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Kremser Kamingespräche

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Eine Veranstaltungsreihe der Volkskultur Niederösterreich in Kooperation mit den Niederösterreichischen Nachrichten und dem ORF Niederösterreich. Die Diskussionen finden im Festsaal im Haus der Regionen in Krems-Stein statt.

Idee und Konzept: Prof. Dr. Edgar Niemeczek | Patronanz: Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin

Eintritt frei! Anmeldung erbeten!

Eine Zusammenfassung der Kremser Kamingespräche wird jeweils am Mittwoch der darauffolgenden Woche ab 21.00 Uhr im Programm von Radio Niederösterreich gesendet. Sendungsgestaltung: Michael Battisti, ORF NÖ

Online sind die Sendungen nach der Ausstrahlung hier nachzuhören.

Kultur-Zitate

Die 23. Reihe der Kremser Kamingespräche

„Alles und jedes auf der Welt besitzt eine kulturelle Dimension. Allem und jedem auf der Welt werden kulturelle Kontexte zugeschrieben.“ Unter Kultur im weitesten Sinn lässt sich also all jenes subsummieren, was vom Menschen als kulturelles Wesen geschaffen, bearbeitet, verändert, erfahren, verwendet oder schlicht und einfach betrachtet wurde, somit gewissermaßen als Gegenbild zur unentdeckten oder zumindest unberührten Natur verstanden werden kann. Die 23. Reihe der Kremser Kamingespräche befasst sich mit unterschiedlichen Kulturphänomänen: mit Kultur als Ergebnis menschlicher Aktivität. Damit einher geht die Frage nach Authentizität, die uns in fast jedem Bereich des täglichen Lebens begegnet, zum Beispiel bei Mode und Kleidung, persönlichem Stil und Kunstpräferenzen, Charakter oder Herkunft. In fünf Gesprächsrunden in den Bereichen Kunst, Medien, Politik, Regionen und Management begeben sich die Kremser Kamingespräche auf die Spuren der Wirkmächtigkeit von Kultur-Zitaten.

Kremser Kamingespräch on tour | Kultur-Zitate Kunst

Mi 20.9.2017, 18.00 Uhr
on tour im Stadttheater Wiener Neustadt

Es diskutieren:
Brigitte Fürle, Künstlerische Leiterin des Festspielhaus St. Pölten

Radek Knapp, Schriftsteller

Die Kunst und ihre Epochen spiegeln die Geschichte der Menschheitsentwicklung und des Strebens nach Relevanz kreativen Schaffens wieder. Kunst wird als menschliches Kulturprodukt verstanden, mit dem ein kreativer Prozess einhergeht. Als Kunstwerk kann das Produkt daraus oder auch der Prozess an sich bezeichnet werden. Die Bedeutung von Kunst liegt in ihrer Wirkung auf die Menschen. Sie spricht die menschlichen Sinne an und kann inspirieren, erfreuen, bilden oder auch irritieren. Die Freiheit der Kunst – so wie der Schaffensprozess, das Werk und der Zugang dazu einschließlich der Möglichkeit zur Rezeption – sind wesentliche Merkmale einer modernen demokratischen Gesellschaft.

Welche Bedeutung haben die sogenannten schönen Künste - Musik, Literatur, bildende und darstellende Kunst - auf unsere Gesellschaft? Welchen Stellenwert haben Künstlerinnen und Künstler in unserer Gesellschaft? Ist Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen zu sehen? Welche Werte kann Kunst für das Gemeinwesen sowie für eine Region schaffen?

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Kremser Kamingespräch | Kultur-Zitate Medien

Mi 11.10.2017, 18.00 Uhr

Dr. Gudula Walterskirchen, Herausgeberin NÖN

Martin Traxl, ORF TV-Kulturchef

Medien gelten als wichtige Partner der österreichischen Kultur-Szene. Nicht nur große Festivals sind auf das Interesse von Medien angewiesen, auch kleinere Produktionen brauchen eine positive Öffentlichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen und sich behaupten zu können. Waren es früher ausgebildete Kunst- und Theaterkritiker, die über Themen der Kunst berichteten und reflektierten, geschieht derartiges – mehr oder weniger kompetent – häufig in den sogenannten sozialen Netzwerken. Diese reagieren schneller als herkömmliche Medien und plötzlich scheint jeder Rezipient ein Kritiker zu sein. Andererseits steckt in den sozialen Medien die Chance, Kulturangebote einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen: nicht nur für Ankündigungen, sondern auch als Plattform für Rezensionen und Dokumentationen.

Welchen Einfluss haben Medien auf die Kulturlandschaft? Liefern soziale Medien mehr Chancen oder mehr Gefahren für den Kulturbetrieb? Gibt es überhaupt noch den klassischen, gut ausgebildeten Theaterkritiker? Und welche Rolle könnte diesem zukommen? Welcher Stellenwert kommt der Kulturberichterstattung in den Printmedien, im Radio und Fernsehen sowie im Internet zu?

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Kremser Kamingespräch | Kultur-Zitate Politik

Mi 8.11.2017, 18.00 Uhr

Dr. Edith Goldeband, Niederösterreichische Landesrechungshofdirektorin

Dr. Heimo Konrad, Geschäftsführer GQ Kulturberatung und Kulturforschung

Österreich sieht und versteht sich gerne als Kulturland. In diesem Zusammenhang genießt die Kulturpolitik auch in Niederösterreich bereits seit vielen Jahren einen besonders hohen Stellenwert. Allerdings gehört Kulturpolitik auch zu einem der am schwierigsten zu fassenden Politikfelder. Einhergehend mit dem Bekenntnis zum Ausbau eines modernen Wohlfahrtsstaates soll Kulturpolitik den gesellschaftlichen Erwartungen für ein gelingendes Zusammenleben entsprechen. Wesentlich für den Kulturbetrieb sind jedenfalls Förderungen seitens der öffentlich Hand. Dabei ist die Politik gefordert, auf Ausgewogenheit zwischen Traditionellem und Experimentellem zu achten.

Welchen Stellenwert hat Kulturpolitik? Welche Entwicklungen und Pläne gibt es konkret für Niederösterreich? Wo liegen die Schwerpunkte in der Förderung? Wo sieht sich Niederösterreich kulturpolitisch im österreichweiten Vergleich? Auf welchen Konzepten, Strategien und verbindlichen Regeln beruht Kulturförderung als Instrument der Kulturpolitik?

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Kremser Kamingespräch | Kultur-Zitate Regionen

Mi 13.12.2017, 18.00 Uhr

Univ.-Prof. Dr. Ulrike Guérot, Leiterin Department für Europapolitik und Demokratieforschung der Donau-Universität Krems

Fürst Karl Schwarzenberg, Außenminister der Tschechischen Republik a.D.

In der Versammlung der Regionen Europas (VRE) sind derzeit 270 Regionen aus 33 europäischen Ländern und 16 überregionale Organisationen vertreten. Jede dieser Regionen zeichnet sich durch kulturelle Besonderheiten aus, ob es sich um Sitten und Bräuche, Sprachen und Dialekte, Klima und Vegetation oder die vielen Ausdrucksformen der Volkskultur handelt. Universell und schrankenlos behauptet sich dagegen der interregionale Austausch in den Bereichen Wissenschaft und Kunst. Vielfach stehen Regionen heute im Wettbewerb, geht es nun um die Behauptung gegenüber anderen Regionen oder gegenüber zentralistischen Machtgefügen. Von Bedeutung ist andererseits aber auch die Artikulation und Behauptung gemeinsamer Interessen.

Worin liegen die Stärken der Regionen, etwa in den Ansprüchen nach Bürgernähe, Lösungskompetenz, Identifikation oder Ausbildung eines besonderen Zusammengehörigkeitsgefühls? Welche Vorteile können Regionen für Kreativität oder künstlerisches Schaffen bieten? Wie weit kann regionale Eigenständigkeit Phänomenen wie Populismus, Hass und Extremismus begegnen?

Kremser Kamingespräch | Kultur-Zitate Management

Ausnahmsweise am Donnerstag!
Do 11.1.2018, 18.00 Uhr


Prof. Dorothea Draxler, Geschäftsführerin der Kultur.Region.Niederösterreich

Prof. Bijan Khadem-Missagh, Gründer und ehemaliger künstlerischer Leiter Festival Allegro Vivo

österreichDie Vielfältigkeit der heimischen Kulturlandschaft wäre organisatorisch nicht zu bewältigen, gebe es nicht das mittlerweile sehr große und weitreichende Berufsfeld des Kulturmanagements. An Veranstaltern, Organisatoren, Betreibern von Bühnen, Ausstellungshäusern oder Konzertsälen, sowie an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Produktionsbüros liegt es, Künstlerinnen und Künstlern jenen Freiraum zu gewährleisten, der für deren bestmögliche Entfaltung notwendig ist.

Welche Besonderheiten können die Beziehungen zwischen dem Kulturmanagement einerseits und Künstlerinnen und Künstlern andererseits kennzeichnen? Bringt eine klare Trennung von Managementaufgaben und Kunstproduktion eher Vor- oder Nachteile? Wie gelingt es bei stringentem Management künstlerische Kreativität und Freiheiten zu gewährleisten? Welche Rahmenbedingungen sollen für das Kulturmanagement verbindlich sein?
Eintritt frei! Anmeldung erbeten!

WISSEN DER WISSENSGESELLSCHAFT

Generalthema - Das Wissen der Wissensgesellschaft

Die 22. Reihe der Kremser Kamingespräche befasst sich mit der Frage nach dem Wissen in unserer Gesellschaft. In Zeiten von Google und Smartphones sind Fakten, Jahreszahlen und Daten immer verfügbar und mit diesem Wissen lässt sich jederzeit punkten. Doch dabei kann übergreifendes Wissen, nämlich die Fähigkeit, verschiedenste Wissenselemente miteinander zu verbinden, verloren gehen. Somit wird es immer wichtiger zu verstehen, statt nur zu wissen. Eine wichtige Rolle spielen vermehrt die Vermittlung von Fähigkeiten, Kreativität und das Bündeln von Wissens.

Welche Rolle spielen dabei hochspezialisierte Forschungszentren? Welcher Nutzen aus Forschungserkenntnissen lässt sich für die Bürger ableiten? Wie wichtig ist die Bildung unserer und der nächsten Generationen und wie sollte sie erfolgen? Welche Bedeutung haben nichtspezialisiertes Wissen und jene Alltagserfahrungen, die unser Leben seit Generationen beeinflussen?

Kamingespräch on tour | Hochtechnologie

Mi 15.2.2017, 18.00 Uhr
Wiener Neustadt
Stadttheater Wiener Neustadt (Herzog Leopold-Straße 17, 2700 Wiener Neustadt)

Mag. Klaus Schneeberger, Bürgermeister Wr. Neustadt

Prof. Dr. Eugen Hug, Ärztlicher Direktor MedAustron

Am Wissenschaftsstandort Niederösterreich befindet sich die Forschungseinrichtung MedAustron. Nach dem CERN-Vorbild wurde dort ein Teilchenbeschleuniger gebaut, welcher für medizinische Zwecke und nichtklinische Forschung eingesetzt wird. MedAustron und der Standort Österreich stehen dabei sowohl im internationalen Wettbewerb, als auch im Austausch mit anderen Forschungszentren und Technologieeinrichtungen weltweit. Was für Laien nach unverständlich grauer Theorie klingen mag, hat aber tatsächlich konkrete Auswirkungen auf unser Leben, insbesondere in der medizinischen Strahlentherapie.

Wem stehen die Ergebnisse dieser Forschung zur Verfügung? Welche Bedeutung hat diese Forschung für Niederösterreich? Welchen Wert hat hochspezialisiertes Wissen für die Lebensqualität der Menschen? Welche Strategie verfolgt das Bundesland Niederösterreich in einer spezialisierten Forschungswelt? Und welche konkreten Maßnahmen dienen der Verwirklichung?


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Kremser Kamingespräch | Medizinisches Wissen

Mi 8.3.2017, 18.00 Uhr

Dr. Martina Kronberger-VollnhoferLeiterin Kinderhospiz Momo

Prim. Assoc. Prof. Dr. Paulus HochgattererLeiter Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie Universitätsklinikum Tulln

Nach der für die Menschheit heilbringenden Erfindung von Penicillin zeichnet sich die Medizin bis zum heutigen Tag durch kleinere und größere Entdeckungen aus. Dennoch sterben beispielsweise weiterhin jährlich Menschen an einem Grippevirus, während selbst ein Gehirntumor kein unbedingtes Todesurteil mehr bedeuten muss. Nicht nur Ärzte und Forscher verfügen über ein sehr detailreiches Wissen zur Funktionsweise des menschlichen Körpers. Das Internet ermöglicht Patienten Zugriff auf medizinische Theorien und Fakten. Doch gelingt es den Laien tatsächlich, das mitunter sehr spezifische Wissen in einen richtigen Kontext zu setzen?

Wie kommt der medizinische Fortschritt aus renommierten Forschungslabors bis in die kleine Arztpraxis am Land? Wo liegen die Grenzen zwischen weitverbreitetem medizinischen Wissen und der Gefahr der falschen Anwendung? Wie gelingen im Zusammenwirken von Arzt und Patient richtige Diagnosen und erfolgreiche Behandlungen? Wo sollte strenger kontrolliert werden?

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Kremser Kamingespräch | Wissensstandort Niederösterreich

Mi 5.4.2017, 18.00 Uhr

Dr. Joachim Rösslehemaliger Leiter Gruppe Kultur und Wissenschaft Land Niederösterreich

DI Martin KuglerChefredakteur Universum Magazin

Das Recht auf Wissen wächst mit dem Prozess der Demokratisierung einer Gesellschaft. Wissen ist somit schon lange nicht mehr einer Elite vorbehalten. Im Gegenteil: Dank Schulpflicht und dem offenen Zugang zu Universitäten hat theoretisch jeder Bürger die Möglichkeit zu einer höheren Ausbildung. Das heimische berufsbildende Schulwesen präsentiert sich international als beispielgebend. Gegenwärtig und zukünftig erfordert Standortqualität entsprechende Investitionen in Wissen, also Kreativitätsförderung und Bildung. Jedenfalls ist das Wissen von Experten und Spezialisten erforderlich um eine Gesellschaft voranzubringen.

Welche Rolle spielt Niederösterreich am heimischen Wissensmarkt? Wird Expertenwissen österreichweit, aber auch niederösterreichweit ausreichend gefördert? Welcher Stellenwert kommt Allgemeinwissen zu? Welche Bildungsbereiche können im nationalen Vergleich als ausgereift bezeichnet werden?

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Kremser Kamingespräch | Wissen als Markt

Mi 10.5.2017, 18.00 Uhr

Mag. Martina Höllbacher, Leitung der Abteilung Wissenschaft und Forschung des Landes Niederösterreich

Hon. Prof. Dr. h.c. Dkfm. Mag. Heinz Boyer, Vorsitzender des Aufsichtsrats IMC Fachhochschule Krems GmbH

„Wissen selbst ist Macht“ schrieb Sir Francis Bacon im 16. Jahrhundert – doch trifft das auch noch auf unsere heutige Gesellschaft zu? Betrachtet man den aktuellen Wissensmarkt, sieht man sich mit zwei unterschiedlichen Wettbewerbsthematiken konfrontiert. Einerseits den Wettbewerb im Internet durch ein unendlich scheinendes Wissensangebot auf Plattformen wie Wikipedia und Google. Und andererseits der Wettbewerb zwischen Bildungsstätten. Universitäten und andere Bildungseinrichtungen befinden sich zunehmend in einem internationalen Wettbewerb und werden annähernd wie handelsübliche Produkte gehandelt. Wie wichtig eine höhere Ausbildung ist, spiegelt sich jedoch in der hohen Zahl an Absolventen, die eine langfristige Arbeitsstelle finden.

Wie wichtig sind Akademiker in der heutigen Zeit? Wie ist die Beziehung zwischen humanistischer Bildung und wirtschaftlich- bzw. technisch- orientierter Bildung? Kann es zu viele Spezialisten geben? Und wie werden diese ausgebildet, sodass sie ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft bleiben? Welche Erwartungen können wir an wissensvermarktende Internetseiten stellen? Welche Informationen sind durch das Internet jederzeit zugänglich und welche Informationen oder Zusammenhänge sind Absolventen höherer Bildungseinrichtungen vorbehalten? Und wie verhält es sich mit Wissen wenn unsere Zeit tatsächlich als „post-faktisch“ bezeichnet wird?
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Kremser Kamingespräch | Globalisiertes Wissen

Mi 14.6.2017, 18.00 Uhr

Univ.-Prof. Dr. Anja Grebe, Leitung Department für Kunst- und Kulturwissenschaften, Donau-Universität Krems

Johannes Gutmann, Geschäftsführer Sonnentor

In der globalisierten Medienwelt, der Welt des Internets, hat auch das regionale Wissen seinen Platz gefunden. Ob in Zeitschriften, Fernsehreihen oder Blogs – das Wissen der Generation der Großeltern über Land und Leben und deren Alltagserfahrungen finden wieder Eingang in das Leben der jüngeren Generationen. Und immer wieder sind es diese, die Blogger und Menschen der jüngeren Generation, die einen Weg finden, überliefertes   Wissen für die Gegenwart nutzbar zu machen.

Inwieweit werden alte Kulturtechniken wiederentdeckt und zu aktuellen Trends? Welche positiven Effekte lassen sich aus globalisiertem Wissen darstellen? Ist dieses Wissen der Allgemeinheit die neue Form des Allgemeinwissens? Verändert, fördert oder beeinträchtigt globales Wissen regionale Kulturformen? Wie funktioniert die Transformation von Erfahrungen aus der Vergangenheit in die Gegenwart?

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SINNQUELLEN

Kremser Kamingespräch Reihe 21


Oktober 2016 - Jänner 2017

Die Kremser Kamingespräche widmen sich in ihrer 21. Reihe verschiedenen Sichtweisen auf die Welt. Im Kern geht es einerseits sowohl um eine philosophische, religiöse, politische oder soziale Welterklärung als auch um eine Sicht auf zunehmend fragmentierte Lebensumstände.

Viele Menschen beziehen ihr Wissen in jungen Jahren aus der Schule und dem dort herrschenden Unterrichtskanon, aus der Geschichte unserer Vorfahren sowie in späteren Jahren dann vermehrt aus der immer größer und unübersichtlicher werdenden Medienlandschaft. Die individuelle Weltsicht bildet sich aus der Fähigkeit zur Deutung verschiedener Phänomene und wird beeinflusst durch Herkunft, Erziehung, Bildung, Kultur oder Ethnie.Ist es uns überhaupt noch möglich, die Welt als überschaubares Gefüge wahrzunehmen? Oder erleben wir nur noch Fragmente? Wird gegenwärtig nicht auch eine gewisse Ahnungs- und Orientierungslosigkeit kritisiert, die eventuell als solche gar nicht wahrgenommen wird?

Herkunftsgeschichten

12.10.2016

DI Zdenka Becker, Schriftstellerin

Dr. Peter Pelinka, Historiker und Politikwissenschafter

Durch unsere Herkunftsgeschichten bekommen wir in der persönlichen Entwicklung bereits sehr früh eine individuelle Sicht auf die Welt. Kommen wir aus einem Kriegsgebiet, aus der sogenannten Ersten Welt, aus einer intakten Familie oder zerrütteten Verhältnissen? Sind unsere Verwandten politisch aktiv oder besteht Desinteresse an der Tagespolitik? Je nach dem werden wir erzogen und bekommen einen ganz eigenen Blick auf das Weltgeschehen. Jeder Mensch hat seine eigene Herkunftsgeschichte, welche die Identität begründet. Gab es früher große Erzählungen um die Welt zu erklärten, sind es heute Diskurse, die zu einem Weltbild führen können.

Wie wirkmächtig ist die individuelle Herkunftsgeschichte? Wie prägen uns persönliche Erfahrungen? Funktioniert Wissensvermittlung gegenwärtig über Diskurse oder gelten nach wie vor in einem größeren Zusammenhang wirksame Narrative? Welche waren die großen Erzählungen der Vergangenheit und welche Funktion hatten sie?

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Europavisionen

9.11.2016
Katharina Stemberger, Schauspielerin

Botschafter i.R. Wolfgang Wolte

Der Begriff Europa ruft im ersten Moment drei verschiedene Zugänge hervor:
die mythologische Darstellung, welche den Raub Europas durch Zeus als Stier zeigt, die geographische Bezeichnung des Kontinents Europa und einen realpolitischen Begriff, der sich auf die Staatengemeinschaft - die Europäische Union (EU) - bezieht. Der EU traten bisher 28 Staaten bei. Durch die verschiedenen Geschichten und Vergangenheiten der einzelnen Länder wirkt die EU wie ein inhomogenes Gebilde, was mitunter zu Spannungen innerhalb der Staatengemeinschaft führt. Doch braucht es ein gewisses Zugehörigkeitsgefühl, um sich als Teil dieser EU zu verstehen. Durch die unterschiedlichen Geschichten der einzelnen Nationen, auch in Bezug auf die historische Interaktion mit den Nachbarstaaten, ergibt sich nicht selten eine fragmentierte und individuelle Sichtweise auf die EU. Es ist fast unmöglich, hier ein einheitliches Selbstbild und Selbstverständnis zu etablieren.

Braucht es für eine Staatengemeinschaft ein einheitliches Selbstbild? Wirken die Spannungen innerhalb der EU dynamisch oder destruktiv? Ist Homogenität überhaupt ein erstrebenswertes Ziel der EU? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Regionen? Gibt es so etwas wie Vielfalt in der Einheit?

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Erzählinseln

14.12.2016

Karin Tscholl (Frau Wolle), Erzählerin

Dr. Kostas Papageorgiou, Psychiater

Auf der Suche nach den Puzzlestücken, aus denen sich die fragmentierte Welt zusammensetzt, fällt der Blick auch auf eines der kleinsten Teilchen: das Individuum. Bestimmt durch Herkunft, persönliche Lebensgeschichte und sein Umfeld versucht es sich in der Welt zu behaupten, zu definieren und natürlich zu präsentieren. Man überlegt sich, wie man wahrgenommen werden will und wie man das beeinflussen kann. Das morgendliche Ritual des Anziehens und Schminkens, die sorgfältige Wahl der Worte, Mimik und Gestik: All dies und mehr nutzen wir um der Welt zu zeigen, wer wir sind und sein wollen. Und so nehmen wir unseren Platz ein, als kleiner Teil der großen Welt, als ein Fragment unter vielen.

Welche Auswirkungen hat Selbstdarstellung auf das große Ganze? Wie kann die Außensicht die Innensicht verändern? In welcher Wechselwirkung steht das Individuum mit der Umgebung? Wie so ist die positive Wahrnehmung der anderen so wichtig für uns?

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Medienlandschaft

Mi 11.1.2017, 18.00 Uhr
Haus der Regionen, Krems-Stein


Mag. Katharina Huemer, Redakteurin und Moderatorin

Dr. Christian Rainer, Herausgeber und Chefredakteur

Die Medienlandschaft ist ein wesentliches Hilfsmittel, das unsere Sicht auf die Welt prägt. Mithilfe von Medien erfahren wir, was in der Welt passiert und wie wir es interpretieren können. Der Begriff „Objektive Berichterstattung“ scheint aber wie ein Oxymoron, also in sich widersprüchlich zu sein. Denn selbst wenn sie angestrebt wird, so muss doch eine Auswahl erfolgen. Denn wir können immer nur einen kleinen Teil der Informationsflut aufnehmen. Die Fragmente des Weltgeschehens, von denen wir mithilfe von Fernsehen, Zeitung, Radio und social media erfahren, fügen sich dann im Idealfall zu einem schlüssigen Bil.

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NEUE MYTHEN

Kremser Kamingespräche - Reihe 20


März-Juni 2016

Mythen begleiten seit jeher die Geschichte der Menschheit. Dennoch ist es nur schwer möglich, eine allgemeine, wissenschaftlich anerkannte und eindeutige Definition für den Begriff Mythos zu finden.Mythen können religiös oder philosophisch geprägt sein und werden in der gegenwärtigen Alltagssprache für jene Personen, Bewegungen, Dinge oder Phänomene verwendet, die Bedeutung erlangt haben und Gegenstand der öffentlichen Wahrnehmung geworden sind. Die 20. Reihe der Kremser Kamingespräche fokussiert Mythen der Gegenwart und beleuchtet in vier spannenden Diskussionen jeweils einen Themenkomplex rund um aktuelle Mythen. Handelt es sich bei solchen Mythen wirklich um neue Mythen oder doch nur um alte Mythen im neuen Gewand? Wie entstehen Mythen? Wieso sind Mythen ein wichtiger Faktor in der Menschheitsgeschichte? Wie viel an vermeintlicher Wahrheit steckt in einem Mythos?

Mythos Zivilgesellschaft

2.3.2016

Dr. Gertrude Brinek, Volksanwältin

Dr. Monika Mokre, Politikwissenschaftlerin

Der Begriff Zivilgesellschaft wird neuerdings in der öffentlichen Debatte häufig verwendet. Doch wer oder was ist eine Zivilgesellschaft? Meist versteht man unter Zivilgesellschaft jene Lebensbereiche, die nicht staatlich organisiert sind, sondern auf freiwilligem Engagement, in gesellschaftlichen und politischen Belangen beruhen.
Aber wer gehört zu solch einer Zivilgesellschaft? Welche Qualitäten können eine Zivilgesellschaft ausmachen? Kann eine solche ohne ein staatliches Ordnungswesen überhaupt existieren? Wie unterscheidet sich die Begründung von Zivilgesellschaften in Demokratien einerseits und autoritären Systemen andererseits? Welche Innovationen können von zivilgesellschaftlichem Denken ausgehen?

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Mythos Idole und Helden

13.4.2016

Mag. Martin Thomas Pesl, Autor und Übersetzer

Mag. Zeno Stanek, Regisseur und Intendant

Helden und Idole standen im Mittelpunkt der Diskussion zwischen Mag. Martin Thomas Pesl und Mag. Zeno Stanek. Idee und Konzept zur Reihe stammen von Prof. Dr. Edgar Niemeczek, Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederöterreich. Schon Kinder erwählen sich ihre Idole, denen sie nachstreben und mit denen sie sich identifizieren. Dies können Menschen aus dem direkten Umfeld sein – insbesondere die Eltern – oder Fantasiefiguren aus der Literatur, aus dem Schauspiel oder aus Filmen. Bereits in der Geschichte finden wir Helden, die bis heute als solche gelten und verehrt werden. Waren es früher – meist männliche – Krieger, Erfinder oder Politiker, die als Helden verehrt wurden, sind Idole heute eher Schauspielerinnen und Schauspieler, Models, Romanfiguren, Popstars oder Sportlerinnen und Sportler. Durch die Roman- und Filmindustrie werden mitunter auch Antihelden oder Bösewichte zu Idolen.

Brauchen Menschen Idole? Was zeichnet Helden aus? Gibt es einen Unterschied in der Wirkung von realen und erfundenen Idolen? Wie werden Personen zu Idolen oder Helden? Was unterscheidet sie von anderen Menschen?

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Mythos Gerechtigkeit

11.5.2016

Mag. Dr. Lisz Hirn, Philosophin, Autorin, Coach

Univ.-Prof. Dr. Peter Strasser, Rechtsphilosoph, Buchautor und Kolumnist

Am 11. Mai 2016 gingen Mag. Dr. Lisz Hirn und Univ.-Prof. Dr. Peter Strasser der Frage nach, ob es Gerechtigkeit tatsächlich gibt oder ob auch diese nur ein Mythos ist. Idee und Konzept zu dieser Reihe stammen von Prof. Dr. Edgar Niemeczek, Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederösterreich.

Kants Satz aus der Methaphysik der Sitten besagt: "Wenn die Gerechtigkeit untergeht, so hat es keinen Wert mehr, dass Menschen auf Erden leben." Gerechtigkeit ist ein Begriff, der uns das ganze Leben lang begleitet. Gerechtigkeitsthemen sind stets aktuell, sei es in der Familie, im Freundeskreis, in der Ausbildungsstätte oder in der Arbeitswelt. In Demokratien beruhen das Recht und seine Anwendung wohl auf einem gemeinsamen Verständnis von Gerechtigkeit. Gegenwärtig steht vor allem das „Gendern“ im Vordergrund einer Gerechtigkeits-Debatte: Quoten, Gleichberechtigung und neue Definitionen von Geschlechterrollen sind wiederkehrende Themen des alltäglichen Lebens.

Wie stehen Gleichheit und Gerechtigkeit im Zusammenhang? Wird der Terminus Gerechtigkeit inflationär gebraucht? In welchem Zusammenhang stehen Recht und Gerechtigkeit? Wie sinnvoll sind Quoten? Braucht es neue Definitionen für Geschlechterrollen?

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Mythos Natur

8.6.2016

Univ.-Prof. Dr. Brigitta Schmidt-Lauber, Ethnologin

Univ.-Prof. Dr. Bernd Lötsch, Biologe

Im vierten Gespräch der Reihe "Neue Mythen" am 8. Juni 2016 beschäftigen sich Univ.-Prof. Dr. Brigitta Schmidt-Lauber und Univ.-Prof. Dr. Bernd Lötsch mit dem "Mythos Natur". Idee und Konzept zur Reihe stammen von Prof. Dr. Edgar Niemeczek, Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederösterreich.
Natur ist ein sehr weitgefasster Begriff, der sich im Verständnis vieler auf all jenes bezieht, das nicht vom Menschen geschaffen wurde. Daraus ließe sich prinzipiell eine Opposition zur Kultur ableiten, was aber neben Konflikten auch gegenseitige Bereicherung bedeuten kann. Gegenwärtig ist ein Trend zu beobachten, der Natürlichkeit und Ursprünglichkeit als besondere Qualitäten auszeichnet. Dieser Trend erstreckt sich auf Bereiche wie Alternativmedizin, Nahrungsmittel, kulturelle Veranstaltungen und neue Lebensweisen. Lässt sich eine Grenze zwischen Natur und Kultur ziehen? Kann Natur als eine kulturelle Erfindung bezeichnet werden? Wieso werden Themen wie das Leben der Kelten und der Schamanen oder das Wirken der christlichen Mystikerin und heilkundigen Äbtissin Hildegard von Bingen wieder aktuell? In welcher Beziehung stehen menschliche Erkenntnisse auf der einen Seite und Vorstellungen über Natur auf der anderen?

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DAS UNIVERSUM IM KLEINEN

Kremser Kamingespräche Reihe 19

September 2015 - Jänner 2016

„Österreich ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält” dichtete der aus Schleswig-Holstein stammende Wahlwiener Friedrich Hebbel im Jahr 1862, also in einer bewegten Zeit knapp vor dem Inkrafttreten des damals fortschrittlichen Staatsgrundgesetzen 1867 über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger. Über Österreich als „Versuchsstation des Weltuntergangs” räsonierte Karl Kraus unter dem Eindruck des 1. Weltkriegs und der zu Ende gehenden Monarchie.Das Streben nach Monopolen, Alleinherrschaft und Machtkonzentration auf der einen Seite und Autonomie sowie Widerstand auf der anderen sind zwei Pole, zwischen denen ein nicht selten gewaltsamer Interessenskonflikt ausgetragen wird. Imperien verschwanden von der Landkarte, Weltkonzerne verloren ihre Herrschaft, Megasysteme brachen zusammen. Dem gegenüber bot nicht selten das Kleine und Überschaubare die Basis für Ideen und Erfindungen zum Nutzen für die ganze Welt. Die nächste Staffel der Kremser Kamingespräche beleuchtet verschiedene Aspekte des Universums im Kleinen.

On tour - Lebensräume

9.9.2015, Bandlkramerladen der Firma Tostmann Trachten

Anita Querfeld, Inhaberin des Cafè Landtmann

Univ.-Prof. Dr. Alfred Noll, Publizist und Rechtsanwalt

Erkennen - Gestalten - Genießen
Als Lebensraum bezeichnet man ein Umfeld, in dem ein Mensch oder eine Gemeinschaft frei leben und arbeiten kann. Der Lebensraum in der Großstadt muss sich regelmäßig an die sich ständig verändernden Lebenssituationen anpassen. Städte wachsen, und das Leben muss auf immer engerem Raum stattfinden. Wurde noch vor einigen Jahren auf breitere Straßen geachtet um das stärker werdende Verkehrsaufkommen zu bewältigen, setzt Wien, wie viele Großstädte der ersten Welt, mittlerweile auf Orte der Begegnung für Menschen verschiedener Generationen und Herkunft.
Wie wird der öffentliche Raum in urbanen Räumen genutzt, wie auf dem Land? Welcher Stellenwert kommt den verschiedenen Communities wie Ethnien, Religions- und Glaubensgemeinschaften oder Generationen zu? Wie werden diese in die Gesellschaft und in das öffentliche Leben miteinbezogen? Welche Wünsche sind bei der Stadtentwicklung zu berücksichtigen und wie kann dazu eine breite Bürgerbeteiligung gelingen?

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Machtsphären

14.10.2015

Prof. Alfred Winter, Salzburger Landesbeauftragter für kulturelle Sonderprojekte i.R. und Gründer des Kulturvereins Tauriska

Mag. Veronika Haslinger, Direktorin der Raiffeisen Holding NÖ Wien

Erobern - Erhalten - Verlieren
"Größer ist besser" galt bereits zu Zeiten Alexander des Großen oder des römischen Reichs. Und auch heute noch ist dieser Anspruch aktuell. Ob in Staatengemeinschaften, Großprojekten in Milliardenhöhe oder Unternehmenszusammenschlüssen - man kann eine Tendenz nach Größe erkennen, die keine Grenzen nach oben kennt. Aber wie sinnvoll und zielführend ist das auf lange Sicht? Leopold Kohr, Österreichischer Nationalökonom und Philosoph forderte autonome Kleinräumigkeit und ein Leben nach menschlichem Maß.
Ist das so genannte Kleine alleine lebensfähig? Ist es sinnvoll, wenn sich viele Kleine zu einem größeren Ganzen zusammenschließen? Welche Wirkung entfalten Interessensverbünde wie Genossenschaften oder Produktionsgemeinschaften? Stehen größere Einheiten auch für mehr Macht und Einfluss? Was spricht für eine Tendenz zurück zu kleineren Einheiten und haben diese die Kompetenz, autonom Entscheidungen zu treffen? Wie kann globales Denken in lokale Projekte umgesetzt werden?

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Kostbarkeiten

9.12.2015

Univ.-Prof. Dr. Brigitte Mazohl, Institut für Geschichtswissenschaften der Universität Innsbruck

Univ.-Prof. Dr. Ernst Bruckmüller, Autor und Vorsitzender des Instituts für Österreichkunde

Erfinden - Gebrauchen - Entschlüsseln
Als Wunschbild kann die eigene Darstellung von Objekten oder Subjekten in speziellen Zusammenhängen bezeichnet werden. Wunschbilder mit merkantilen Absichten werden vor allem von Seiten der Wirtschaft und der Werbung kreiert. Selbstbild und Fremdbild sind nicht zwingend übereinstimmend und können divergieren. Das trifft auch auf die zahlreichen Österreich-Bilder zu. Die Idee einer Universalmonarchie sollte Kaiser Karl V. über alle anderen Herrscher stellen, und auch der Vielvölkerstaat der Habsburger Monarchie erschien als Großmacht. Heute müssen sich Österreich und seine Regionen innerhalb der Europäischen Union und im globalen Wettbewerb behaupten.
Wie werden Wunschbilder erzeugt, wie verkauft? Wie stellen sich Nationen und Regionen gerne selbst dar? Welche Vorzüge werden dabei aus dem "Kleinen" und welche aus dem "Großen" abgeleitet? Gibt es so etwas wie den Reiz der Binnenexotik? Wie wird Österreich international wahrgenommen? Wie viel Mythos steckt in der Effizienz der Kleinen und wo sind gegebenenfalls die Grenzen?

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Wunschbilder

9.12.2015

Univ.-Prof. Dr. Brigitte Mazohl, Institut für Geschichtswissenschaften der Universität Innsbruck

Univ.-Prof. Dr. Ernst Bruckmüller, Autor und Vorsitzender des Instituts für Österreichkunde

Erfinden - Gebrauchen - Entschlüsseln
Als Wunschbild kann die eigene Darstellung von Objekten oder Subjekten in speziellen Zusammenhängen bezeichnet werden. Wunschbilder mit merkantilen Absichten werden vor allem von Seiten der Wirtschaft und der Werbung kreiert. Selbstbild und Fremdbild sind nicht zwingend übereinstimmend und können divergieren. Das trifft auch auf die zahlreichen Österreich-Bilder zu. Die Idee einer Universalmonarchie sollte Kaiser Karl V. über alle anderen Herrscher stellen, und auch der Vielvölkerstaat der Habsburger Monarchie erschien als Großmacht. Heute müssen sich Österreich und seine Regionen innerhalb der Europäischen Union und im globalen Wettbewerb behaupten.
Wie werden Wunschbilder erzeugt, wie verkauft? Wie stellen sich Nationen und Regionen gerne selbst dar? Welche Vorzüge werden dabei aus dem "Kleinen" und welche aus dem "Großen" abgeleitet? Gibt es so etwas wie den Reiz der Binnenexotik? Wie wird Österreich international wahrgenommen? Wie viel Mythos steckt in der Effizienz der Kleinen und wo sind gegebenenfalls die Grenzen?

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Edelsorten

13.1.2016

Mag. Dorli Muhr, Geschäftsführerin Wine und Partners

ÖK.-Rat Dipl.-HLFL-Ing. Josef Pleil, Aufsichtsratsvorsitzender der NÖ Versicherung, ehem. Präsident des Österreichischen Weinbauverbands, ehemaliger Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NÖ

Verstehen - Bearbeiten - Überliefern
Besonders im Weinbau können große Qualitätsunterschiede ausgemacht werden. Die Bandbreite reicht von Spitzenweinen im dreistelligen Preissegment bis hin zu Massenproduktion und Wein im Tetra Pack. Die ersten österreichischen Weinreben gab es bereits vor 60 Millionen Jahren. Auf eine Tradition im Weinbau kann Österreich seit 700 v. Ch. zurückblicken. Nach Rückschlägen in der heimischen Weinwirtschaft infolge des Weinskandals der 1980er Jahre kann Wein aus Österreichisch heute auch im internationalen Vergleich wieder als klein aber fein bezeichnet werden; keine Allerweltsweine, sondern rare Besonderheiten.
Wo liegen einerseits die Besonderheiten und andererseits die Probleme der österreichischen Weinwirtschaft? Wie sieht die Zukunft des Weinbaus insbesondere im Spannungsfeld von Klasse und Masse aus? Wo liegen die Stärken kleinerer Familienbetriebe? Welche Auswirkungen haben nationale Gesetze und Gesetze auf EU-Ebene für österreichs Weinwirtschaft?

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NEUE CHANCEN

Kremser Kamingespräche Reihe 18

Februar - Juni 2015

Wer träumt nicht davon, einmal ganz von vorne beginnen zu können, die Vergangenheit zurück zu lassen und neue Chancen zu erhalten. Gerade in Momenten der Enttäuschung wird das Bedürfnis wach, einfach von Null weg wieder zu starten. Etwa wenn wirtschaftliche Projekte nicht den gewünschten Erfolg bringen. Oder zwischenmenschliche Beziehungen in die Brüche gehen. Oder sich Menschen nach Schicksalsschlägen aufmachen auf die Suche nach einer neuen Heimat. Doch können wir wirklich das Gewesene einfach ausklammern? Gibt es einen voraussetzungslosen Anfang? Woraus erwächst die Kraft für einen Neubeginn? Welche Hoffnungen, welche Ängste begleiten uns im Wagnis zum Neuen? Die aktuelle Staffel der Kremser Kamingespräche leuchtet Fragen und Hintergründe zu „Neuen Chancen“ aus.

On tour - Stunde Null

11.2.2015, Bockkeller des Wiener Volksliedwerkes

Prof. Ing. Herbert Zotti, Geschäftsführender Vorsitzender des Wiener Volksliedwerkes

Univ.-Prof. Dr. Ulrich Morgenstern, Volksmusikforscher an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

Ein Gespür zu haben für den Herzschlag von Lebenswelten und ihrer Menschen gehört wohl zu den besonderen Kennzeichen der Volksmusik, die verankert und verwurzelt ist im geschichtlich Gewachsenen und zugleich das kreative Spiel mit dem Neuen zur Kunst erhebt. Volksmusik steht in vielfachen Bezügen zur Überlieferung, oft ist sie befeuert vom Bedürfnis, kulturelle Wurzeln und Werte lebendig zu gestalten und zugleich für neue Ausdrucksformen offen zu sein.
Kennt die Volksmusik eine "Stunde Null"? Woraus entspringen ihre Innovationen? Kennt sie Neuanfänge, die einen Bruch mit der Vergangenheit darstellen? Wie steht die Gegenwart der Volksmusik zu ihrer Geschichte, wie zukunftsoffen, wie zukunftsfit ist ihre Herkunft? Wo sieht sie sich selbst in 20, wo in 50 Jahren? Was zeichnet ihre großen Entwicklungslinien innerhalb der österreichischen Geschichte aus? Wie viel Wandlungsfähigkeit lässt die Tradition zu? Welche Chancen, welche Potenziale kommen der Volksmusik inmitten aktueller Trends zu?
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Unternehmer.Geist

11.3.2015

Doris Pfaffenlehner, Unternehmerin, Maßschuhmachermeisterin

Mag. Helmut Miernicki, Geschäftsführer ecoplus - Niederösterreichs Wirtschaftsagentur

Zum Unternehmergeist gehören wohl der Wille und die Fähigkeit, anzupacken, die Ärmel aufzukrempeln und einer Idee Taten folgen zu lassen. Aus einer Vision soll schließlich ein gesellschaftlicher Wert, ein Nutzen entstehen, um Güter zu formen, die den Menschen in ihrem Alltags- und Gemeinschaftsleben dienen. Im Produktivsein ein Stück am Fortschritt mitzuwirken und die eigenen Werte und Ziele im Produkt der Arbeit wieder zu finden, gehört zum Antrieb wirtschaftlichen Leistungswillens, gehört zum Feuer unternehmerischen Strebens.
Doch was tun, wenn das unternehmerische Feuer durch Krisen bedroht wird, wenn Herausforderungen an die Grenzen des wirtschaftlich Machbaren stoßen, wenn der betriebliche Lauf ins Straucheln und Stolpern gerät? Wie geht der Einzelne, wie geht die Gesellschaft mit Niederlagen um? Woraus erwachsen Kraft und Zuversicht, wieder aufzustehen und nochmals durchzustarten? Wie viel Risikobereitschaft braucht Erfolg? Wie können, wie sollten Politik und Gesellschaft in ökonomische Krisen agieren?

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Heimat.Suche

8.4.2015

Mag. Christoph Riedl, Geschäfsführer Diakonie Flüchtlingsdienst

Mag. Ali Rahimi, Unternehmer, Sachverständiger für Orientteppiche

Migration und die Suche nach einer neuen Heimat sind immer mit Ungewissheiten verbunden: Man lässt Vertrautes hinter sich und bricht in ein Unbekanntes auf, begleitet von vagen Hoffnungen und Erwartungen, aber auch von Ängsten und Unbehagen. Noch nie waren so viele Menschen auf Wanderschaft, noch nie war Migration derart prägend wie heute in einer globalisierten Welt. Der Anstieg der Mobilität, die weltweite Vernetzung und die zunehmende Dynamik politischer, wirtschaftlicher und sozialer Brennpunkte machen die Suche nach Heimat zu einer Grundfrage unserer Zeit.
Wie kann ein neuer Anfang in einer neuen Lebenswelt gelingen? Wie kann eine fremde Gesellschaft zur neuen Heimat werden? Welche Potenziale bringen Migranten mit, welche Möglichkeiten eröffnen sich ihnen, welche Hindernisse zeigen sich? Was braucht es für eine gelingende Integration? Wie entsteht ein funktionierendes Miteinander zwischen den Kulturen, wie lassen sich Ängste und fragwürdige Vorurteile abbauen? Ist Migration eine Chance oder ein Risiko für den sozialen Zusammenhalt?
Idee und Konzept der Kremser Kamingespräche stammen von Kultur.Region.Niederösterreich-Holdinggeschäftsführer Dr. Edgar Niemeczek.

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Partner.Glück

13.5.2015

Dr. Martina Leibovici-Mühlberger, Psychotherapeutin, Mediatorin und Trainerin

Univ.-Prof. Dr. Dr. Paul M. Zulehner, Pastoraltheologe

Nicht immer lässt sich partnerschaftliches Glück im Vorhinein planen, berechnen und festlegen. Manchmal scheitern selbst Beziehungen, die als unverrückbar, als sicher und gewiss galten. Manchmal entstehen Brüche zwischen Menschen, die wie selbstverständlich zueinander gehörten. Und manchmal kommt neues Partnerglück wie aus heiterem Himmel, ganz unverhofft und unerwartet. Ähnlich einem Geschenk braucht Beziehungsglück zwar stete Pflege, lässt sich aber nie restlos verfügbar machen. Es bleibt stets auf dem Weg, es lässt sich nicht fixieren wie der Nagel mit dem Hammer.
Wie können - abseits einfacher Rezepte - partnerschaftliche Beziehungen glücken? Woran scheitern sie? Wie gehen wir mit Enttäuschungen und Verlusten um? Welche Erwartungen und Hoffnungen legen wir heute in unser Familienleben? Bekommt dieses Familienleben von der modernen Arbeitswelt genügend Raum zum Atmen und von der öffentlichen Hand ausreichend Wertschätzung? Wie offen sind wir, wie offen sind - gerade auch religiöse - Sinngemeinschaften für die zweite Chance aufs Partnerglück?

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Kunst.Quelle

10.6.2015

Prof. Erni Mangold, Schauspielerin und Regisseurin

Mag. Cornelius Hell, Literaturkritiker, Autor und Übersetzer

Aus welchen Quellen entspringen künstlerische Schaffensprozesse? Lassen sich die Anfänge, aus denen Künstler ihre Kreativität schöpfen, bestimmen und festmachen? Kunst ist eine ausgezeichnete Form des Menschseins, um dessen Selbst- und Weltverständnis mit den Mitteln des Ästhetischen zum Ausdruck zu bringen. Kunst, die stets geistig und sinnlich zugleich ist, trägt immer das Moment der Infragestellung, des Aufbruchs aus den gewohnten Bahnen, der Alternative zum bloß Alltäglichen in sich. Kunst lässt sich weder abschließen noch schubladisieren.
Ist nicht jeder Künstler einer, der auszieht, um das Staunen zu lernen? Wie füllt die Malerin die weiße Leinwand, der Dichter das leere Blatt Papier, die Schauspielerin die Rolle mit Leben? Was beflügelt kreative Prozesse? Wie gehen Künstler mit Schaffenskrisen um? Was zeichnet Meisterwerke und herausragende künstlerische Leistungen aus? Wie lässt sich große Kunst erkennen und was macht ihre Anziehungskraft, ihre Faszination und ihren gesellschaftlichen Wert aus?

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IM REICH DER GEFÜHLE

Kremser Kamingespräche Reihe 17

Oktober 2014 - Jänner 2015

Bewegt nicht gerade die unermessliche Vielfalt menschlicher Gefühle unsere Welt? Inwieweit sind Gefühle überhaupt steuerbar: etwa durch Erziehung oder vorbildhaftes Wirken, durch Täuschung oder Enttäuschung, durch Manipulation oder Drogen, durch Zuwendung und Fürsorge oder durch bloße Durchsetzung von Macht und Anpassung? Selbst die Gestaltung des Gemeinwesens ist emotionsgeladen, geht es doch darum, einerseits Gefühle auszubilden und andererseits dieselben im Zaum zu halten. Wo liegt nun der Ursprung von Emotionen? Äußern sich diese bei allen Menschen in ähnlicher Weise oder existieren Unterschiede speziell im Ausdruck? Gibt es so etwas wie gute und schlechte Emotionen, und wie gehen wir damit um?

Heimat und Fremde

8.10.2014

Dr. Ruth Beckermann, Filmschaffende und freie Autorin

Univ.-Prof. Dr. Heinrich Neisser, Inhaber eines Jean Monnet Lehrstuhls an der Universität Innsbruck über die Politik der europäischen Integration

Emotionen sind ein unerlässlicher Baustein für die Bildung von Identitäten: sie stiften Orientierung in Zeiten zunehmender Komplexität, sie ermöglichen Vertrautheit und Zugehörigkeit inmitten des Spannungsgefüges von Individualität und globaler Internationalität. Selten wird die Ambivalenz der Gefühle, die gleich einem Filter durchlässige oder verengende Grundbahnen der Welt- und Selbsterschließung sein können, so deutlich wie in der emotionalen Erfahrung des Eigenen und des Fremden. Gerade im pluralistischen, mobilen Hier und Heute wird das Erstarken von Sehnsuchtslandschaften der Gefühle, also von Heimatbedürfnissen deutlich.
Wie lässt sich Heimatgefühl vor dem Tauziehen zwischen Ideologisierung und Indifferenz retten und zeitgemäß denken? Wie lassen sich Weltoffenheit und der Zusammenhalt der Solidargemeinschaft emotional verwurzeln und zusammenspannen? Wie kann das Friedensprojekt Europa zur Herzensangelegenheit der Bürger werden und vor der Ausdünnung zum Elite-Club bewahrt werden? Was vermag das Gemeinwohl heute noch zu befeuern? Und was begrenzt es?


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Wonne und Schmerz

12.11.2014

Beate Schrott, Spitzensportlerin, Olympia-Achte in London 2012 über 100 Meter Hürden

Univ.-Prof. Dr. Martin Nuhr, MSc., Ärztlicher Leiter des Kur- und Rehabilitationszentrums "Nuhr Medical Center"

"Schneller-Höher-Stärker": Sport ist ein Grundbestandteil moderner Lebenswelten und des Strebens nach Gesundheit, Wohlbefinden und körperlicher Leistungssteigerung. Mit Sieg und Niederlage, ja mit einem Torschuss tauchen Massen mit einem Mal und zugleich in ein Bad der Gefühle ein. Sport vermag wie kaum ein anderes Ereignis ein globales Band an Emotionen zu spannen, Wellen der Begeisterung wie der Enttäuschung zu entfachen.
Das "Schneller-Höher-Stärker" in einer zunehmend kommerzialisierten, globalisierten und inszenierten Sportwelt wirft jedoch zugleich dunkle Schatten: Moderne Gladiatoren zollen dem Imperativ nach immer neuen Rekorden und Erfolgen einen hohen Tribut, bezahlt nicht selten mit dem Raubbau am eigenen Körper, dem Sturz in Depressionen oder in die "Dopingfalle". Ist Doping eine systemimmanente Konsequenz des extremen Leistungsdrucks? Sind körperliche Grenzüberschreitungen Segen oder Fluch für das Streben nach Selbstverwirklichung? Was lässt Sport zu einer derart mächtigen Projektionsfläche für das Ausleben von Emotionen werden?
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Leid und Mitleid

10.12.2014

Barbara Stöckl, TV-Moderatorin und Produzentin

Brigadier Mag. Rudolf Striedinger, Militärkommandant von Niederösterreich

"Das Mitleid ist das wichtigste und vielleicht einzige Daseinsgesetz der ganzen Menschheit", schreibt Dostojewskij. Für Schopenhauer ist Mitleid die Grundlage für Menschenliebe und Gerechtigkeit - eine Empathie, die das Leid der Welt nicht aufzuheben, wohl aber therapeutisch wie solidarisch zu verwandeln vermag: ohne Mitgefühl keine Ethik, ja ohne die emotionale Dimension des Verstehens von Mitmenschen keine wirkliche Selbsterkenntnis. Jede helfende Hand, jeder Kampf gegen Not und Elend, jede Rettung aus Katastrophen würde versiegen ohne die Quelle der Empathie.
Doch das Mitleid zieht auch die Spötter an: ein Zeichen der Schwäche, ein Senkstein und Ballast für die Handlungsstärke, wodurch Elend und Leid letztlich nur vermehrt und konserviert werde, so Nietzsche. Ist die Herzensordnung des Mitgefühls Triebfeder aller Moral oder doch Fallensteller in die Hilf- und Handlungslosigkeit? Wie steht es mit der Kommerzialisierung des Mit-Leids im Befeuern der "Spendenweltmeisterschaft"? Braucht ein nachhaltig aufgebautes Prinzip Hoffnung mehr Herz oder mehr Verstand?
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Liebe und Hass

14.1.2015

Renate Burtscher, Redakteurin und Moderatorin im Hörfunk (ORF/Ö1)

Andreas Radovan, Komponist, Songwriter, Gitarrist und Arrangeur

Von der Liebe bis zum Hass: In der Unerschöpflichkeit künstlerischen Schaffens hat das Reich der Gefühle seine wohl höchste Strahlkraft. Und in der Zeitkunst der Musik seine wohl wirkmächtigste Ausdrucksform. Musik ist ein unmittelbarer Herzensbahner, ohne Musik wäre es sehr still um unsere Gefühle - Liebende haben "ihr Lied", Kämpfende ihren Schlachtgesang, Trauernde ihre Melodie in Moll, Jubilierende ihre "Freude schöner Götterfunken".
Musik vermag Massen zu verbinden, dem Wir-Gefühl Hymnen zu schenken, das Mit- und Füreinander von Menschen zu entgrenzen. Musik kann aber auch der Überhöhung des konstruierten Eigenen, der Distanzierung und Herabwertung des projektierten Fremden ein Ventil geben. Musik rhythmisiert den Ruf nach Solidarität - ebenso wie jenen nach Sündenböcken. Wie macht sie das nur, die Musik, der Klangkörper unserer Emotionen? Wie stiftet sie Identitäten, Stimmungen und Bedeutungen? Ist sie dabei immer auch ein Stück weit politisch?

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GERECHTIGKEIT

Kremser Kamingespräche Reihe 16

März - Juni 2014

Freiheit und Gerechtigkeit werden seit jeher als Ziele der Menschheit angesehen und eingefordert. Aktuelle Entwicklungen haben die Frage „Was ist gerecht?“ noch mehr in den Mittelpunkt gerückt. Der Ruf nach Gerechtigkeit in Verbindung mit der Generationenfrage, der Chancengleichheit, der Vermögensverteilung oder der Gleichstellung von Geschlechtern scheint immer lauter zu werden. Ist Gerechtigkeit überhaupt realisierbar oder bleibt es bei Fiktion oder Illusion? Wer bestimmt letztendlich, was gerecht ist? Wie ist es um die Chancengleichheit von Frauen und Männern bestellt? Welche Rolle spielen Schicksal und Glück in diesem Zusammenhang?

Tugend.Recht.Fiktion

12.3.2014

Hon.-Prof. Dr. Irmgard Griss, Leiterin der Schlichtungsstelle für Verbrauchergeschäfte und Ersatzmitglied des Verfassungsgerichtshofs

Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin, Ethnologe

Seit der griechischen Antike gilt Gerechtigkeit als eine der vier Kardinaltugenden menschlichen Zusammenlebens. An der Relevanz, die dieser Tugend zukommt, hat sich bis heute nichts geändert: Gesetzgebung und Rechtsprechung berufen sich auf sie. Sie spielt in der Ethik, in der Rechts- und Sozialphilosophie ebenso wie in der Moraltheologie eine große Rolle. Kaum einem Wert kommt so große Bedeutung zur Beurteilung sozialer Verhältnisse genauso wie zur Findung moralischer und rechtlicher Maßstäbe zu und wird zugleich so kontrovers erlebt wie Gerechtigkeit.
Die Gerechtigkeitsfrage ist keine, die leicht oder gar leichtfertig beantwortet werden kann und sollte. Sie erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema: Was ist gerecht? Wie lässt sich Gerechtigkeit verwirklichen? Wie kommt der Durchschnittsbürger zu seinem Recht? Inwieweit unterscheiden sich die Gerechtigkeitsmodelle in Vergangenheit und Gegenwart?
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Glück.Zufall.Kalkül

9.4.2014

Mag. Bettina Glatz-Kremsner, Vorstandsdirektorin, Casinos Austria und Österreichische Lotterien

Univ.-Prof. Dr. Roman Horak, Leiter der Abteilung für Kulturwissenschaften, Universität für angewandte Kunst Wien


"Jeder ist seines Glückes Schmied", dies behauptet zumindest der Volksmund. Laut diesem Sprichwort wäre jede und jeder Einzelne selbst für die Erlangung von Erfolg und Zufriedenheit verantwortlich und niemand sollte sich auf den Zufall oder die Hilfe anderer verlassen. In den Vereinigten Staaten von Amerika hat das Streben nach Glück sogar als natürliches, unveräußerliches Recht Eingang in das Gründungsdokument der ersten neuzeitlich-demokratischen Verfassung, der Unabhängigkeitserklärung, gefunden.
Inwieweit ist Glück aber kalkulierbar? In welchem Verhältnis stehen Fortuna und Kalkül? Lassen sich aus statistischem Datenmaterial etwaige Handlungsempfehlungen ableiten? Wer legt das rechte Maß an Gerechtigkeit zwischen blanker Willkür und einer Überregulierung fest und was sind die Auswirkungen sozialer Ungleichheit?


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Schicksal.Chance.Illusion

14.5.2014

Eva Rossmann, Juristin, Autorin und Köchin

Götz Spielmann, Autor und Regisseur

Wer kennt sie nicht, die römische Göttin mit Schwert, Waage und Augenbinde? Justitia, die Personifikation von Gerechtigkeit, ist heute aus vielen öffentlichen Gebäuden nicht mehr wegzudenken. Sie soll verdeutlichen, dass Recht ohne Vorurteil, nach sorgfältiger objektiver Abwägung der Sachlage gesprochen und mit der nötigen Härte durchgesetzt werden soll.
Das Recht auf Nichtdiskriminierung etwa aus Gründen des Geschlechts, der ethnischen Herkunft oder der Religion und damit auf Chancengleichheit ist auch in den Menschenrechten festgeschrieben. Der Diskurs über die gerechte Verteilung von Chancen gewinnt zunehmend an Bedeutung: Was aber genau bedeutet Chancengleichheit? Ist sie Wirklichkeit oder nur eine Wunschvorstellung unserer Gesellschaft? Sind Erfolge und Misserfolge das Resultat von freier Wahlmöglichkeit oder eher Produkt des Zufalls oder des Schicksals? Welche Bedeutung kommt dem Thema Gerechtigkeit im Schaffen von Künstlerinnen und Künstler zu? Worin liegt die Kunst der Gerechtigkeit?


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Frauen.Männer.Generationen

11.6.2014

Mag. Klaudia Tanner, Direktorin, NÖ Bauernbund

Prof. Dr. Bernd Marin, Executive Director, Europäisches Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung, Wien

Laut Artikel sieben der österreichischen Bundesverfassung sind alle Staatsbürger vor dem Gesetz gleich. Kritisiert und bisweilen sogar angeprangert werden trotzdem Ungleichheiten in unserer Gesellschaft - zwischen den Geschlechtern ebenso wie zwischen den Generationen.
Vor dem Hintergrund der absehbaren demografischen Entwicklungen erhält der Aspekt der Generationengerechtigkeit besondere Brisanz. Damit stellt sich die Frage, wie ein faires Miteinander von Jung und Alt aussehen kann. Die zukünftige Finanzierung von Pensionen, die Ressourcenknappheit und der Zustand unserer Umwelt stellen Herausforderungen für den Generationenvertrag dar. Wo liegen die Ungleichheiten in der Verteilung von Rechten und Pflichten in unserer Gesellschaft? Leben die Älteren heute auf Kosten der Jungen und künftigen Generationen? Wie manifestiert sich die soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern? Wie könnte eine Lösung aussehen, die allen Beteiligten gerecht wird?

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SELBERMACHEN

Kremser Kamingespräche Reihe 15

 

Oktober 2013 - Jänner 2014

Was vor nicht allzu langer Zeit noch als altmodisch und rückständig galt, ist heute zur Lebensmaxime vieler geworden: Die Dinge selber in die Hand nehmen oder Do It Yourself lautet das Credo. Als gegenläufige Bewegung zum Dogma von Wachstum und Konsum gewinnt in vielen Bereichen unseres Lebens das Phänomen Selbermachen an Bedeutung. Welche Motive stecken hinter dem Erfindungsreichtum – ist es Mangel, Neugierde, Protest oder Ausdruck von Kreativität und Individualität? Evoziert die Fortschrittlichkeit unserer Gesellschaft ein Verlangen nach mehr Autonomie?

 

Im Fokus der aktuellen Staffel der Kremser Kamingespräche stehen Vielfalt und Relevanz des Selbermach-Prinzips in Geschichte und Gegenwart.

 

 

Lebensstil wählen

9.10.2013

Thomas Geisler MAS, Kustode Sammlung Design, Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst

Dr. Eva Kreissl, Kuratorin Universalmuseum Joanneum

Was früher Gebot der Not war, ist heute Ausdruck eines alternativen oder vielleicht sogar nachhaltigen Lebensstils - Dinge des täglichen Bedarfs werden wieder selber hergestellt. Der Trend zum Selbermachen findet Einzug in viele Bereiche unseres Lebens und beschränkt sich längst nicht mehr auf Kulturtechniken wie Kochen, Gärtnern und Stricken. Immer mehr Menschen finden Gefallen daran, Dingen ihren individuellen Stempel aufzudrücken, der letztendlich einen ideellen, einen symbolischen Mehrwert darzustellen scheint. Ist dieser neue Lebensstil als Gegenbewegung zum Massenkonsum zu verstehen? Leidet die Moderne an der geschaffenen Perfektion des Industriellen? Warum dilettieren immer mehr Menschen in Bereichen, die Professionalisten vermeintlich besser und schneller und manchmal auch günstiger bearbeiten könnten? Gibt es auch eine Kehrseite der Kultur des Selbermachens?

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Glauben finden

13.11.2013

Prälat KR Mag. Matthäus Nimmervoll, Abt Stift Lilienfeld

Elisabeth Pröll, Präsidentin Verein HILFE IM EIGENEN LAND - Katastrophenhilfe Österreich

Die Lust am Selbermachen und der Drang zur Individualisierung scheinen auch vor dem Glauben nicht halt zu machen: Angesichts der Pluralisierung der religiösen Angebote können Menschen heute aus unterschiedlichen Traditionen wählen und sich ihre persönliche Religion bzw. "selbstgestrickte" Lebensmodelle zusammenstellen. Die Kirchen finden sich als Angebote im Supermarkt der Religionen, Philosophien und Weltanschauungen wieder. Die meisten Religionen und Glaubensgemeinschaften wehren sich vehement gegen selbstgemachte Götter und individuelle Auslegungen vorgegebener Dogmen. Inwiefern lassen sich Religionen in einzelne Fragmente zerlegen? Bieten diese nicht ein Gesamtpaket an allgemeinen Glaubenssätzen? Verändert sich der Glaube angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu Individualisierung? Lässt sich vor diesem Hintergrund eine eigene Glaubensposition finden? Sind die Hilfe für Mitmenschen, die Liebe zur eigenen Familie und die Demut vor der Schöpfung im Glauben begründbar?

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Regeln schaffen

11.12.2013

Dr. Barbara Kolm, Präsidentin Friedrich A. v. Hayek Institut

Mag. Dr. Stephan Schulmeister, Wirtschaftsforscher und Universitätslektor

Einerseits ist die politische Landschaft Österreichs von latenter Passivität und sinkender Wahlbeteiligung geprägt, andererseits engagieren sich Einzelne mehr denn je - sei es im Rahmen zivilgesellschaftlicher Initiativen oder in der Forderung nach mehr Bürgerbeteiligung. Viele Bürger wollen sich nicht bevormunden lassen und wünschen sich, unabhängig von staatlichen Rechtsnormen, ihre eigenen Regeln. Welche Möglichkeiten bieten sich bei der Schaffung individueller Regeln? Wo liegen die Grenzen zivilgesellschaftlichen Engagements? Wie stellt sich der Ausgleich von Gruppenegoismen und dem Allgemeinwohl gegenwärtig dar? In welchen Lebensbereichen sind Regulierungen notwendig und in welchen Bereichen wäre mehr Entscheidungsfreiheit zielführend?

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Talente fördern

8.1.2014

HR Hermann Helm, Amtsführender Präsident, Landesschulrat für Niederösterreich

Prof. Beatrix Konicek, Vizerektorin Kirchlich Pädagogische Hochschule Wien/Krems

Schon der Schriftsteller Theodor Fontane meinte "Die Talente sind oft gar nicht so ungleich, im Fleiß und im Charakter liegen die Unterschiede". Demnach schlummern in jedem Menschen Begabungen und Talente, die sich jedoch erst im Rahmen einer gezielten Förderung optimal entfalten können.

Ist freie Entfaltungsmöglichkeit das Zauberwort der Pädagogik oder ist ein strikter Lehrplan zielführender? In welchem Verhältnis stehen alternative oder "selbstgemachte" Bildungsmodelle zu jenen des staatlich organisierten Schulsystems? Wie lassen sich standardisierte Bildungsziele mit der bestmöglichen Förderung individueller Fähigkeiten vereinbaren?

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HEIMATEN

Kremser Kamingespräche Reihe 14

März - Juni 2013

Heimat – ein Begriff mit langer Geschichte – erfreut sich im Zeitalter der Globalisierung und der sich ständig wechselnden Trends wieder großer Beliebtheit. In der Vergangenheit oft kritisch hinterfragt, idealisiert und auch strapaziert, ist das Thema erneut aktuell. Ob im Supermarktregal, als Stoff für Lifestylemagazine oder als Mittel zur Werbung – Heimat ist en vogue. Nichtsdestotrotz besitzt der Begriff eine lange Ideengeschichte, wurde er doch im Laufe der Jahre stetig neu definiert und interpretiert.

Wofür steht Heimat in der heutigen Zeit? Warum gibt es diese neue Sehnsucht nach Heimat? Unter dem Fokus Heimat.Orte, Heimat.Klischees, Heimat.Chancen und Heimat.Träume widmet sich die aktuelle Staffel der Kremser Kamingespräche den Entwicklungen und Bedeutungen verschiedener Heimaten und gibt viel Diskussionsstoff für ein wieder brandaktuelles Thema.

Heimat.Orte

13.3.2013

Mag. Amani Abuzahra, MA, Dozentin für Philosophie und Interkulturelle Pädagogik

KonsR em. Univ.-Prof. Dr. Franz Eckert, Diakon der Basilika Klein-Mariazell

Für manche Menschen ist sie das Selbstverständlichste auf der Welt, für manche ein unerfüllter Wunsch: eine Heimat. Was aber macht ein Zuhause zur Heimat? Ist Heimat ein Ort, ein Gefühl oder eine Lebenseinstellung? Wann fühlt man sich heimisch, wo erkennt man Symbole und Rituale, wann empfindet man Heimweh? Der Begriff Heimat hat eine lange Entwicklung durchlaufen, zumal sich seine Bedeutung ständig dem gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, religiösen und sozialen Kontext angepasst hat. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird er intuitiv auf einen Ort bezogen. Begriffsdefinitionen gehen jedoch über eine räumliche Interpretation hinaus, weist Heimat doch meist auch stark gefühlsbetonte, ästhetische, nicht zuletzt ideologische Komponenten auf. Naturgemäß sind Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben und finden es verlockend, ihr Heimatland zu verlassen. Hin- und hergerissen zwischen mehreren Kulturen gelingt es nicht immer, ein neues Zuhause auch zur neuen Heimat zu machen. Kann ein Mensch mehrere Heimaten haben?

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Heimat.Klischees

10.4.2013

Dr. Karin Kneissl, Publizistin, Lehrbeauftragte und Energieanalystin

Prof. Lojze Wieser, Verleger

Almwiesen, rauschende Bäche und idyllische Dörfer - das Klischee der heilen Welt bot Ende des 19. Jahrhunderts Stoff für triviale Heimatromane und rührselige Heimatfilme. Im Vordergrund standen dabei vermeintliche Traditionen, Trachten und Volksmusik. Ländliche Idylle stellte das Gegenbild zur unüberschaubaren Großstadt dar. Heimat wurde auf diese Weise zu einem Begriff, der an Stereotypen festgemacht wurde, die Behaglichkeit und Geborgenheit versprachen.  Die Verbreitung des Heimatmotivs durch die Massenmedien hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass auch heute Heimat noch mit bestimmten Klischees assoziiert wird. Ländliche Traditionen sind mittlerweile zum Gegenstand der Kulturindustrie geworden. Warum sind Heimatklischees erneut in der Werbung allgegenwärtig? Worin unterscheiden sich die modernen Klischees von damals? Sind die in Heimatfilmen und -romanen vermittelten Bilder unsterblich? In welchem Verhältnis stehen Selbst- und Fremdbild der Heimat?

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Heimat.Chancen

8.5.2013

Mag. Michael Stavaric, Schriftsteller

Dr. Gesine Tostmann, Volkskundlerin und Trachtenexpertin

Das rasante Tempo der globalisierten Welt, die jüngste Wirtschaftskrise und moderne Kommunikationstechnologien lassen eine neue Sehnsucht aufkommen: Werte wie Sicherheit und Authentizität gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das wiedererwachte Heimatgefühl findet seinen Ausdruck etwa in Kleidung, Musik und Kulinarik - Heimat entwickelt sich immer mehr zum Lifestyletrend schlechthin. Je globaler und schnelllebiger unsere Welt wird, desto stärker wächst so etwas wie Sehnsucht nach Ursprünglichkeit: Heimat ist damit nicht nur aktueller denn je, sondern bietet auch allerlei Möglichkeiten. Welche Chancen ergeben sich durch die Sehnsucht nach Heimat? Kann die neue Heimatverbundenheit auch als Medium einer aktiven Auseinandersetzung für die Gestaltung menschenwürdiger Verhältnisse oder für die nachhaltige Entwicklung unserer Umwelt eingesetzt werden? Warum sehen sich die Menschen wieder vermehrt nach Heimat? Wie beeinflusst jeder Einzelne seine Heimat? Ist es möglich, in mehreren Heimaten zu Hause zu sein?

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Heimat.Träume

12.6.2013

Dorothea Draxler, Geschäftsführerin der Volkskultur Niederösterreich

Gerhard Haderer, Karikaturist

Immer mehr Menschen träumen von einer heilen Welt. Die Vermarktung der Idylle boomt und das Thema Heimat erlebt eine Renaissance. Auf der Suche nach einem Ausgleich zu ständiger Verfügbarkeit und Anonymität haben Bioprodukte, Rezepte aus Großmutters Küche und das Stricken verwunderlicherweise wieder Hochkonjunktur.  Hinter der idyllischen Kulisse tobt ein Kampf darum, wer am meisten Profit aus dieser Sehnsucht schlagen kann. Aber wem bedeuten in einer multikulturellen Welt alte Werte und Traditionen noch etwas bzw. lässt sich Heimat überhaupt mit dem Integrationsgedanken unserer Zeit und der wachsenden ethnischen und kulturellen Heterogenität vereinbaren? Was wenn der Traum einer neu gefundenen Heimat zum Alptraum wird? Wie wichtig ist es sich irgendwo heimisch zu fühlen und was macht das Heimatgefühl aus? Verändert es sich im Laufe des Lebens und wie viel Wandel verträgt es, ohne dass die Identität verloren erscheint?

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DONAU.VISIONEN

Kremser Kamingespräch Reihe 13

Oktober 2012 - Jänner 2013

Seit Jahrhunderten prägt die Donau maßgeblich Land und Leute entlang ihres Flusslaufs. Auf ihrem Weg vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer durchfließt sie zehn Staaten und verbindet als Lebensader zahlreiche Völker Europas und somit wesentliche Teile europäischer Geschichte und Kultur. Inspiriert von der Donau als Strom, der Menschen, Dinge und Ideen in Zeit und Raum in Bewegung setzt, widmen sich acht Persönlichkeiten in vier Gesprächsrunden dem Zentralthema Donau.Visionen. Dem geografischen Verlauf des Flusses folgend, werden einzelne Aspekte der Donauräume diskutiert. Hat sich eine Art gemeinsame historische Identität entwickelt? Wie können grenzüberschreitende Kulturprojekte Anlass zur Vernetzung für Künstler und Wissenschafter im Donauraum geben?

Donau.Leben

10.10.2012

Mag. Elena Shekerletova, Botschafterin der Republik Bulgarien

Ernst Trost, Journalist und Buchautor

"Donau ist eine Metapher für die Komplexität, für die vielschichtige Widersprüchlichkeit der zeitgenössischen Identität [...]", so der Triester Schriftsteller Claudio Magris. Er spricht damit unter anderem die Bedeutung der Donau für die Identitätsfindung der Anrainerstaaten an. Wo immer die Donau entlang fließt, beherrscht sie das Landschaftsbild, prägt die Kultur, den Alltag und die Bräuche. Früher in weiten Bereichen noch ein trennender Grenzfluss, vereint der Strom heute auf einem Einzugsgebiet von etwa 800.000 Quadratkilometern eine Vielzahl unterschiedlicher Völker, Religionen und Kulturen. Es erscheint wichtiger denn je, sich über die gemeinsamen Wurzeln unserer europäischen Kultur zu verständigen. Sind das Wissen und die Kenntnis um das Andere, vielleicht Fremde, Einzigartige oder Gleiche, der Schlüssel zum gelebten Miteinander am zweitlängsten Fluss im geeinten Europa? Konnte sich über die Jahre eine gemeinsame historische Identität der Anrainerstaaten entwickeln? Was verbindet die einzelnen Donauländer miteinander? Wo finden wir das Gemeinsame in der Vielfalt? Korrespondieren die Kulturen und Identitäten der einzelnen Donauregionen?

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Donau.Räume

14.11.2012

Peter de Martin, Generalsekretär der ARGE Donauländer, NÖ Landesregierung

Dr. Elisabeth Vavra, Direktorin des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit

Die Donau verbindet, so lautet die Kernbotschaft der makroregionalen EU-Strategie für den Donauraum (EUSDR), deren zentrale Themen die Steigerung der Wettbewerbs-fähigkeit und der territorialen, sozialen und wirtschaftlichen Kohäsion sind. In einem Raum, der von großer Vielfalt geprägt ist, sollen Synergien themenbezogen und sektor-übergreifend genutzt werden. Unterschiedliche Gesetz-gebungen, ein West-Ost-Gefälle der Lebensstandards, die Trennung von Ost- und Westeuropa bis 1989 und die damit verbundenen Probleme erschweren jedoch die territoriale Zusammenarbeit.

Ist die Idee eines gemeinsamen Donauraums bereits Realität? Kann sich der Donauraum zu einer europäischen Schlüsselregion mit starker kultureller Identität ent-wickeln? Im Kulturbereich wird die Donau bereits seit Jahren als verbindendes Element thematisiert. Wie lassen sich gemeinsame Zielsetzungen in ökologischer wie auch wirtschaftlicher Hinsicht mit dem Bestreben nach staatlicher oder regionaler Selbstbestimmung vereinen bzw. lassen sie sich überhaupt vereinen?

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Donau.Schätze

12.12.2012

Mag. Birgit Brandner-Wallner, Geschäftsführerin der Donau Schiffsstationen GmbH

Dr. Stephan Pernkopf, Landesrat für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Amt der NÖ Landesregierung

Schon in der Frühzeit diente die Donau als Transportweg für Handelswaren und verhalf somit Städten entlang ihrer Ufer zu Reichtum. Auf ihr wurden wahre Schätze transportiert, wie etwa kostbare Pelze, erlesene Weine, Holz aus den Waldbesitzungen der Habsburger und auch das "Weiße Gold", Salz aus dem Salzkammergut, wurde auf meist einfachen Flößen flussabwärts befördert.

Nicht nur als Handelsweg spielt die Donau eine große Rolle, sondern auch zahlreiche Wirtschaftsbetriebe, angefangen von den Schifffahrtsunternehmen bis zu Fähren, Strom-erzeugern und touristischen Einrichtungen, leben von, an und mit dem Strom. Seine einzigartige Naturlandschaft, sein kulturelles Erbe und seine vielfältigen kulinarischen Angebote machen ihn zu einem beliebten Anziehungspunkt. Worin liegt die Faszination Donau begründet? Welche Schätze gibt es entlang ihres Verlaufs zu entdecken und wie kann man diese für künftige Generationen sichern? Wie kann der Fluss mit seinen Ressourcen nachhaltig genutzt werden und wie kann das Spannungsfeld zwischen Großstadtkultur und agrarischer Lebensform vermindert werden? Welches Potential birgt der Strom als nachhaltige Energiequelle?

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Donau.Myhten

9.1.2013

Dr. Ruth Aspöck, Schriftstellerin und Verlegerin

Dimitré Dinev, Schriftsteller, Theater- und Drehbuchautor

Zahlreiche mythische Legenden und Sagen tummeln sich entlang des zweitlängsten Stroms Europas. Die Donau war und ist immer noch eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Seit Jahrhunderten erliegen Komponisten, Literaten und Maler ihrer Schönheit und landschaftlichen Vielfalt. Bereits seit der Antike überlieferte Texte lassen erahnen, welche kulturelle Bedeutung der Donau zuteil wurde. Immer noch faszinieren diese Mythen rund um den Fluss mit einer Mischung an realistisch-historischen Bezügen und beabsichtigter oder zufälliger poetischer Verfremdung. Daran hat sich auch in der neueren Donauliteratur nichts geändert. Neben der literarischen Aufarbeitung historischer Ereignisse spiegelt sich die Donau auch in der Musik wider. Die bekannteste musikalische Verarbeitung findet sie wohl in der Komposition "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß Sohn. Aber auch in der österreichischen Bundeshymne und in der kroatischen Nationalhymne wird der Fluss besungen. Wird die Donau nicht zu Recht als die stumme mitteleuropäische Muse und zugleich Zeitzeugin bezeichnet? Was hätte sie uns wohl zu erzählen? Welche Geschichten werden mit ihr transportiert und worin liegt ihre Symbol- und Anziehungskraft für Künstler begründet?

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ALLERLEI ERBSCHAFTEN

Kremser Kamingespräche Reihe 12

März - Juni 2012

Europas Bibliotheken, Archive und Museen bergen einen reichen Schatz an Quellen und Informationen zur Geschichte und kulturellen Vielfalt Europas. Worin liegen Sinn und Notwendigkeit Kunst, Kultur und Natur zu schützen? Bietet der umfassende Schutz unseres Kulturguts noch ausreichend Chancen für neue Entwicklungen?

Neben zivilrechtlichen Aspekten zum Thema „Erben“, steht in dieser Reihe der Kremser Kamingespräche das Spannungsfeld zwischen Herstellung von Erinnerungen im Sinne von kulturellem Erbe und Verdrängung von historischer Erbschaft im Mittelpunkt der Diskussion.

Gerechtes Erbe

14.3.2012

Em. o. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Karl Acham, Soziolige, Philosoph und Wissenschaftshistoriker

Univ.-Prof. Dr. Constanze Fischer.Czermak, Stellvertretender Vorstand des Instituts für Zivilrecht der Universität Wien

Nachdenken über Recht bedeutet, nachzudenken über den Menschen, seine Ziele, Wünsche und Hoffnungen, aber insbesondere auch über den Zusammenschluss der Menschen in Staat und Gesellschaft. Denn das Recht ordnet und vermittelt zwischen dem Ganzen und seinen Teilen, den Einzelnen und der Gesellschaft.In welche sozialen Verhältnisse ein Mensch hineingeboren wird, ist schicksalsbedingt. Die Ungerechtigkeit der Umstände scheint mit der Geburt festgelegt zu sein. Moderne Gesellschaften beanspruchen für sich, meritokratisch - das heißt auf dem Leistungsprinzip beruhend - organisiert zu sein. Eigentum kann allerdings mühelos durch Erbschaft erworben werden. Damit wird das Prinzip leistungsbezogener Vermögensverteilung in Frage gestellt. Wird soziale Ungleichheit durch Erbschaft erzeugt, verstärkt oder - ganz im Gegenteil - vielleicht eher nivelliert? Sind Erbschaften letztendlich eine sekundäre, fast tautologische Konsequenz der Bildung und des Einkommens der Eltern? Und ist es ungerecht, unverdient reich zu sein?

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Geschütztes Erbe

11.4.2012

Dr. Barbara Neubauer, Präsidentin des Bundesdenkmalamtes Wien

Univ.-Prof. Dr. Fritz F. Steininger, Geologe und Paläontologe

"Gemeinsam handeln, um die europäische Kultur zu wahren und ihre Entwicklung zu fördern." Diese Worte in der Präambel des Europäischen Kulturabkommens von 1954 stecken einen breitgefächerten Aufgabenbereich ab, zu dem heute die Kulturpolitik, das von Menschen geschaffene Erbe und das Naturerbe gehören. Die Vielfalt zu fördern, zu schützen und zu stärken, damit möglichst viele Menschen an ihr teilhaben können, ist eine der Grundlagen unserer europäischen Identität. Es erscheint wichtiger denn je, sich über die gemeinsamen kulturellen Wurzeln unserer europäischen Kultur zu verständigen.An Europa bauen heißt, seine gemeinsame Kultur lebendig zu erhalten, die Vielfalt seiner Kultur zu achten und zu stärken. Museen sind das Gedächtnis unserer Kultur. Doch drohen wir im Reichtum unserer Sammlungsbestände zu ersticken?Ist es an der Zeit, neue Wege des "Entsammelns" einzuschlagen? Warum ist mit dem Begriff Wachstum immer nur Quantität, selten oder nie dagegen Qualität gemeint? Kann Qualität vielleicht sogar durch Reduzierung der Quantität erreicht werden? Und wer definiert den Wert und die Schutzwürdigkeit historisch-kultureller Dokumente?

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Geformtes Erbe

9.5.2012

Oskar Aichinger, Pianist und Komponist

Mag. Dr. phil. Eva Maria Stöckler, Leiterin des Zentrums für Zeitgenössische Musik der Donau-Universität Krems

Alle Musik hat ihre Wurzeln. Musiker lassen sich nicht selten - unbewusst wie willentlich - von Themen und Instrumentationen anderer inspirieren, nehmen diese auf und entwickeln neue musikalische Formen. Der ungarische Komponist Béla Bartók integrierte mehrfach volksmusikalische Elemente in seine Kompositionen, durch sein Genie wurde Volksmusik Teil der Kunstmusik, wurden lokale Dialekte in eine universelle Sprache umgestaltet. Worin liegt das Spannungsfeld zwischen Volksmusik und Kunstmusik? Volksmusik als idealer Ausgangspunkt für eine musikalische Wiedergeburt? War doch die traditionelle Volksmusik immer wieder eine Art Quelle für die Kunstmusik, wurde von ihr zitiert, verwendet, abgewandelt und variiert. Prompt gingen von der Volksmusik nachhaltige Impulse auf die Popmusik aus. Lokale Volksmusiktraditionen vermischten sich mit Jugendmusikkultur. Attwenger machten mit einsilbig betitelten Alben und lakonischer Selbstironie auf sich aufmerksam und waren Vorreiter eines neuen Zugangs zur Volksmusik. Werden Schöpfer von Kunstmusik je wieder so tief und selbstverständlich in der Volksmusik wurzeln können wie Beethoven und Schubert, Mahler, Berg und all die anderen?

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Verwunschenes Erbe

13.6.2012

Em. Univ. Prof. Dr. Gerhard Botz, Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Historische Sozialwissenschaften

Andrea Eckert, Schauspielerin und Dokumentarfilmerin

Geschichte setzt sich fort, nicht nur in dokumentierbaren Ereignissen, sondern in den Seelen, in den Vorstellungen der Menschen von sich selbst. Die Vermittlung von Geschichte und das Begreifen der Ursachen und Folgen des Holocaust gehören heute zu den wichtigsten bildungspolitischen Aufgaben unserer Gesellschaft. Wie gehen wir mit unserem historischen Erbe um? Ist es das Bedürfnis zur Auseinandersetzung mit den Schattenseiten unserer Geschichte, das wir vermissen? Oder mangelt es an Bereitschaft, uns erinnern zu lassen? Eine fehlende Bereitschaft, gegen unsere Vergangenheit, gegen eine Gegenwart, die das Unbegreifliche geschichtlich einfrieren lässt, zu rebellieren? Die Ambivalenz zwischen Aufdecken und Verhüllen zeigt, wie emotional verstrickt und unmittelbar betroffen unsere Zeitgenossen nach wie vor sind. Dem nationalsozialistischen Massenverbrechen einen angemessenen Platz in der kollektiven Erinnerung einzuräumen, ist unbestrittener Teil des wissenschaftlichen Diskurses. Doch der Zustand moralischer Verantwortung will sich auch nach Jahrzehnten des Bereuens nicht überall einstellen. Lässt sich Vergangenheit überhaupt bewältigen? Und wie soll sie bewältigt werden? Vor welchen Herausforderungen steht historisches Erinnern mehr als 65 Jahre nach Kriegsende?

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MASSSTÄBE

Kremser Kamingespräche Reihe 11

Oktober 2011 - Jänner 2012

Maßstäbe sind Vergleichsgrößen, sind Ausdruck von Verhältnissen zwischen Modellen, abstrakten Größen und Wirklichkeit. Über den Maßstab lässt sich der Plan entwickeln, Dimensionen und Verhältnismäßigkeiten werden sichtbar und bewertbar. Abstrahierte Ideen nehmen Gestalt an und verändern Bestehendes. Vorreiter und Pioniere setzen neue Maßstäbe, begründen epochale Veränderungen und verschieben dabei Grenzen, Standards, Normen und Weltbilder. Dabei verschiebt sich auch der Blick auf uns selbst. Werden wir den neuen Maßstäben gerecht, können wir mithalten im Vergleich mit den anderen?

In vier Gesprächsrunden loten acht Experten aus, welche Maßstäbe gegenwärtig als maßgeblich gelten wenn es darum geht, Zukunft zu gestalten, Natur zu bewahren, Balance zu finden und Erkenntnis zu gewinnen. Welche Maßstäbe gilt es einzuhalten oder anzulegen, wenn es um Maß und Ziel geht, damit wir nicht über das Ziel hinaus schießen.

Balance finden

14.12.2011

Univ.-Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann, Philosoph

Mag. Hanni Rützler, Ernährungswissenschafterin

Wir haben zuwenig Zeit, ernähren uns falsch und bewegen uns zu wenig. Abschalten können - das Mobiltelefon, das Notebook. Körper und Seele sind auf der hektischen Suche nach dem inneren Gleichgewicht, zwischen Arbeits- und Freizeitleben, Entfremdung und Aneignung, zwischen Abgrenzung und Identifikation. Ganze Produktlinien in den Supermarktregalen bedienen die Sehnsucht danach, den gesellschaftlichen Maßstäben zu entsprechen, jung, fit und erfolgreich zu erscheinen.Der Schein trügt, das wissen wir nur zu gut, denn die Verinnerlichung dieser gesellschaftlichen Maßstäbe schürt unsere Selbstzweifel. Um unser Wohlbefinden zu erhöhen und das eigene Leben zu verlängern, nehmen wir Anleihe an verschiedenen Konzepten der Askese. Mäßigung, eine der vier Kardinaltugenden, bis ins Maßlose gesteigert? Gesundheit und Wohlbefinden bis ins hohe Alter, Ausgeglichenheit und innere Ruhe, ein erfülltes Leben wünschen wir uns über alle Maßen. Wir sind Zerrissene und Suchende zwischen Maß und Ziel. Auf welchen Graten wandern wir und versuchen dabei Balance zu halten?

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Zukunft gestalten

11.1.2012

Dr. Erwin Pröll, Landeshauptmann von Niederösterreich

Dr. Robert Menasse, Schriftsteller

Die Zukunft birgt die Möglichkeit auf Veränderung. Darin liegt Hoffnung ebenso wie Unbehagen. Hoffnung, weil wir etwas ändern können. Unbehagen, weil wir etwas verändern müssen. Das Abwägen zwischen Kontinuität und Sicherheit, Veränderung und neuen Perspektiven eröffnet ein weites Diskursfeld des Politischen, auf dem sich vermeintliche Populisten und Weltverbesserer ebenso finden wie konstruktive Kritiker und diplomatische Strategen. Wenn wir die Augen nicht verschließen, dann erkennen wir die Erfordernisse der Gegenwart für eine lebenswerte Zukunft. Zukunftswerkstätten sind demokratiepolitische Formen, um gemeinsam Pläne zu schmieden, ohne mit zweierlei Maß zu messen - Pläne im großen und kleinen Maßstab, um der Welt ein Gesicht zu geben, das weiterhin Hoffnung und Zukunft verheißt. Riesige Rechner gespeist mit tausenden von Daten entwickeln Szenarien für eine Welt von Morgen. Wohin geht die Reise in die Zukunft? Mündige Bürger, zentralregiert oder doch regional mitentscheidend?

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Natur bewahren

9.11.2011

Dr. Freda Meissner Blau, Autorin, Umweltpolitikerin und Journalistin

Ing. Manfred Bläuel, Unternehmer und Bio-Pionier

Unser Zugang zur Natur im 21. Jahrhundert ist geprägt von der Gewissheit, dass die Zerstörung der Natur durch den Menschen eine Bedrohung darstellt. Die ständig wachsende Weltbevölkerung, der stetig steigende Ressourcenverbrauch sind zur existentiellen Frage schlechthin geworden. Heute ist es im Bewusstsein Vieler, wie irreversibel verwundbar natürliche Kreisläufe und Ökosysteme sind. Diese Erkenntnis mag bildlich gesprochen ein wenig wie die zweite Vertreibung aus dem Paradies anmuten, denn was wir für elementar, nie enden wollend und unverwüstlich hielten, erweist sich als unheimlich mächtiges und dennoch zerbrechliches Gegenüber. Schon der Philosoph Platon soll vor den schädlichen Folgen des Abholzens der attischen Berge für die Wasserversorgung und Bodenbestände Athens gewarnt haben. Setzen wir gegenwärtig die richtigen Maßstäbe, wenn es darum geht, Natur zu bewahren und dennoch ihre Früchte zu ernten?

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Erkenntnis gewinnen

12.10.2011

Mag. Richard Grasl, Journalist, Kaufmännischer Direktor ORF

Dr. Martina Salomon, Stv. Chefredakteurin KURIER

Episteme, epochale Wissensformationen, prägen und formen unser Welt- und Selbstbild. Wir lesen und verstehen die Welt in anderen Bedeutungszusammenhängen, wie beispielsweise Menschen der Antike oder des Mittelalters, deren Replik auf die Welt anderen Maßstäben und Sinnzusammenhängen folgte. Dass die räumlichen und zeitlichen Horizonte der Erkenntnismöglichkeiten in den Naturwissenschaften über den technologischen Fortschritt weit hinausgeschoben wurden, räumlich in den Mikro- und Makrokosmos und zeitlich durch die Beschleunigung von Rechenvorgängen und Kommunikationsprozessen, gilt als epochale Veränderung. Erkenntnismöglichkeiten haben auch eine soziale und ökonomische Dimension. Ohne die Gelder der spanischen Königin hätte Kolumbus nie zu seinen Entdeckungsfahrten aufbrechen können. Über Medien, also über Sprache, Schrift, Buchdruck, Film, TV und Internet, wird Wissen verteilt, interpretiert und ideologisiert. Wie können wir im Dschungel der Informationen noch Orientierung finden? Was wird eigentlich sichtbar und wahrnehmbar?

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Communities

Bindung & Beziehnung

8.6.2011

Dr. Martina Leibovici-Mühlberger, Psychotherapeutin, Erziehungsexpertin und Autorin

Dr. Erich Brunmayr, Sozial- und Jugendforscher

Ich, wir und die anderen - wen beziehen wir mit ein, wer zählt dazu, wenn es um die intimsten und privaten Formen der Gemeinschaft geht? Bindungen bestehen zwischen Eltern und Kind, ganz originär zwischen Mutter und Kind. Bindungen kennzeichnen nach wie vor das traditionelle Modell der Paarbeziehung, die bürgerliche Ehe, die traditionelle Kernfamilie. Ähnlich wie Bindungen folgen Beziehungen bestimmten Mustern und äußern sich als Freundschaft, Liebe, Partnerschaft. Sie können als harmonisch oder Konflikt beladen erlebt werden, uns Halt, Stabilität und Verwurzelung geben oder vermissen lassen. Die Anzahl allein lebender Menschen nimmt zu, viele Kinder wachsen in Einelternfamilien auf. Betreuungseinrichtungen ersetzen oder ergänzen die familiären Strukturen. Löst sich die Familie auf, wird sie quasi ausgelagert? Oder entstehen lediglich neue Formen sozialer Netzwerke, die tragfähig sind für eine sich wandelnde Gesellschaft. Welche Formen des Miteinanders, welche Muster von Nähe und Distanz prägen heute die Beziehungen und Bindungen zwischen Frauen und Männern, Eltern und Kindern, Geschlechtern und Generationen?

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Herkunft & Schicksal

11.5.2011

Elisabeth Scharang, Filmemacherin, Drehbuchautorin und Radiomoderatorin

Mag. Slavko Ninic, Musiker und Bandleader der Wiener Tschuschenkapelle

Inwieweit prägt die Herkunft unser Schicksal? Geschlecht, Ethnie, Milieu, räumliche Umgebung und die damit verbundenen Gründungsmythen spiegeln sich in unserem Selbst wider, konstituieren und disponieren uns als soziales Wesen. Unmerklich wachsen wir hinein in die jeweils eigene Kultur und beginnen, mit den Phonemen der Muttersprache Bilder von Welt in uns aufzunehmen. Sicherheit und Stabilität, aber auch Regeln und Zwänge sind damit verbunden. Ihnen können wir uns unterwerfen oder widersetzen. Wir erfahren uns als privilegiert oder unterdrückt, als angenommen oder ausgegrenzt. Schließlich stehen einander Familien, Völker, Religionen freundschaftlich oder feindselig gegenüber. Mehr oder weniger fein markieren die unterschiedlichen Communities ihre Position im sozialen Gefüge, die von der Abgrenzung bis zur Ausgrenzung führen, wenn wir an die oft zitierte gläserne Decke denken. Welche Rolle spielen diese Codes der Differenz und der Zusammengehörigkeit im sozialen Gefüge und wie sehr beeinflussen sie tatsächlich unsere Biographien, unseren Blick auf die anderen und jenen der anderen auf uns?

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Macht und Geheimnis

13.4.2011

Ernst Johann Schwarz, ORF-Journalist

Dr. Gudula Walterskirchen, Publizistin und Historikerin

Wenn wir über Communities reden, dann können wir Macht und Geheimnis nicht ausklammern. In sozialen Systemen ist Macht auf unterschiedliche Weise legitimiert und verteilt. Im Feld des Politischen gilt es, Interessen zu vertreten, zu wahren oder geltend zu machen, sei es in Unternehmen, Konzernen, weltumspannenden NGOs oder Nationalstaaten. An den Schnittstellen - wo Macht über Kapital, ideelle sowie symbolische Werte akkumuliert - wird gesteuert oder verteilt. Dort vermuten wir auch das Geheimnis, weil wir nicht eingeweiht wurden, weil über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde. Demokratische Strukturen bemühen sich um Machtausgleich und Offenlegung. Macht und Geheimnis - das klingt ein wenig nach Verschwörung, nach spannenden Plots für Bestseller aller Art von der Antike bis ins mediale Zeitalter. Ebenso nach dem ganz offen vor uns liegenden Spannungsfeld des Politischen, wo Partikular und Allgemeininteressen aufeinander treffen und die Mächtigen dieser Welt sich versammeln. Worin liegt nun das Geheimnis im verantwortungsvollen Umgang mit Macht im weiten Feld des Politischen? Wer regelt und steuert? Wer wird eingeweiht und wer deckt auf?

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9.3.2011

Felix Mitterer, Schriftsteller und Dramatiker

Mag. Barbara Schwarz, Bürgermeisterin der Stadt Dürnstein

Heimat ist ein Gefühl, das sich entlang existentieller und lebensweltlicher Beziehungen zu Orten, Menschen, alltäglichen, Abläufen, inneren Bildern von Welt realisiert. Quer, durch die Geschichte durchkreuzt der Konflikt zwischen, Heimat und Existenz das gesellschaftliche Gefüge sowie einzelne Schicksale. Gesellschaftliche Phänomene, wie, Kolonialisierung, Migration, Landflucht oder Globalisierung, resultieren daraus.Auch heute stehen viele in diesem Spannungsfeld und sind, gezwungen, sich aus existenziellen Gründen neu zu beheimaten, - in anderen Ländern oder Städten, wo es Arbeit gibt, in neuen Berufsfeldern oder Lebensabschnitten. Fremd sein, heimatlos sein ist im global village nicht unbedingt nur räumlich zu verorten, sondern spiegelt sich auch in gesellschaftlicher Isolation wider. Strukturpolitik von der EU über Länder, Regionen und Kommunen hat also eine soziale Dimension und ist weit mehr als Heimatschutz, Ortsbildpflege, Aufpolieren heruntergekommener Stadtviertel. Heimat entfaltet sich auf zwischenmenschlicher Ebene, in den Zwischenräumen von Lokalgemeinschaft und Globalgesellschaft, Tradition und Moderne.

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Verkehrte Welten

Phantastische Wünsche

12.1.2011

a. o. Univ.-Prof. Dr. Andrea Komlosy,Historikerin, Vorstand des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien

Sup. Mag. Paul Weiland, Superintendent der evangelischen Diözese Niederösterreich

 

Im Märchen erfüllen sich Wünsche auf magische Weise. Verwunschene Prinzen verwandeln sich in Frösche und schlichte Holztische zur festlichsten Tafel. Die große Bandbreite der Wünsche reicht vom ephemer-glücklichen Paradies, über das ferne Arkadien bis ins materialistische Schlaraffenland. Kreditkarten und Banknoten können von außen betrachtet als magische, universell einsetzbare Vehikel der Wunscherfüllung gelesen werden. Über Inhalt, Maß und Ziel des Wünschens finden wir Anleitungen in allen Weltreligionen. Wünsche sind in ethisch-moralische Zusammenhänge eingebettet und eng verknüpft mit Individualität und Persönlichkeit. Dass wir wünschen dürfen, ja dass wir uns unseren Wünschen schwer entziehen können, ist die Botschaft der Psychoanalyse. Dennoch finden Wünsche ihre Grenzen, wenn moralische Grundsätze, Rechtsnormen und konkrete Machtverhältnisse ihre Realisierung hintan halten. Ob in Gebeten, Glückwünschen und Grußformeln - auch in unseren Alltag sind einfache Wünsche eingeflochten, die letztendlich zu den drei alt bekannten Fragen führen: Was können wir wissen? Was dürfen wir hoffen? Was sollen wir tun?

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Geliehene Rollen

7.12.2010

Nina Blum, Schauspielerin und Intendantin

Adi Hirschal, Intendant, Schauspieler und Musiker

Verkehrte Welten, geliehene Rollen – die ganze Welt ist Bühne, selbst wenn im Theater die Rollen nur geliehen sind: Der Dramatiker zeichnet sie, der Regisseur vergibt sie, der Schauspieler verkörpert sie und erfüllt sie mit Leben. Eine einfache Geschichte, sollte man meinen, aber eigentlich auch eine doppelbödige, denn die Bretter der Bühne bedeuten und deuten uns die Welt. Sie versammeln Helden und Antihelden, Bürger und Könige, Richter und Angeklagte, Männer und Frauen, Alte und Junge, Arme und Reiche auf der Bühne ebenso, wie im Publikum – von den Logen, übers Parterre bis zu den Stehplätzen, vom Straßentheater bis auf die großen Weltbühnen, von der Kinoleinwand bis zum Fernsehschirm.Der Begriff der Rolle geht auf die Schriftenrolle des antiken Theaters zurück und findet sich auch in der Filmrolle wieder. Wer oder was spielt welche Rolle, was darf, was muss gezeigt werden, was wird unter den Teppich gekehrt? In seine Rolle zu finden ist kein leichtes Unterfangen, weder auf der Bühne noch im realen Leben. Ist die Rolle ein Kostüm für unsere Seele, für unser Selbst, in dem der eine sich geborgen, der andere wiederum gefangen fühlt?Gesprächsmitschnitt der ganzen Sendung anhören:

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Traumhafte Wunder

10.11.2010

Univ.-Doz. Dr. Peter Ulram, Meinungs- und Politikforscher GfK Austria, Kommentator

Karin Kraml-Resetarits, Abgeordnete zum Europa-Parlament a. D., Moderatorin und Journalistin

Wer wünscht sich nicht das oft versprochene Land, in dem Milch und Honig fließen? Doch ins Wunderland kommt Alice in Lewis Carrols Roman nur über ihre lebendige Phantasie und sie malt sich unglaublich spannende Abenteuer, Kurioses, Traumhaftes und Wunderbares mitten im England des 19. Jahrhunderts aus, wo es wenig Raum gibt für eine so wesentliche, ja wesenhafte Fähigkeit des Menschen, nämlich für die Phantasie, für die Entwicklung von Utopien, für das Wundern, aber auch für den Zweifel. Den Zweifel darüber, dass die Welt und ihre Ordnung unverrückbar seien.Was nimmt uns heute noch Wunder? An welchen Kriterien orientieren sich Politik und Wissenschaft: Sind das die Träume, die Hoffnungen der Menschen, die Vorstellungen von einer neuen, einer gerechteren Welt? Verfolgt man die Nachrichten, so stehen Wunder regelmäßig auf der Tagesordnung und werden Dank der Magie der Zahlen als möglich suggeriert. Wer kennt nicht die wundertätigen Heilsverkünder, die ihre vermeintlichen Asse aus dem Ärmel ziehen und die virtuellen Kaninchen aus dem Hut zaubern. Was hilft dem Bürger wirklich beim Navigieren zwischen realistischer Einschätzung, bloßer Spekulation und schlichtem Wunder?

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Kühne Bräuche

13.10.2010

Lakis Jordanopoulos, Journalist und Moderator ORF Minderheitenredaktion, Musiker

Mag. Dchael Josef Greger, Volkskundler und Kulturanthropologe Karl-Franzens-Universität Graz

Bräuche stehen gemeinhin für gesellschaftliche Übereinkünfte, Kontinuität und Tradition. Die Ethnologie beschreibt Schwellenbräuche, Grünbräuche, neue Bräuche und Antibräuche. Der Karneval gilt als eines der interessantesten sozio-kulturellen Phänomene. Nicht zuletzt deshalb, weil dieser Brauch für die Übereinkunft steht, die herrschenden Verhältnisse über kurze Zeit außer Kraft zu setzen. Die reale Welt macht sich Luft in den verkehrten Welten des Karnevals, wo sich die ansonsten fest am Boden der gesellschaftlichen Realität vertäuten Ordnungen lockern und alles im Sog dieser bunten, karnevalistischen Gegenwelt Befindliche an Leichtigkeit gewinnt. Feste, Musik, Tanz und Muße ermöglichen es, sich über den Alltag hinauszuheben, ohne dass die Welt gleich aus den Fugen läuft. Humor scheint jene Brücke zu sein, über die wir einander mit einem Augenzwinkern begegnen können - uns selbst und die Welt relativierend - um freier und offener aufeinander zuzugehen. Welche kühnen Bräuche, welche neuen Formen brauchen wir, um ohne Gleichmacherei Identität zu finden und gleichzeitig Pluralität und Vielfalt zwischen den Kulturen, Ethnien und Generationen zuzulassen?

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Die Vermessung des freien Willens

Fisch oder Fleisch

9.6.2010

Em. o. Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin

Sissy Mayerhoffer

 

Fisch oder Fleisch? Papier- oder Plastiksackerl? Was beeinflusst eigentlich unsere alltäglichen Entscheidungen, also wie wir uns kleiden, was wir essen oder welche Veranstaltung wir besuchen? Bleiben wir beim Fisch: Fisch steht heute durchaus für eine christliche Fastenspeise, aber den Symbolcharakter prägt vorrangig der ernährungsphysiologische Wert des Lebensmittels, nicht zuletzt wegen der Omega-3-Fettsäuren, die in den Medien und in aller Munde sind. Wie frei oder wie fremd bestimmt sind wir in unseren Alltagsentscheidungen? Wir wählen ja aus "freien Stücken" den gesunden Fisch oder das umweltfreundliche Produkt. Objektiv gesehen ist die kulturelle und gesellschaftliche Prädestination durchaus gegeben und auch notwendig, sonst gäbe es keine gemeinsame Kultur und keine gesellschaftlichen Übereinkünfte. Wie und warum verändern sich die Rituale des Alltags und was sagen diese Veränderungen über unsere Gesellschaft aus?

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Chance oder Schicksal

12.5.2010

Univ.-Prof. MMag. DDr. Erwin Rauscher

Dr. Therese Schwarzenberg

Der Wille wird als König im Reich der Seele bezeichnet. Im Alter von etwa drei Jahren beginnt im Übergang vom "Es" zum "Ich" der Wille zu reifen, der uns dazu befähigen soll, das Schicksal zu meistern, Chancen wahrzunehmen und ein erfülltes, selbst bestimmtes Leben zu leben. Der freie Wille muss oft herhalten, um jede Diskussion über Chancengleichheit rasch zu beenden. Schließlich sei jeder für sich selbst verantwortlich, frei nach dem Motto: "Wer arm ist, ist selber schuld!" Wie steht es in unserer oft zitierten Ellbogen und Leistungsgesellschaft um die Chancengerechtigkeit? Empathie, Solidarität und Toleranz, Talente und Begabungen, Interesse und Engagement, ein "eiserner Wille", Glück und Zufall müssen keineswegs getrennte Wege sein, um ein Ziel zu erreichen. Vermutlich wird man zur Übereinkunft kommen, dass wir uns als Solidargesellschaft Schicksal und Chance teilen könnten. Doch in welchem Verhältnis?

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Schöpfung oder Evolution

14.4.2010

Em. Univ.-Prof. Dr. Rudolf Burger

Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber

Welche Rolle spielt der Wille als göttlicher Funke in uns, speziell in den großen Weltreligionen wie Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus sowie Buddhismus, oder generell als moralischer Maßstab? Aus den Naturreligionen kennen wir Riten, die den Willen der Götter gnädig stimmen sollten. In der Annahme eines Schöpfergottes, dessen Wollen die ganze Schöpfung entspringt, liegt ein Weg, die Sinnfrage des Daseins an sich zu erklären. Die Naturwissenschaften sehen den freien Willen kritischer. Ebenso die Philosophie. Der Mensch sei total determiniert, sagen die einen und negieren somit den freien Willen. Die anderen sehen den Menschen nur in bestimmten Bereichen determiniert und verteidigen nach wie vor die Existenz des freien Willens. Inwieweit brauchen wir den freien Willen, um uns als freie Menschen zu verstehen beziehungsweise zu entwickeln und uns nicht lediglich als von Umwelt, Genen und Hormonen gesteuerte Wesen zu sehen.

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Vernunft oder Leidenschaft

10.3.2010

Dr. Thomas Müller

Univ.-Prof. i. R. Mag. Dr. Rotraud Perner

Im abendländischen Denken stehen Leidenschaft und Vernunft durch die Jahrhunderte konträr zueinander. Heute werden Vernunft, Leidenschaft, Emotion und Impuls wertfrei als dem Prozess der Willensbildung inne wohnende Komponenten betrachtet. Hat sich der freie Wille also längst frei gespielt? Neurobiologen können ethisches Handeln im Gehirn lokalisieren. Dennoch ist der freie Wille mehr als der funktionale Output einer Gehirnregion: Der gute Wille bildet den grundlegenden Maßstab ethischen Handelns und sittlichen Verhaltens. Die "willentlichen" Verstöße dagegen reichen vom Kavaliersdelikt bis zum schweren Verbrechen und führen bis an die Abgründe des Menschseins. Was macht uns nun zum guten oder bösen Menschen? Wie viele Gebote und Regeln brauchen wir oder tun uns gut, um als Einzelner oder als Gesellschaft sowohl leidenschaftlich als auch vernünftig zu fühlen, zu wünschen und zu handeln?

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Home made - World wide

Mehrwert & Nährwert

13.1.2010

Ulli Amon-Jell

Dr. Edgar Niemeczek

Kulturpessimistisch könnte man meinen, dass die Vielfalt an Kulturtechniken in unserer konsum- und dienstleistungsorientierten Alltagswelt auf Sparflamme läuft. Egal ob wir Musik hören oder eine Mahlzeit zubereiten wollen - wir kommen meist mit einem Knopfdruck aus. Dennoch erwärmen wir uns zunehmend wieder dafür, Dinge selbst zu machen, ihnen unseren Stempel aufzudrücken, der letztendlich einen ideellen, einen symbolischen Mehrwert darzustellen scheint.

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Märkte & Nischen

10.12.2009

Prof. KR Karlheinz Essl 

em. Prof. Dr. Erich W. Streissler

Mit dem Einbruch der Märkte scheint eine Weltanschauung - letztendlich ein moderner Mythos - in den Grundfesten erschüttert. Können diejenigen, die in die Nischen verbannt wurden, die als wirtschaftlicher Faktor kaum mehr ernst genommen wurden, nunmehr eben weil sie einen langen Atem bewiesen haben, Grundlage für alternative und neue Wege aus der Krise sein?

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Gott & die Welt

11.11.2009

Univ.-Doz. DDr. Adolf Holl

Prof. Hubert Wachter

Wenn die Soziologen heute von Bastlerreligionen sprechen, dann umschreiben sie damit den Trend, sich als Einzelner im Supermarkt der Religionen, Philosophien und Weltanschauungen seine Welt, seinen Gott zusammenzuzimmern. Im Großen und Ganzen klingt dieser Trend sehr versöhnlich, sehr verbindlich nach allen Seiten in die Vergangenheit und in die Zukunft, über Kulturgrenzen hinweg.Welche Instanzen sind heute gefragt, wenn es um Gott & die Welt geht - die Weltkirche, die traditionellen Glaubensgemeinschaften, die Wissenschaft?

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Leitkultur und Leut´kultur

14.10.2009

Timna Brauer

Ao. Univ.-Prof. Dr. Roland Girtler

 

Nach der Popkultur haben sicher auch die Volkskultur, die Volksmusik, die Weltmusik, der Dialekt und die Kultur der Amateure, der Ethnien, der Minderheiten ihren Platz in der so genannten Leitkultur gefunden. Wie weit klaffen hier ideeller Anspruch und Realisierung auseinander? Wie willkommen sind die unterschiedlichsten Leut´kulturen sich einzubringen, sich zu beheimaten, sich zu reiben ohne zerrieben zu werden und der Leitkultur ihren Stempel aufzudrücken und Platz zu haben in der Gesellschaft?

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Im Spiegel : die Grenzen - am Horizont : Europa

Grenzen in Europa

10.6.2009

Dr. Erhard Busek, Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa

Dr. Jan Carnogursky, Premiereminister der Slowakei 1991/92

 

Der Fall des Eisernen Vorhangs vor 20 Jahren – auch Thema der NÖ Landesausstellung 2009 „Österreich.Tschechien. geteilt-getrennt-vereint“ – hat für zahlreiche Veränderungen in Europa gesorgt. Wie sich die Beziehungen zwischen den Staaten des Ostens und Westens in Europa entwickelt haben, stand im Zentrum der Diskussion.Historische, gesellschaftspolitische und politische Entwicklungen und Veränderungen wurden gemeinsam mit dem Kremser Publikum abgehandelt. Dabei stellte man fest, dass man sich eine gewisse Distanz zu den ehemals kommunistischen Ländern bewahrt hat und seine Nachbarn auch nach Wegfall der politischen Barrieren nicht wirklich gut kennt. „Als Europäer fühlt man sich vorwiegend dann, wenn man außerhalb Europas weilt“, startete Ján Čarnogurský die Diskussion mit einem persönlichen Erlebnis als Jurist in Asien. Innerhalb Europas mussten nach der Öffnung vor allem die ehemals kommunistischen Länder und auch die Slowaken vieles lernen – von der freien Marktwirtschaft über die Demokratie bis zum Umgang mit der neuen Freiheit. Als Europäer fühlten und fühlen sie sich aber sehr wohl – damals wie heute.

Mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze innerhalb der europäischen Länder sieht auch Erhard Busek, der in der ehemaligen Monarchie – von der Volksmusik bis zu den Familiennamen – Anknüpfungspunkte für Beziehungen zwischen den Staaten findet, besonders für die Slowakei und Österreich. Die Chance nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde aber viel zu wenig genutzt, um die Nachbarn im Osten wirklich kennen zu lernen. Diese Wissenslücke zu füllen, würde die Beziehungen vertiefen und das gegenseitige Verstehen fördern.

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Grenzen im Kopf

13.5.2009

Dr. Rudolf Bretschneider, Sozialforscher und Geschäftsführer von GfK Austria


Mercedes Echerer, Schauspielerin und Leiterin des Festivals "EU XXL film"

Zum Thema „Grenzen im Kopf“ diskutierten Mercedes Echerer, Gründerin und Intendantin des Festivals „EU XXL film“ und Schauspielerin, und Dr. Rudolf Bretschneider, Sozialforscher und Geschäftsführer von GfK Austria.

Die anregende Diskussion, die auch die Gäste im Saal einbezog, zeigte, wie sehr Grenzen im Kopf – auch in Bezug auf die ehemals kommunistischen Staaten – noch heute vorhanden sind. In Form von Vorurteilen sind sie stets latent vorhanden und fordern uns heraus, sie zu hinterfragen und sie zu überwinden. Mercedes Echerer stellte vor allem den Wert von Kunst und Kultur in den Mittelpunkt, die massiv zum Verständnis beitragen und stets versuchen, Grenzen im Kopf einzureißen, und wünschte sich mehr Interesse für Filme, Literatur und mehr Neugier auf unserer Nachbarn und ihr kulturelles Schaffen: „Neue Eindrücke sind Schätze - Erinnerungen, die man fürs ganze Leben aufbewahrt.“ Es gibt aber auch Grenzen im Kopf mit positiver Konnotation. „Denn nur wenn ich mich vom anderen abgrenze, kann ich wissen, wer ich selbst bin. Man soll sich durchaus bewusst sein, das der andere „anders“ ist. Und durch das darauffolgende „Miteinander Tun“ kann man Neues und Gemeinsames aufbauen“, so Dr. Bretschneider.

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Grenzen überwinden

8.4.2009

Mag. Hermann Dikowitsch, Geschäftsführer der NÖ Landesausstellungen

Dr. Irene Suchy, Publizistin und Moderatorin

Wer je vor der Berliner Mauer stand, vor diesem "antifaschistischen Schutzwall", der die Stadt in Ost und West trennte und unüberwindbar war, konnte sich nicht vorstellen, dass es einmal zu der Nacht auf den 10. November 1989 kommen sollte. Fast drei Jahrzehnte lang war diese knapp 170 Kilometer lange Mauer Symbol für den Ost-West-Konflikt, und doch ging in dieser denkwürdigen Nacht des Mauerfalls eine unselige Ära zu Ende. Heute sind die ideologischen Gräben Geschichte, vor allem Aktivitäten in den Bereichen Kunst und Kultur haben neue Impulse für das Zusammenleben und das gegenseitige Verständnis gebracht. Aus Anlass des 20. Jahrestags des Falls des Eisernen Vorhangs überschreitet erstmals eine NÖ Landesausstellung die Grenzen und arbeitet mit dem Nachbarland Tschechien zusammen.

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Grenzen fallen

11.3.2009

Pavel Kohout, Schriftsteller

Gerald Schubert, Chefredakteur Radio Prag


Grenzen, die von Diktaturen errichtet wurden, halten nicht ewig. Selbst wenn diese Regime mit vielen Mitteln versuchen, die Menschen in all ihren Lebensbereichen zu bevormunden, sie zu bedrohen, zu bestrafen und zu verfolgen, so gibt es dennoch Möglichkeiten des - oft von den Machthabern nicht bemerkten - Widerstands. Künstler und Journalisten waren in den letzten Jahrzehnten oft an vorderster Front zu finden, wenn es darum ging, Widerstand gegen Ungerechtigkeiten zu formulieren und zu formieren. Mit der Macht des Wortes - im Buch wie auf der Bühne - kritisierte Pavel Kohout schon in den 1960er-Jahren die KP-Führung. Als Antwort schickten sie ihn ins Exil. Für viele Bewohner der damaligen Ostblockländer waren Radio- und Fernsehberichte aus dem Westen die einzigen Quellen der Information

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In Position : Niederösterreich

Agrikultur | High-Tech - Ein Land | Eine Saat

14.1.2009

Mag. Brigitte Ederer

 

NRAbg. Ing. Hermann Schultes

Wie ausgeglichen ist das Verhältnis zwischen Tradition und Moderne in Niederösterreich? Ist urbane Konzentration Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg?

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Föderal | Zentral - Ein Land | Ein Europa

10.12.2008

Ing. Hans Penz

Univ.-Prof. DDr. Heinz Mayer

Wie weit darf eine nationale, übergeordnete Gesetzgebung reichen, ohne in die föderale Souveränität einzugreifen?http://www.ws5.at/kamingsp/081210/kage081210.mp3

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Sozial | Sicher - Ein Land | Eine Garantie

12.11.2008

Johannes Coreth

 

Propst Mag. Maximilian Fürnsinn

Was macht die Grundsicherung eines Menschen aus? Woher kommen die Ressourcen dieser Sicherheit? Reicht eine bloße finanzielle Absicherung oder benötigt jeder Mensch für sein Wohl auch spirituellen Schutz?

Johannes Coreth, Präsident der VOLKSKULTUR NIEDERÖSTERREICH, und Mag. Maximilian Fürnsinn, Propst des Stifts Herzogenburg, Vorsitzender der Superiorenkonderenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, diskutieren über gesundheitliche, soziale und auch demokratische Sicherheit in Niederösterreich.

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Kapital | Kultur - Ein Land | Ein Kulturprojekt

8.10.2008

Dr. Joachim Rössl

Peter Turrini

 

Wie viel Öffentlichkeit verträgt Kultur, ohne an Kreativität einzubüßen? Wie können alle kulturellen Bedürfnisse erfüllt werden? Auch wenn im letzten Wahlkampf die Kultur nur eine untergeordnete Rolle spielte, so betonte Peter Turrini im Kremser Kamingespräch im Haus der Regionen, dass Österreich im Vergleich zu anderen Staaten eine vorbildhafte Ausnahme bilde und die Kulturförderung hierzulande ausnehmend gut funktioniere. Dies bewirke vor allem eine Vielfältigkeit in Kunst und Kultur, die vor einigen Jahrzehnten nicht möglich gewesen wäre. Kunst und Kultur dürfe aber nicht verwechselt werden, denn Kultur könne man fördern, Kunst sei aber die Angelegenheit einiger "Wahnsinniger", die ihre Sehnsucht nach Unsterblichkeit ausleben.Joachim Rössl bekannte sich mit Überzeugung zum Kulturkonzept des Landes, dass nicht nur Anerkanntes und Traditionelles, sondern auch die Avantgarde unterstütze, die heute noch unverstanden, morgen bereits große Kunst sei. Als Auftrag des Landes verstehe er vor allem auch die Kulturvermittlung, die Kunst und Kultur nicht nur Ausgewählten, sondern allen zugänglich machen kann.Das höchst interessante und amüsante Gespräch zwischen dem "Beamten" und dem Künstler begeisterte die zahlreichen Besucher des Kremser Kamingesprächs.

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Im Visier : Vorurteil

ChickLit - nur Weiberkram

11.6.2008

Uschi Fellner

 

Dr. Isabella Suppanz

Chick-Lit ist eine Abkürzung aus dem Englischen und bedeutet einfach "Hühner-Literatur". Nicht sehr wissenschaftlich, aber medienwirksam umschreibt der Begriff vor allem jene Formen der gegenwärtigen Frauenliteratur, die sich an Singlefrauen richten und Liebes- und Beziehungsgeschichten zum Inhalt haben. Böse Zungen behaupten, das sei Literatur, die sich ohne große geistige Betätigung konsumieren ließe. Dabei gehe es lediglich um Pumps, Prada und rote Lippen. In Blogs im Internet diskutiert man über Für und Wider, in der Straßenbahn stechen die bunten Cover der Frauenromane ins Auge.Ist das jetzt alles Weiberkram, Frauengetue? Haben wir es hier mit einer fortschreitenden "Barbiesierung" der Welt zu tun? Geht das zu Lasten der Qualität von Literatur? Um ein Urteil bitten wir erfolgreiche Frauen aus dem Bereich Literatur und Journalismus.

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Mehr Muskeln - weniger Geist?

14.5.2008

Harald Knabl

 

Mag. Anton Innauer

Wir kennen sie aus der Vergangenheit: Stotternde Fußballer und stammelnde Boxer. Bisweilen brüllende und grölende Fans tun ein Übriges, um den Sport zum Inbegriff des Vorurteils werden zu lassen.Angesichts der bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft stellt sich die Frage, ob bei gewissen Sportarten voreilige Rückschlüsse auf den sozialen Hintergrund des Sportlers und seiner Fans gezogen werden.

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Recht hat, wer Recht macht?

9.4.2008

ÖR Dr. Christian Konrad

Dr. Dr. hc. mult. Karl Korinek

Eine solide Rechtsordnung ist die Garantie für eine Demokratie. Kann das traditionelle Verfassungsrecht dem Bürgerrecht noch Genüge tun? Zur Ausgewogenheit von Recht, Ordnung, Moral und Ökonomie bitten wir einen hervorragenden Wirtschaftsexperten und einen exzellenten Verfassungsrechtler zum Disput.

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Mehr Meinung - weniger Information?

12.3.2008

Prof. Norbert Gollinger

 

Armin Thurnher

Eine Meinung bildet sich aus Information und Intuition. Ein zuviel an Information blockiert manchmal die Meinungsbildung. Und häufig beinhaltet die Information bereits eine unterbewußte Bewertung und manipuliert so die Meinung. Medien haben in der Folge einen besonders großen Anteil an der Bildung vorgefasster Meinungen und Urteile.

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Impuls : Region

phänomenal - museal - genial

12.12.2007

DI Alois Neururer

DI Werner Zita

 

Es wurde über die Herausforderungen in den Bereichen Wohnkultur, Lebensraum und Wohnraumgestaltung diskutiert. Die Herangehensweise der modernen Architektur an Herausforderungen im ländlichen Raum und in der Stadt sowie Fragen zur Ästhetik der heutigen Architektur waren Thema der Gesprächsrunde.

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gewohnt - geplant - geborgen

12.12.2007

DI Alois Neururer

DI Werner Zita

Es wurde über die Herausforderungen in den Bereichen Wohnkultur, Lebensraum und Wohnraumgestaltung diskutiert. Die Herangehensweise der modernen Architektur an Herausforderungen im ländlichen Raum und in der Stadt sowie Fragen zur Ästhetik der heutigen Architektur waren Thema der Gesprächsrunde.

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laut - leise - weise

14.11.2007

Mag. Wolfgang Sobotka

 

Dr. Christof Spörk

Die Kremser Kamingespräche wurden mit Diskussionen über die Musik unseres Landes fortgesetzt. Landesrat Mag. Sobotka und Politikwissenschaftler sowie Musiker Dr. Spörk debattierten über die musikalische Vielfältigkeit unseres Landes. Ist Volksmusik tatsächlich der Nährboden für musikalisches Schaffen? Die Erörterung dieser Fragestellung bot eine Grundlage für eine spannende Diskussion.

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global - regional - egal

10.10.2007

Dr. Erwin Pröll

Dr. Boris Nemsic

 

Unter der Diskussionsleitung von Chefredakteur Mag. Richard Grasl und Dr. Reinhard Linke, ORF Niederösterreich, wurde den Schlagworten „Globalisierung“ und „Regionalentwicklung“ auf den Grund gegangen. Besonders die wirtschaftlichen und politischen Aspekte des Themas kamen zur Sprache und zeigten auch die grundlegenden Reibungspunkte, aber auch die möglichen gegenseitigen Bereicherungen.

Ein Konflikt aus dem Jahre 2005 – bei dem es um 4.000 Sendemasten in Niederösterreich ging – hat die beiden Diskussionspartner zum ersten Mal an einen Tisch gebracht. Nun – zwei Jahre danach – zog man Resümee aus dem Aufeinanderprallen einer globalen Entwicklung mit regionalen Bedürfnissen. Die politischen Rahmenbedingungen sind für die Regionalpolitiker oft zu weitmaschig, für den „global player“ in jedem Fall zu eng gestrickt. Eine Lösung für beide Seiten zu finden, das ist die Aufgabe im Spannungsfeld Globalisierung –  Regionalentwicklung.

„Wachsen und sich entwickeln, das darf nicht bedeuten, das Wohlergehen der Menschen hintanzustellen“, so Landeshauptmann  P r öl l. Einig war man sich auf jedem Fall, dass die Wirtschaftlichkeit nur ein Aspekt im Gesamtbild sein kann. Dennoch kommen globale Entwicklungen auch der breiten Basis zugute.

„Die positive Entwicklung unseres Unternehmens und der Wirtschaft im Allgemeinen kommt dem Wohlstand aller zugute – und wo die Grundbedürfnisse befriedigt sind, wo Wohlstand gedeiht, dort werden Konflikte auf friedliche Weise gelöst“, Boris Nemsic, geboren in Sarajevo, wo die Eskalation von Konflikten zu unsagbarem Leid geführt hat, sieht in der expansiven Strategie seines Unternehmens neben wirtschaftlichen auch gesellschaftspolitische Vorteile.

Auch die Kultur und im Speziellen die Volkskultur, in deren Haus man zu Gast war, kam ins Gespräch: die tiefe Verwurzelung in der regionalen Volkskultur als wichtiges Fundament für die Bewältigung, aber auch die Nutzung der globalen Ressourcen wurde hervorgehoben. „Ein Baum mit tiefen Wurzeln, hält vielen – auch globalen – Anforderungen stand“, so Landeshauptmann Pröll.

Was Wirtschaft und Politik schon gelernt haben, nämlich Seite an Seite in Zukunft zu gehen, das ist für die Humanwissenschaften, die Religion und andere Bereiche noch nicht entsprechend entwickelt.

„Beides – Globalisierung und Regionalisierung - in vernünftiger Verbindung zu nutzen, bringt uns weiter auf dem Weg nach vorne“, so die abschließenden Worte des Landeshauptmanns von Niederösterreich.

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Banalitäten des Alltags

Die Tracht - Die Mode

13.6.2007

Dr. Elsbeth Wallnöfer

Miguel Herz–Kestranek

"Kleider machen Leute" - ist das Gewand nur Schutz und Wärmespender oder steckt doch mehr dahinter? Mode an und für sich ist Ausdruck der Zeit, der sozialen Verhältnisse und manchmal sogar von Weltanschauungen. Stand früher vor allem das Repräsentative - bei Festtagsgewändern - und das Praktische - bei Alltagskleidern - im Vordergrund, so ist seit dem 20. Jahrhundert eine Vielfalt und ein rascher Wechsel der Mode zu erkennen. Die Tracht hingegen ist meist mit langen Traditionen verbunden und greift alte Schnitte, überlieferte Muster und hochqualitative Stoffe auf - allerdings nicht ohne auch hier moderne Einflüsse aufzunehmen. Miguel Herz-Kestranek trägt in seinem Refugium in St. Gilgen meist Tracht - ein Ausdruck seiner Liebe zur Tradition seiner Familie. "Ich trage Tracht, weil sie kleidsam ist, weil es zu den von mir gepflegten Traditionen gehört und weil ich sie als Jude heute, zum Unterschied von den Jahren 1938 bis 1945, wieder tragen darf." argumentiert Miguel Herz-Kestranek. Seine Gesprächspartnerin im letzen Kremser Kamingespräch vor der Sommerpause, Dr. Elsbeth Wallnöfer, erhellt die kulturwissenschaftlichen Hintergründe der Tracht und die aktuellen Bezüge zur Mode:"Tracht und Mode sind stets eine Antwort auf die jeweilige Gegenwart. Ich mag Tracht, denn sie beherbergt gleichsam Tradition und Avantgarde."

Passend zum Thema wurden im Festsaal des Hauses der Regionen in Krems-Stein vor dem Kamingespräch die neuen Blätter der Trachtenmappe "Die Tracht in Niederösterreich" präsentiert und Dirndln und Festtagstrachten aus verschiedenen Regionen Niederösterreichs vorgestellt.

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Das Kreuz - Glaubensfragen

9.5.2007

Dr. Helga Maria Wolf

Univ.-Prof. Dr. Peter Kampits

 

Am Mittwoch, den 9. Mai 2007 diskutierten Dr. Helga Maria Wolf und Univ.-Prof. Dr. Peter Kampits auf Einladung der Volkskultur Niederösterreich im Haus der Regionen in Krems-Stein unter der Leitung von Dr. Reinhard Linke über die Bedeutung und die Zukunft des Kreuzzeichens.

Das Kreuz, das seit Jahrhunderten als Symbol der christlichen Kirchen steht – als Zeichen für Tod und Auferstehung, Leiden und Erlösung –, hat in den letzen Jahren eine Inflation und somit eine Säkularisierung erfahren, die die Frage nach der Zukunft von Religiosität aufwirft. „Spiritualität und Religiosität sind zutiefst menschliche Bedürfnisse, die aus dem magisch-mystischen Bereich stammen, den die Menschen nie ganz verlassen haben. Die christlichen Kirchen sind aber heute nicht mehr in der Lage, diese Bedürfnisse ausreichend zu befriedigen.“, stellt Prof. Dr. Kampits fest. Die Kirche, die sich im Zwiespalt zwischen spirituellen Ritualen und der wissenschaftlich orientierten Theologie befindet, ist nicht mehr für alle zugänglich.

Auch Frau Dr. Wolf sieht die neue Sehnsucht nach Frömmigkeit, Ritualen und spirituellen Ausdrucksformen: „Die Formen der Religiosität werden vielfältiger und die Ausdrucksformen persönlicher.“, ist ihr Resümee. Die Religiosität – aus Spiritualität und der Suche nach dem Sinn des Lebens entstanden – ist nicht gefährdet. Ob allerdings die alteingesessenen Religionen in Zukunft die richtigen Wege für die Menschen anbieten, ist fraglich. Fenster öffnen und alte Strukturen aufbrechen – so sah auch ein Teil der Gäste im Kaminzimmer, die mögliche Zukunft der christlichen Tradition.

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Junge Hupfer - Ewige Jugend

11.4.2007

LR Dr. Petra Bohuslav

Univ.-Prof. Dr. Ilse Kryspin-Exner

Die Diskussion der beiden Gesprächspartnerinnen wie auch die Publikummeldungen zum Thema Altern beschäftigte sich vor allem mit den Auswirkungen einer immer älter werdenden Gesellschaft, hinsichtlich politischer und psychologischer Effekte. Die Politik, so Frau Dr. Bohuslav, kann Möglichkeiten und Programme anbieten und tut dies auch schon aktiv, um die Herausforderung des Alterns zu bewältigen und einen erfüllten Lebensabend zu gestalten. Die Eigenverantwortung soll den Menschen aber nicht genommen werden. Die Menschen leben zunehmend bewusster und Angebote zur Erhaltung der Beweglichkeit von Körper und Geist werden sehr gut angenommen. Vor allem soll aber die Freude am Tun, an der Arbeit auch über willkürlich gesetzte Grenzen hinweg gefördert und endlich wieder positiv besetzt werden.

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Ein Glas Wasser - Öklologisches Kapital

14.3.2007

LR DI Josef Plank

Mag. Georg Rebernig

Ein sauberes Glas Wasser trinken – ist das wirklich so selbstverständlich? In einem Punkt ist man sich einig: Die hohe Wasserqualität in Österreich muss erhalten werden. Österreich hat betreffend Wasserqualität eine einzigartige und herausragende Stellung in Europa. Für die Zukunft werden aber auch diese Fragen bestimmend sein: Wie schützen wir zukünftig das Wasser vor der Gefahr Mensch? „Die Wasserressourcen in Österreich gewinnen zunehmend an Wert. Entscheidend wird sein, welche Strategien wir zur Erhaltung dieses ökologischen Kapitals einsetzen“, meint dazu Georg Rebernig.

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Der Brief - Neue Schreibwelten

10.1.2007

Thomas Jorda

Prof. Dr. Christian Swertz, MA

Der studierte Jurist und Theologe Thomas Jorda, heute NÖN-Kulturchefredakteur und Leiter des größ-ten niederösterreichischen Kulturmagazins „Live in NÖ“, lässt als führender Kulturjournalist eine spannende Auseinandersetzung mit dem Thema Schreiben erwarten. Christian Schwertz gibt ihm als analytischer Beobachter der Neuen Medien Kontra.

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Die Pause - der Stress

13.12.2006

Prof. Dr. Anton Leitner

Dr. Reinhard Dörflinger

Die beiden Ausnahme-Mediziner Anton Leitner und Reinhard Dörflinger diskutieren über ein Thema, das alle im Arbeitsprozess stehenden Menschen brennend interessiert: Stress und Stressbewältigung, Gesundheit mit schöpferischen Pausen oder Krankheit, die zur Pause zwingt.

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Das Butterbrot - der Welthunger

8.11.2006

Bodo Hell

Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin

Allround-Künstlergenie Bodo Hell, durch zahlreiche Literaturpreise und seine Filme einem breiten Publikum bekannt, betreibt am Dachstein eine Almwirtschaft. Konrad Köstlin - Volkskundler, Soziologe und Philosoph - stellte sich in der Diskussion den Einsichten Hells.

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Das Auto - Neue Freiheit

11.10.2006

  • Rudolf Skarics

 

 

  • Univ.-Prof. DI Dr. Hermann Knoflacher

  • Eine spannende Kontroverse verspricht die Diskussionsrunde mit Rudolf Skarics, der als leitender Redakteur der beliebtesten Autofahrer- Zeitschrift Autorevue die Seite der Motorbegeisterten vertritt, und Hermann Knoflacher, der als ehemaliger Leiter des Instituts für Verkehrswesen im Kuratorium für Verkehrssicherheit Argumente gegen die „freie Fahrt“ finden wird.

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Zur Kultur des Selbstverständlichen

Bild trifft Text

14.6.2006

Univ.-Prof. Dr. Gregor Lechner, OSB

Mella Waldstein

Univ.-Prof. Dr. Gregor Lechner, OSB (Donau-Universität Krems und Benediktinerstift Göttweig, Kustos der Kunstsammlungen) und Mella Waldstein (Freischaffende Autorin) diskutierten unter der Leitung von Dr. Reinhard Linke, ORF Niederösterreich.

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Essen trifft Trinken

10.5.2006

Toni Mörwald

Dr. Elsbeth Wallnöfer

Haubenkoch Toni Mörwald und Dr. Elsbeth Wallnöfer (Universität Wien, Organisations- und Wissensmanagement) diskutierten unter der Leitung von Dr. Reinhard Linke, ORF Niederösterreich.

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Landwirtschaft trifft Wirtschaft

12.4.2006

DI Dr. Franz Fischler

Mag. Erwin Hameseder

DI Dr. Franz Fischler (Landwirtschaftsberater, Franz Fischler Consult GmbH und Österreichischer Bundesminister a.D., sowie ehemaliger EU-Agrarkommissar) und Mag. Erwin Hameseder (Generaldirektor der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien reg. Gen.m.b.H.) diskutierten unter der Leitung von Dr. Reinhard Linke, ORF Niederösterreich.

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Region trifft Stadt

8.3.2006

Dr. Hannes Hirtzberger

Mag. Dr. Klaus Atzwanger

Dr. Hannes Hirtzberger (Rechtsanwalt und Bürgermeister der Marktgemeinde Spitz) und Mag. Dr. Klaus Atzwanger (Universität Wien, Institut für Anthropologie) diskutierten unter der Leitung von Dr. Reinhard Linke, ORF Niederösterreich.

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Volk trifft Nation

11.1.2006

Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin

LR Mag. Johanna Mikl-Leitner

Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin (Universität Wien, Vorstand des Instituts für Europäische Ethnologie) und LR Mag. Johanna Mikl-Leitner (NÖ Landesregierung, Landesrätin für Frauenfragen, Familie und Generationen, Versammlung der Regionen Europas, Leitung der Kommission für Kultur, Erziehung/Bildung, Jugend, Medien und Sport) diskutieren mit Dr. Reinhard Linke, O.Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin, Vorstand des Instituts für Europäische Ethnologie an der Universität Wien, und LR Mag. Johanna Mikl-Leitner (NÖ Landesregierung, Landesrätin für Frauenfragen, Familie und Generationen / Versammlung der Regionen Europas, Leitung der Kommission für Kultur, Erziehung und Bildung, Jugend, Medien und Sport) diskutieren mit Dr. Reinhard Linke, ORF Niederösterreich.

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Volkskunst trifft Kunst

14.12.2005

Mag. Hubert Lobnig und Iris Andraschek

Dr. Tayfun Belgin

Mag. Hubert Lobnig und Iris Andraschek (Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz und Freischaffende Künstlerin) und Dr. Tayfun Belgin (Direktor und künstlerischer Leiter der Kunsthalle Krems) diskutierten mit Dr. Reinhard Linke, ORF Niederösterreich.

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Vergessen trifft Erinnern

9.11.2005

Heinz Hettich

Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin

Heinz Hettich (Coach, Supervisor und Psychotherapeut) und Univ.-Prof. Dr. Konrad Köstlin (Universität Wien, Vorstand des Instituts für Europäische Ethnologie) diskutierten mit Dr. Reinhard Linke, ORF Niederösterreich

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Glauben trifft Wissen

12.10.2005

Univ.-Prof. DDr. Johann Reikerstorfer

Univ.-Prof. Mag. Dr. Ada Pellert

Univ.-Prof. DDr. Johann Reikerstorfer (Universität Wien, Institut für Fundamentaltheologie) und Univ.-Prof. Mag. Dr. Ada Pellert (Donau-Universität Krems, Vizerektorin) diskutierten mit Dr. Reinhard Linke, ORF Niederösterreich.

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