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Europa NEU denken

Die Volkskultur Niederösterreich lud zum vierten Mal zur Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Ulrike Guérot ins Haus der Regionen in Krems-Stein.

Am Montag, 31. Mai 2021 diskutierte Prof. Guérot, Politikwissenschaftlerin und Demokratieforscherin, mit Prälat Mag. Maximilian Fürnsinn, emeritierter Propst des Stiftes Herzogenburg, und Benjamin Koiser, Landesobmann der Schülerunion Niederösterreich. Durch die Diskussion führte Dr. Daniel Lohninger, Chefredakteur der Niederösterreichischen Nachrichten. 

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Die Volkskultur Niederösterreich lud zum vierten Mal zur Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Ulrike Guérot ins Haus der Regionen in Krems-Stein.

Am Montag, 31. Mai 2021 diskutierte Prof. Guérot, Politikwissenschaftlerin und Demokratieforscherin, mit Prälat Mag. Maximilian Fürnsinn, emeritierter Propst des Stiftes Herzogenburg, und Benjamin Koiser, Landesobmann der Schülerunion Niederösterreich. Durch die Diskussion führte Dr. Daniel Lohninger, Chefredakteur der Niederösterreichischen Nachrichten. Die Diskussion kann hier nachgehört und -gesehen werden.


Europa als Wiege der Demokratie steht unter anderem für den Begriff Freiheit, auch wenn diese in der Zeit der Pandemie stark eingeschränkt war. Ulrike Guérot formulierte zu Beginn fünf aktuell zu beobachtende Tendenzen, die sie als Basis der Diskussion verstanden wissen wollte:

1)    Was haben die Einschränkungen durch Corona in Europa bewirkt? Gibt es eine Refeudalisierung?

2)    Wer waren die Krisengewinner, wer die Krisenverlierer.

3)    Digitalisierung – was macht der Verlust der dritten Dimension mit den Menschen?

4)    Hygienisierung – was machen Abstandsregeln und Masken mit uns?

5)    Chinesisierung – die wirtschaftliche Expansion geht von Asien aus – was heißt das für das europäische Geistesleben?

Prälat Fürnsinn bedauerte das „Gefängnis der Vorsichtigkeit“, in das wir gezwungen worden wären, er betonte aber, dass man aus Krisen auch lernen könne. Die Kirche habe ebenso Fehler gemacht wie andere und sich auf das Streamen von Gottesdiensten statt auf die Gespräche mit den Menschen konzentriert. Es ginge aber weniger um das institutionalisierte Christentum, sondern darum, wie man ein gutes Leben führen könne, um eine achtsame Lebenskultur. Gott sei immer mit den Menschen in Solidarität verbunden. Die christliche Lebensform könne in der Krise mit dem Geist des Evangeliums eine hilfreiche Unterstützung anbieten.

 

Der Landesobmann der Schülerunion Niederösterreich, Benjamin Koiser, bedauerte, dass nur bestimmte Jugendliche im öffentlichen Diskurs vorkamen, andere – wie Kindergartenkinder oder Studenten – aber keine Berücksichtigung fanden. Eine „Lost Generation“ ortet er dennoch nicht, vielmehr hätte die es einen großen Sprung nach vorne in der Digitalisierung gegeben. Eine teilweise Weiterführung digitaler Formate sieht Koiser als durchaus positiv, auch wenn sie persönliche Begegnungen nicht ersetzen können. Die Verjüngung in der Politik sehen die Jugendlichen sehr positiv, da sie sich durch Jüngere besser vertreten fühlten. Die EU an und für sich stellten sie keineswegs in Frage – sie sehen sich selbst als Europäer, auf jeden Fall bezüglich Reisefreiheit und Auslandstipendien. Die EU müsste sich aber weiterentwickeln und auch aktuelle Themen wie Klimaschutz, wofür sich die Jugend heute sehr interessiert, aufgreifen. Das Interesse an Politik sei aber bei den Jugendlichen generell nicht stark ausgeprägt.

 

Ihre Wünsche an die EU könnten alle Europäer im Rahmen der Konferenz zur Zukunft Europas – Europe is yours – online mit 1.500 Zeichen formulieren, brachte Ulrike Guérot schließlich in die Diskussion ein und wünschte sich dafür viele Inputs, vor allem von Jugendlichen.

 

Die Frage, was einen europäischen Bürger ausmache, schloss den Meinungsaustausch, wobei die großen Unterschiede – vergleicht man Deutschland oder Österreich mit Rumänien – zur Sprache kamen.

Benjamin Koiser meinte, dass jeder, der in Europa lebe und sich als Europäer fühle, auch als ein solcher gesehen werden sollte.

Für Ulrike Guérot ist es die Res publica – „die öffentliche Sache“, die zutiefst europäisch sei: wenn auf der Agora gemeinsam diskutiert wird, wie man zusammenleben soll.

Europa darf somit kein knöchernes Bürokratiekonstrukt sein, sondern lebendige Auseinandersetzung mit unserem kulturellen Erbe, mit den Ansprüchen der Zukunft und den Bedürfnissen der Menschen. Also: Europa ständig neu denken!

Das Gespräch können sie hier nachhören und -sehen.

 

 

 

Kultur Niederösterreich