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Volkskultur auf Radio NÖ

Dienstag 20.4.2021, 20.00 Uhr , ORF Radio NÖ
Von Mühlen, Müllern und Müllerinnen

Gestaltung: Edgar Niemeczek

„Von Mühlen, Müllern und Müllerinnen


Diesmal bringt Edgar Niemeczek Geschichten, Lieder und Weisen rund um die zahlreichen Mühlen, die jahrhundertelang das Landschaftsbild prägten. Vor allem das Leben in einer bäuerlichen Gesellschaft wurde durch den Betrieb von Mühlen wesentlich erleichterten, denn das Korn brauchte nicht mehr mühsam in Mörsern oder auf hartem Untergrund mit einem Stößel zu Mehl verrieben werden, sondern konnte so ohne Muskelkraft in großen Menge gemahlen werden. Doch nicht nur zum Vermahlen von Getreide dienen Mühlen: Bekannt sind etwa Ölmühlen, Steinmühlen, Schleifmühlen, Walkmühlen oder Sägemühlen. Dazu kommen nützliche Geräte im Kleinformat wie Kaffeemühlen oder Gewürzmühlen. Gemeinsam ist allen Mühlen das Prinzip, wonach die eingesetzte Energie durch physikalisch-technische Vorrichtungen optimal umgewandelt wird, beispielsweise in eine Drehbewegung oder in hohen Druck.

An Bach- und Flussläufen standen früher so viele Mühlen, dass ein Vermahlen von Getreide jedenfalls flächendeckend im ganzen Land möglich war, also jeder Bauer in unmittelbarer Umgebung sein Korn zu Mehl mahlen lassen konnte. Die zum Drehen des Mühlsteins notwendige Energie wird über ein Mühlrad gewonnen: Bei oberschlächtigen Mühlrädern fällt das Wasser von oben auf das Rad, bei unterschlächtigen Rädern treibt das fließende Wasser das Rad an. Neben den Wassermühlen entlang von Bächen und Flüssen standen an den Ufern größerer Flüsse sogenannte Schiffsmühlen, bestehend aus dem Hausschiff mit der Müllerwohnung und der Mahlstube sowie dem Wellschiff. Dazwischen befindet sich ein unterschlächtiges Wasserrad, von dem aus der Mühlstein angetrieben wird.

So nützlich Mühlen bei der Gewinnung verschiedenster Produkte sind, so sagenumwoben erscheinen manche Geschichten, die sich speziell um Wassermühlen ranken. Eine Rolle dabei spielt sicher die am Wasser gebaute Lage und eine mystisch wirkende Geräuschkulisse. Dazu kommt, dass so mancher Müller als unredlich eingeschätzt wurde, da man vermutete, er würde für sich etwas vom Mahlgut abzweigen. Alte Sagen wiederum berichten von Müllern, die mit dem Teufel im Bunde wären. Aber auch die Wartezeit während des Mahlvorgangs soll nicht immer tugendhaft verlaufen sein, sondern mitunter mit Würfel- und Kartenspiel oder gar mit leichten Mädchen verbracht worden sein. Daran erinnert vielleicht die sogenannte „Rote Mühle“ in Paris, „Moulin Rouge“.
Ausgehend vom sich ständig drehenden Mühlrad ahmen im Müllertanz die einzelnen Tanzfiguren verschiedene Funktionsweisen einer Mühle nach: Das Marschieren der Tanzpaare im Kreis entspricht etwa dem Drehen des Mühlrades und des Mühlsteins, die Verschränkung zweier Tanzkreise erinnert an das Ineinandergreifen der Zahnräder oder das rhythmische Schleifen mit den Fußsohlen an das Klappern der Mühlräder von Wassermühlen. Die meisten dieser Mühlräder sind allerdings für immer verstummt. Es muss eine große Faszination von Mühlen ausgehen, denn oft ist der Mühlgrund auch Schauplatz für Geschichten, Abenteuer, Idylle und Poesie: In den Sinn kommen die Lieder „In einem kühlen Grunde“ nach einem Gedicht von Joseph von Eichendorf, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ sowohl in der volkstümlichen Fassung nach Karl Friedrich Zöllner und Wenzel Müller als auch in der Vertonung durch Franz Schubert oder das Kinder-Lied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“. Von Melancholie und einem unerfüllten süßen Verlangen handelt auch so manches neuere Kärntnerlied.

Früher gab es in Österreich sicher Tausende Mühlen, und zwar entlang der vielen Flüsse und Bäche sowohl in der Ebene als auch im steileren und gebirgigen Gelände. In jeder Dorfgemeinschaft gehörten die Müller zu den wichtigsten Personen, die meist rund um die Uhr die Kraft des andauernd fließenden Wassers nutzten, um Korn zu vermahlen, Stoffe zu walken, aus Früchten Öle zu pressen, Holz zu sägen oder Nägel und Werkzeuge zu schmieden. Selbstverständlich hatte auch die Frau Müllerin verschiedene Arbeiten zu verrichten. Eine seit dem 16. Jahrhundert im gesamten deutschen Sprachraum bekannte Ballade handelt von einer Müllerin, die es satthatte, sich von ihrem Mann herumkommandieren zu lassen und die ihre eigenen Pläne verfolgte. Da heißt es im Lied über so eine stolze und selbstbewusste Müllerin:

 

Es war einmal eine Müllerin,

ein wunderschönes Weib.
Sie tut ja selber mahlen,

schön Geld sich zu ersparen,
wollt selbst der Mahlknecht sein.

 

Und als der Müller nach Hause kam
vom Regen war er nass.
Steh nur auf, steh nur auf, du Stolze,
mach mir ein Feuer von Holze,
vom Regen bin ich nass.

 

Ich steh nicht auf, lass dich nicht ein
sprach die Frau Müllerin
Ich hab heut Nacht gemahlen
mit schönem, jungen Knaben
bis an den frühen Tag,
dass ich nicht aufsteh´n mag.

 

Stehst du nicht auf, lässt mich nicht ein,
sprach nun der Müller fein.
So tu ich die Mühl verkaufen,
das Geld tu ich versaufen
beim roten, kühlen Wein,
wo schöne Mädchen sein.

 

Tust du die Mühl verkaufen,
was mach ich mir daraus?
Dort unten auf grüner Heide
bau ich mir eine zweite,
wo´s frische Wasser quellt,
das Mahlen mir gefällt.

 

Doch nicht nur fließendes Wasser, sondern auch der Wind treibt Mühlräder an. Windmühlen waren vor allem im Flachland sowie in trockenen und windreichen Gegenden in Betrieb. In Österreich gab es einst rund 400 Windmühlen, allein die beiden in Retz und in Podersdorf am Neusiedler See sind davon die letzten verbliebenen betriebsfähigen Windmühlen.
Ihre Nutzung dient heute vor allem touristischen Zwecken. Notwendig war es geworden, die von Stürmen in Mitleidenschaft gezogenen Flügel der Retzer Mühle wieder zu reparieren. 2010 wurden die Flügel schließlich von einem niederländischen Unternehmen durch neue ersetzt.

Wissenswertes zum Thema Mühlen erfährt man vom Hollabrunner Mühlenforscher Otto Schöffl und seinen Büchern aus der Edition Dichtermühle, etwa aus den Büchern „Mühlen im Wandel“ jeweils am Beispiel Schmidatal, Göllersbach und Pulkautal oder in der mit Schülern der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Hollabrunn erarbeiteten Publikation „Mühlen – eine kleine Kulturgeschichte“. Übrigens: Diese HLW befindet sich in der Hollabrunner Mühlgasse.

 

In der Sendung singen und musizieren:

 

die Stubenmusik Berger aus Ferschnitz im Mostviertel,

der Singkreis Matzen,

die Spielmusik Schönfeldinger aus Bernstein,

die Steinberger Musikanten aus dem mittleren  Burgenland,

die Potschnbanda aus Schützen am Gebirge,

die Pamhagener Frauen,

die Edlitzer Weisenbläser,

der Zöberner Dreigesang,

die Hausmusik Kraft aus Vorarlberg,

der Familiengesang Safran aus Eibiswald,   

die Goiserer Klarinettenmusi,

der Männer-Gesangs-Verein „Harmonie“ Lieserhofen aus der Gemeinde Seeboden am Millstätter See,

die Dürnberg-Klarinettenmusi aus Oberösterreich,

die bayrisch-schwäbische Gruppe Liadhaber,

die Cremser Selection,

das Vokalquartett 4Klang Schönbrunn und

die Saitenhüpfer aus dem Bezirk Hollabrunn.

Die nächsten Sendungen:

 

Di 20.4.Von Mühlen, Müllern und Müllerinnen
Gestaltung: Edgar Niemeczek

Di 27.4. Feinste Volksmusik
Gestaltung: Norbert Hauer

Zum Nachhören!

Kamingespräche: Zukunft ist jetzt!
jeweils am dritten Mittwoch im Monat ab 21.00 Uhr auf Radio Niederösterreich

Mi 21.4. Ehrenamt und Freiwilligenarbeit

Mi 19.5.Thema folgt in  Kürze

Mi 16.6. Thema folgt

Pause im Juli und August

Mi 15.9. Thema folgt

Mi 20.10. Thema folgt

Mi 17.11. Thema folgt

Mi 15.12. Thema folgt
Zum Nachhören! 

„vielstimmig“ – Die Chorszene Niederösterreich
vierzehntägig am Do 20.00.–20.30 Uhr
präsentiert von Gottfried Zawichowski


G’sungen und g’spielt
Mi und jeden zweiten Do 20.00–20.30 Uhr, präsentiert von Edgar Niemeczek

Für Freunde der Blasmusik
Mi Do 20.30–21.00 Uhr

Musikanten spielt’s auf
Fr 20.00–21.00 Uhr
Frühschoppen
So 11.00–12.00 Uhr

Kultur Niederösterreich