Woher kommt das Osterei?

Woher kommt das Osterei?

Das Osterei gehört zu Ostern wie das gemeinsame Feiern im Familienkreis. Gefärbte Eier in der Osterjause, beim Eierpecken oder im Osternest – kaum ein anderes Symbol ist so eng mit dem Fest verbunden. Doch woher kommt diese Tradition?

Ein Blick in die Geschichte führt zur Fastenzeit: In früheren Jahrhunderten war der Verzehr von Eiern in den Wochen vor Ostern untersagt. Da die Hühner dennoch weiterlegten, wurden die Eier gekocht, um sie haltbar zu machen. Man färbte sie, um sie von rohen Eiern zu unterscheiden – und machte sie so zugleich zu einem besonderen Zeichen der Osterfreude. Zu Ostern wurden sie verschenkt, gemeinsam gegessen oder bei kleinen Spielen verwendet.

Gefärbt wurden Ostereier traditionell mit dem, was Haus und Garten hergaben. In Niederösterreich sind Naturfarben bis heute verbreitet: Zwiebelschalen färben Eier warm braunrot, Rote Rüben ergeben rötliche Töne, Spinat oder Brennnesseln ein zartes Grün.

Darüber hinaus entwickelte sich auch eine reiche Kunst des Eierbemalens. Mit feinen Pinseln, Wachs oder Kratztechnik entstehen Muster, Ornamente und kleine Bildwelten. Diese sorgfältig gestalteten Eier zeigen: Aus einem einfachen Alltagsprodukt kann ein kleines Stück Kunst werden.

Das Bemalen von Ostereiern ist eine eigene gestalterische Tradition, die über das bloße Färben weit hinausgeht. Aus einem einfachen Ei wird dabei eine kleine Fläche für Muster und Ornamente.

Eine verbreitete Technik ist dabei die Arbeit mit flüssigem Bienenwachs: Mit einem feinen Werkzeug wird das Muster aufgetragen, anschließend wird das Ei gefärbt. Entfernt man das Wachs wieder, bleiben helle Linien und Formen sichtbar.

Auch die Kratztechnik hat Tradition: dabei wird ein bereits gefärbtes Ei mit einer feinen Nadel oder Klinge bearbeitet, sodass helle Linien, Sterne oder Ranken auf dunklem Grund entstehen. Als Farben wurden früher oft natürliche Pigmente verwendet, heute kommen zusätzlich auch Wasser- oder Acrylfarben zum Einsatz.

Die Motive sind meist klar und rhythmisch aufgebaut: Linien, Punkte, Kreise, Sonnenräder oder stilisierte Pflanzenformen. In Sammlungen und Ausstellungen – etwa im MAK – Museum für angewandte Kunst in Wien, wo auch Entwürfe aus dem Umfeld der Wiener Werkstätte zu sehen sind – wird deutlich, dass selbst das Osterei für Designer und Gestalter interessant war.

Eine besonders aufwendige Form ist das Bemalen mit Acrylfarben, bei dem das Ei wie eine kleine Leinwand behandelt wird. Meist werden ausgeblasene Eier verwendet, damit sie lange haltbar bleiben. Mit feinen Pinseln tragen Künstlerinnen und Künstler Schicht für Schicht Farbe auf. Dadurch lassen sich sehr detaillierte Motive malen: Landschaften, Tiere, religiöse Szenen oder ganze Bilder, die sich über die gewölbte Oberfläche des Eis ziehen. Die Arbeit erfordert eine ruhige Hand, denn die kleine Fläche und die runde Form machen das Malen anspruchsvoll.

Diese Art der Bemalung steht in einer langen dekorativen Maltradition, die ursprünglich von der „Bauernmalerei“, dem Bemalen von Möbeln und Alltagsgegenständen kommt. In vielen Regionen Mitteleuropas wurden Truhen, Kästen oder Bauernmöbel mit Blumen, Ranken und Ornamenten bemalt. Die gleichen Motive – feine Linien, Blüten, Blätter und Bordüren – wurden später auch auf Ostereier übertragen. Eine Künstlerin, die sich seit 30 Jahren dieser Form des Verzierens widmet, ist Elisabeth Edlinger aus Klein Meiseldorf.

1986 besuchte Edlinger ihren ersten Kurs. „Früher gab es sehr viele Weiterbildungen für das Spanschachtelmalen und das Verzieren von Bauernkästen und Ostereiern, die Techniken waren ähnlich.“ Erinnert sie sich. Ihr Fokus verlagerte sich auf das Verzieren von Ostereiern, in dem sie seit mittlerweile drei Dekaden jedes Jahr Unikate zaubert. „Mein Lieblingsmotiv sind Veilchen und Stiefmütterchen.“ so Edlinger, die auf die Vielfalt der künstlerischen Möglichkeiten hinweist.

Wenn Sie sich selbst ein Bild von Elisabeth Edlingers Arbeit machen möchten, bietet sich dazu bald eine Gelegenheit: Am Palmsonntag, 29. März 2026, lädt die Volkskultur Niederösterreich zum Ostermarkt im Brandlhof und im Kulturpavillon in Radlbrunn ein. Von 10.00 bis 17.00 Uhr präsentieren zahlreiche Ausstellerinnen und Aussteller kunstvoll gestaltete Ostereier, Handwerksarbeiten und österliche Dekorationen.

Elisabeth Edlinger wird als Ausstellerin am Markt teilnehmen. Besucherinnen und Besucher können ihre Arbeiten aus nächster Nähe betrachten und entdecken, wie viel Geduld, Übung und Liebe zum Detail in jedem Ei steckt. Eine schöne, Gelegenheit, traditionelle Techniken kennenzulernen – und vielleicht auch ein besonderes Osterei mit nach Hause zu nehmen.

Fotocredits: 1,4,5,6,8 © VKNOE, 2, 7 © Daniela Matejschek. 3 © CongerDesign