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Dr. Rudolf "Rudi" Pietsch (1951-2020),  Kulturpreisträger des Landes Niederösterreich 2012, Würdigung in der Sparte Volkskultur und Kulturinitiativen. Foto: Helmut Lackinger

Dr. Rudolf "Rudi" Pietsch (1951-2020), Kulturpreisträger des Landes Niederösterreich 2012, Würdigung in der Sparte Volkskultur und Kulturinitiativen. Foto: Helmut Lackinger

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Traurige Nachricht

Die Volkskultur Niederösterreich trauert um Rudi Pietsch.

Die Nachricht über das Ableben von Dr. Rudolf „Rudi“ Pietsch (17. Oktober 1951 – 5. Februar 2020) hat uns tief getroffen.

Mit ihm ist eine zentrale Persönlichkeit in der Volksmusikforschung, -praxis und auch -pädagogik in Österreich und darüber hinausgehend von uns gegangen.

Er hat gemeinsam mit Hermann Härtel die Geigenmusik, vor allem in Ostösterreich und Bayern, revitalisiert. Auf ihn geht die Besetzungsgattung „Tanzgeiger“ – zwei Geigen, Nachschlagbratsche, Steirische Harmonika und Bassgeige – zurück.

Einladung zum Gedenkgottesdienst

Bei unzähligen jungen Menschen konnte er die Begeisterung für die traditionelle Volksmusik wecken. Er blieb seiner Überzeugung – die Musizierpraxis müsse sich an der Tradition orientieren –  ein Leben lang treu und hielt allen Trends, Moden und Mainstreams stand.
Während seiner langjährigen Lehrtätigkeit am Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie an der Wiener Musikuniversität sind Generationen von Musikschullehrerinnen und -lehrern durch seine Vorlesungen, Übungen und Blockseminare gegangen.

Die Volkskultur Niederösterreich prägte er vor allem in den Aufbaujahren, also in den 1980/90er Jahren, entscheidend mit. So hat Rudi Pietsch gemeinsam mit Walter Deutsch und Gerlinde Haid (beide waren seine Institutsleiter) die Großrußbacher Musikantenwoche 1980 mitbegründet und war später mehrfach als Referent, gemeinsam mit seiner bereits 2001 verstorbenen Frau und „Ausnahme-Nachschlagbratschistin“ Franziska Pietsch-Stockhammer, Ernst Spirk, Walter Burian oder Norbert Hauer tätig. Über zehn Jahre lang leitete er die Musikwerkstatt des Weltmusikfestivals „Glatt und Verkehrt“.
Zahlreiche Volksmusikgruppen haben sich dank seines Engagements gegründet, haben mit ihm geübt und sind durch ihn gewachsen.
Beim ersten Volkskulturfestival aufhOHRchen 1993 in Tulln war er im Konzeptteam und selbstverständlich mit den Tanzgeigern mit dabei. Im Dezember 1997 gestaltete er mit dem Heanznquartett das künstlerische Programm anlässlich der Eröffnung des Volkskulturzentrums Atzenbrugg, heute Seminar- und Ausbildungszentrum der Kultur.Region.Niederösterreich.

Aufgrund seiner Heirat mit Margit Werner, Salzstadl-Wirtin, wurde er gewissermaßen unser Nachbar im Haus der Regionen. Er war immer wieder bei uns, hat sich im Haus mit seinen Studierenden präsentiert, mit den Tanzgeigern Konzerte gespielt oder einfach musikalische Freunde aus den europäischen Regionen bei Auftritten besucht.
Seine wissenschaftliche Tätigkeit für Niederösterreich wird etwa durch die Feldforschungen zum Dudler im Schneeberggebiet oder zu den musikalischen Brauchformen im Pielachtal, aber auch durch zahlreiche Aufsätze, Symposiumsberichte oder CD-Produktionen sichtbar.

Zuletzt war er bei unserem Weihnachtskonzert „Auf nach Bethlehem“ auf Kurzbesuch im Haus der Regionen, weil er den Sommereiner Dreigesang treffen wollte. Wir sind dankbar, dass er mit uns war. Durch seinen einmaligen Musizierstil, der sich in der Volksmusikszene verbreitete, hat er sich zeitlos gemacht. Wir werden unsere Vermittlungsarbeit in seinem Sinne weiterführen, damit er von zukünftigen Generationen begeisterter Volksmusikanten weitergetragen wird.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie – seiner Frau, seinen Geschwistern, seinen Kindern und Enkelkindern. 

Dorli Draxler

im Namen der Volkskultur Niederösterreich

Kultur Niederösterreich