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Kremser Kamingespräch: Der Blick auf´s Ganze

Mi 14.10.2020, 18.00 Uhr, Haus der Regionen, Krems-Stein
jung - alt
Prof. Elfriede Hammerl und Mag. Dr. Lukas Zenk

Prof. Elfriede Hammerl, österreichische Journalstin und Schrifstellerin

Mag. Dr. Lukas Zenk, Assistenzprofessor für Innovations- und Netzwerkforschung - Department für Wissens- und Kommunikationsmanagement an der Donau-Universität Krems

Das geregelte Zusammenleben von Menschen verschiedenen Alters geht von der Annahme aus, dass dafür ein Generationenvertrag Gültigkeit besitzt. Dieses Agreement beruht auf der Fiktion, es hätte tatsächlich einen entsprechenden Vertragsabschluss gegeben, obwohl dazu keine offizielle bzw. formal gültige Vertretungsbefugnis vorliegt. Die Bezeichnung als Vertrag verweist jedenfalls auf die Bedeutung der vielen Materien hin, die im Verhältnis der Generationen zueinander einer verlässlichen Regelung bedürfen. Im Zentrum steht dabei sicher die wechselseitige Obsorge sowohl in materieller als auch in geistiger und emotionaler Hinsicht mit dem Ziel, all das zu verwirklichen, was niedergeschrieben in den Deklarationen der Menschenrechte Allgemeingut geworden ist – oder zumindest sein sollte. Ein Generationenvertrag beruht auf der Idee, dass Menschen eines Gemeinwesens eine Solidargemeinschaft bilden. Ausgangspunkt ist das Lebenseinkommen, das für die drei Lebensphasen Kindheit und Jugend, Erwerbsalter und Ruhestand zur Verfügung steht und im Umlageverfahren auf diese Phasen aufzuteilen ist. Damit soll die Finanzierung beispielsweise von Unterhalt und Bildung der jungen Generation ebenso gesichert sein wie Einkommen und Pflege der Älteren. Ein als gerecht empfundenes Solidarsystem sichert zudem auch den sozialen Frieden. Im Prozess der Durchsetzung von Interessen ist es nicht unwahrscheinlich, dass Generationsverträge in Schieflage geraten und von benachteiligten Gruppen als ungerecht empfunden werden. Ein ständiges Monitoring über diese Fiktionen erscheint daher als unbedingte Notwendigkeit, um den realen Gegebenheiten bestmöglich entsprechen zu können. Politische Macht und Deutungsmacht einschließlich ihrer Legitimation spielen dabei eine wesentliche Rolle. Oft ist es die jüngere Generation, die herrschende Verhältnisse kritisiert, ablehnt und ihre Veränderung anstrebt. Die aktuelle Debatte handelt von Problemen wie dem Klimawandel, dem ungezügelten Verbrauch von Ressourcen oder generell der Ungleichheit, ob im globalen Maßstab oder im näheren Lebensumfeld. So ist es speziell für Berufseinsteiger schwer, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, und auch die infolge der Corona-Pandemie eingetretene Jobkrise trifft Junge besonders hart. Abgesehen von prekären Arbeitsverhältnissen gingen Tausende Lehrstellen verloren, meist werden Jüngere zuerst gekündigt und neue Jobs kaum mehr geschaffen.

Die von Jugendlichen oft vorwurfsvoll gestellte Frage, in welche Welt sie da hineingeboren wurden und welche quasi ererbten Bürden ihr Leben belasten, ist allerdings eine stets wiederkehrende: Vor 400 Jahren etwa begann so mancher Lebensweg im 30jährigen Krieg, und wer vor 100 Jahren das Licht der Welt erblickte, musste mit einer Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und den Gräueln des Zweiten Weltkriegs zurechtkommen. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden zukünftig auch die Kinder der heute Jugendlichen mit ihrer Elterngeneration recht scharf ins Gericht gehen. Bleibt die Frage, wie eine solidarisch gelebte Gemeinschaft von Jung und Alt bestmöglich gelingen kann.

Wie ist das hinter dem derzeit praktizierten Generationsvertrag stehende Konzept zu bewerten, etwa als weitgehend gerecht und ausgeglichen oder aber als den realen Gegebenheiten nicht mehr entsprechend? Welche Ideen, Konzepte oder Angebote sind hinsichtlich einer zur Diskussion stehenden Neu-Interpretation des Generationenvertrages denkbar? Welche Lebensstile haben für junge Menschen Bedeutung und welche Vorbilder sind dabei maßgeblich? Wie wirkt sich auf jugendlich getrimmtes Marketing auf das gesellschaftliche Leben aus? Welche Rolle spielt die emotionale Bindung zwischen Menschen verschiedener Generationen? Auf welche Art und Weise kann die Eltern- und Großelterngeneration zur Identitätsfindung ihrer Nachkommen und zur Sinnstiftung für diese beitragen? Wie kann sich ein funktionierendes und auch harmonisches Verhältnis von Nähe und Distanz Abwehrhaltung die gesellschaftliche Entwicklung befördern? 

 

Eintritt frei,

Anmeldung erbeten!

Kultur Niederösterreich