu, auch als Zweitname. In den Jahren 1984 bis 2023 wurden in Österreich 6500 Buben so genannt.

Josefsberg“ eine bedeutende Kultstätte auf der Via Sacra nach Mariazell.
Kirchenpatrozinien und Bräuche.
In Niederösterreich sind unter anderen Pfarrkirchen in Baden, Guntramsdorf, Kleinhöflein oder Ober-Grafendorf dem heiligen Josef geweiht.
In Österreich gab es an die 20 Kultstätten. Der Josefsberg in Niederösterreich zählt zu den bedeutendsten.
Mancherorts werden Josefimärkte ausgerichtet. In Niederösterreich ist der Josefsmarkt am Pater-Paulus-Platz (bei der Josefskirche) in St. Pölten bekannt.
Dieser findet ganzjährig, jeden Freitag, von 7:30 Uhr – 12.00 Uhr, statt: mit saisonalen landwirtschaftlichen Produkten und regionalen Schmankerln der heimischen Direktvermarkter. Dort bekommt man sicherlich auch alle qualitativ hochwertigen Zutaten für ein St. Josef-Küchlein. Das einfache süße Schmalzgebäck hat u. a. in Tirol Tradition, wo es in Vereinen und Gemeinschaften zur Verehrung des heiligen Josef verteilt wird.
REZEPT St. Josef-Küchlein zum DOWNLOADEN
und Link zum Rezept St. Josef – Küchlein – Rezept
In Bayern startet zu Josefi die Starkbierzeit, da und dort auch die Biergartensaison und in vielen ländlichen Regionen unserer Breiten beginnt die Feldarbeit.
Fazit.
Der heilige Josef und seine Wirkmacht als Person und Name durch die Jahrhunderte ist erstaunlich. Die Befassung mit ihm führt in sehr unterschiedliche Themen und Wissensgebiete wie Religion, Landeskunde, Kunstgeschichte oder Sprache, die allesamt auf eine Auseinandersetzung meinerseits, vielleicht auch bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser warten.
So gesehen kam auch ich zum Staunen und wurde überrascht, dem ländlichen Ausruf „Jessas, Maria und Josef“ gemäß.
Dorli Draxler
März 2026
Hinweis:
aus: Alle Heiligen Zeiten, Lieder und Texte im Jahreskreis, Volkskultur Niederösterreich 2010, S. 65, Heiligenlied, „Heiliger Joseph, Davids Sohn“.


